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13. Tag im RTL-Dschungel: Rattensarg und Seifenschaum

Normalbetrieb im Gute-Laune-Camp: DJ Tomekks Rauswurf war nur am Rande Thema, Eike Immel musste unter die Erde, und Michaela Schaffrath unter die Busch-Dusche. Barbara Herzsprung wurde rausgewählt. Der Abend bei RTL hatte es trotzdem in sich.

Von Peter Luley

Ob der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger wohl gestern Abend Zeit zum Fernsehen fand? Der bekannte CDU-Medienexperte ("Scheiß-Privatfernsehen") hätte beim kommerziellen Marktführer RTL jedenfalls in kompakter Form interessante Eindrücke sammeln können.

Um 20.15 Uhr startete schließlich mit großem Pomp die fünfte Staffel der hauseigenen "Superstar"-Rösterei "DSDS". Juror Dieter Bohlen durfte wieder fleißig Schmähungen ausstoßen ("Flachzange", "du bist die personifizierte Talentfreiheit"), derweil mit offensichtlicher Freude am Vorführen Endausscheidungs-Aspiranten verhöhnt wurden. Besonders genüsslich nahm man sich eines "Mr. Spock" titulierten Wettbewerbers sowie eines chancenlosen bebrillten Teenagers an.

Ab 21.15 Uhr weidete dann das neue Sozial-Coaching-Format "Die Ausreißer" das Schicksal eines von zu Hause abgehauenen Straßenjungen aus – wenn auch nicht ganz so voyeuristisch, wie es erwartbar gewesen wäre. Und um 22.15 Uhr meldeten sich planmäßig Dirk Bach und Sonja Zietlow mit der 13. Ausgabe der Dschungelshow zum Dienst.

Der gestern entfachte Hype um das "Nazi-Skandalvideo" des aus der Show entfernten DJ Tomekk war dabei nur noch am Rande Thema, in den Texten der Moderatoren. "Das Video, über das ganz Deutschland spricht", fantasierte eingangs Bach, sei "von einer Privatperson aus dem Umfeld unserer Stars gedreht und verkauft" worden. Mit dieser wolkigen "Klarstellung" ließ man es im Wesentlichen bewenden; Zietlow versuchte später noch ein paar schale Scherze über den Ausländeranteil in der Promi-Gruppe, das war's.

Übliche Dosis Ekel und Pseudo-Erotik

Die Camp-Insassen wollte man offenbar lieber nicht über die Angelegenheit diskutieren lassen – den verbliebenen sechs Probanden wurde lediglich die übliche Dosis Ekel und Pseudo-Erotik abverlangt. Zur Dschungelprüfung "Ruhe sanft" hatte Eike Immel anzutreten: Er wurde mit Infrarotkamera dabei gefilmt, wie er in einer sargartigen Kiste unter der Erde liegend 40 Ratten über sich krabbeln ließ. "Ein wenig stolz" sei er, die geforderten sechs Minuten ausgehalten zu haben, bekundete der Ex-Nationaltorhüter hinterher, während er vor den Moderatoren die Hose runterließ, um sich ein in seinem Schritt gefangenes Nagetier entfernen zu lassen.

Immel, von Barbara Herzsprung liebevoll "Aik" genannt, war zugleich wieder Protagonist der Camp-Romanze, die die RTL-Regie in Ermangelung sonstiger Geschehnisse herbeizureden versucht: Beim gemeinsamen Holzholen seien er und Michaela sich näher gekommen, säuselte der Off-Kommentar; während die ehemalige Porno-Aktrice sich die mückenstichigen Oberschenkel eincremte, stimmte Schlagerfan Immel denn auch pflichtschuldig "So nah am Feuer, so nah am Tabu" an.

Die kumpelhafte Ex-Gina Wild sollte im Gegenzug bei der Schatzsuche solange im schwarzen Badenanzug unter einem tröpfelnden Wassertank "duschen", bis ein Stück Seife sich aufgelöst und einen Schlüssel freigegeben hatte, mit dem sie den in einem Netz gefangenen Ross befreien konnte. Der kreischte unterdessen zappelnd "Your baby, she's got it". Als die Bewohner dann noch richtig errieten, wie oft am Tag Männer durchschnittlich an Sex denken (elf-, nicht dreimal!), gab’s zur Belohnung Bier aus Pappbechern. Was wohl die Zungen lockern sollte, führte allerdings nur zu ein bisschen Schwedisch-Unterricht von Tänzerin Isabel.

Herzsprung ist raus

Gehen musste am Ende Barbara Herzsprung - diesmal wieder durch regulären Zuschauerentscheid ermittelt. "Macht doch nix", rief sie aus, Ross weinte dennoch bitterlich. Heute will Eike Immel den Kameraden erklären, was abseits ist - und DJ Tomekk hat dazu aus der Ferne sicher auch noch was zu sagen. Okay, noch eine Gelegenheit für erkenntnisfördernde Fernseh-Feldforschung.