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Ronald Schill bei Maischberger: Der bizarre Talkshow-Auftritt von "Richter Gnadenlos"

"Hoch geflogen, tief gestürzt" war das Thema bei Sandra Maischberger. Der frühere Hamburger Innensenator Ronald Schill sprengte die Runde - und zeigte einmal mehr, dass er nichts begriffen hat.

Von Carsten Heidböhmer

Ronald Schill

"Hoch geflogen, tief gestürzt - Wie geht das Leben weiter?" - das war das Thema in der Talkshow "Menschen bei Maischberger". Ronald Schill redete sich dabei um Kopf und Kragen.

Dass Ronald Schill nicht gerade an einem Minderwertigkeitskomplex leidet, ist bekannt. Doch wie weit sich der frühere Hamburger Innensenator von der Realität entfernt hat, wurde am Dienstagabend in der Talkshow "Menschen bei Maischberger" deutlich. "Hoch geflogen, tief gestürzt - Wie geht das Leben weiter?" lautete das Thema der Sendung, über das Moderatorin Sandra Maischberger mit ihren Gästen Yvonne Holthaus, Wolfgang Ködel, Eike Immel und Nino de Angelo über weite Strecken konzentriert diskutierte. Nur ein Gast fiel aus dem Rahmen: Ronald Barnabas Schill.

Zu Beginn wirkte es so, als habe er aus seinem dramatischen Absturz gelernt, der ihn vom Richter und Hamburger Innensenator in ein Armenviertel Rios katapultiert hat: "Die Maßlosigkeit wurde mir zum Verhängnis", sagt er rückblickend.

Politik als persönlicher Rachefeldzug

Seinen Weg in die Politik beschreibt er in der Sendung als persönlichen Rachefeldzug gegen die SPD, "die die Stadt wie ihr Eigentum behandelte" und die ihm seinen Traumjob als Strafrichter nahm. Schill - so schildert er es heute - beschloss: "Wenn ihr mir meinen Traumjob nehmt, nehme ich euch euren Traumjob". Der Plan: "Ich gründe jetzt eine Partei und werde das Bundesland Hamburg innnerhalb von 15 Monaten erobern. Und dann seid ihr draußen und ich bin drin."

So größenwahnsinnig sich das anhört - der Plan ging tatsächlich auf: Seine Partei Rechtsstaatlicher Offensive holte bei den Bürgerschaftswahlen 2001 19,4 Prozent der Stimmen und bildete eine Regierung mit der CDU. Schill wurde Innensenator und Zweiter Bürgermeister.

"Charakterlich nicht geeignet"

Doch keine zwei Jahre später kam der dramatische Sturz: Im August 2003 entließ Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust Schills Staatsrat Walter Wellinghausen wegen unerlaubter Nebentätigkeiten. Das wollte Schill nicht auf sich sitzen lassen: Er drohte, Intima aus von Beusts Privatleben zu veröffentlichen - woraufhin Schill aus dem Amt geworfen wurde, er sei "charakterlich nicht geeignet".

Schill zeigt rückblickend in Maischbergers Sendung keine Reue, sieht vielmehr "ein Komplott gegen mich" am Werk: Von Beust habe sich mit der Schill-Partei gegen ihn, den Parteigründer, verbündet. Leid tut ihm der schäbige Erpressungsversuch nicht: "Ich bin ja kein moralisierender Mensch und selbst auch eher unmoralisch", sagte er der fassungslosen Maischberger. Er habe sich lediglich taktisch falsch verhalten. "Es war der größte Fehler meines Lebens und die größte Niederlage." Ansonsten scheint er mit sich im Reinen: "Ole hat gegen mich einen Komplott geschmiedet und dafür die Quittung bekommen." Was er damit meint, bleibt sein Geheimnis. Ohne Schill regierte Ole von Beust sieben weitere Jahre, er war ein sehr beliebter Bürgermeister und gewann noch zwei Wahlen.

Damit war der Tiefpunkt der Sendung aber noch nicht erreicht. Der Unbelehrbare feuerte zynische Sprüche ab ("Alles wird schlechter, nur eins wird besser: die Moral wird schlechter.") und verbreitete seine eigenwillige Ansicht, weshalb es falsch sei, den Kokain-Handel unter Strafe zu stellen.

"Sie halten das jetzt nicht in die Kamera?"

Richtig dreist wurde es, als er schamlos sein Buch in die Kamera hielt. Da verschlug es der ansonsten sehr wachen Moderatorin für einen Moment die Sprache: "Sie halten das jetzt nicht in die Kamera?", fragte Maischberger ungläubig. Was sie von ihm hält, sagte sie Schill denn auch offen ins Gesicht: "Dass Sie mal Senator waren und Richter, das kriege ich mit Ihrer Persönlichkeit nicht zusammen. Das müssen Sie mir jetzt verzeihen."

Damit war aber noch immer nicht Schluss, einen Kracher hatte sich Schill noch für den Schluss aufbewahrt. Ob ihm schon mal der Gedanke gekommen sei, dass er Menschen vom Wählen abhalte, weil er das Amt beschädigt habe, wollte Maischberger wissen. Doch mit solchen Fragen braucht man Schill nicht zu kommen: "Diese Verantwortung habe ich nicht empfunden", erwiderte dieser, "weil die Politik in Deutschland so mittelmäßig und schlecht ist, dass es durch mich mit Sicherheit nur hätte besser werden können."