Keine Freigrenze mehr
Warum China-Importe bald teurer werden

Sich Billigwaren aus China zu bestellen, kann künftig teurer werden als gedacht.
Sich Billigwaren aus China zu bestellen, kann künftig teurer werden als gedacht.
© istock/AntonioGuillem
Ab Juli dieses Jahres fallen pauschale Zollgebühren für Billigsendungen aus China an. Worauf sich Schnäppchenjäger gefasst machen müssen.

Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher gilt Online-Shopping bei chinesischen Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress als günstige Alternative zum Einkauf in Europa. Kleinteile, Kleidung oder Elektronikzubehör werden oft für wenige Euro angeboten und direkt nach Hause geliefert. Damit könnte jedoch bald Schluss sein - zumindest mit den besonders niedrigen Preisen.

Bislang galt für Waren aus Drittstaaten eine wichtige Erleichterung: Lag der Warenwert unter 150 Euro, fiel kein Zoll an. Genau diese Grenze wird von der Europäischen Union abgeschafft. Künftig sollen auch sehr günstige Bestellungen aus China zollpflichtig werden. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das, dass selbst bei Kleinstbestellungen zusätzliche Kosten entstehen können, die bisher nicht anfielen.

In einer Übergangsphase (von Juli 2026 bis Juli 2028) ist ein pauschaler Zollbetrag von drei Euro vorgesehen, der pro Sendung beziehungsweise pro "Tarifgruppe" erhoben wird. Dieser Betrag kommt zusätzlich zum Kaufpreis und zur bereits bekannten Einfuhrumsatzsteuer hinzu. Der Endpreis, der beim Bestellen angezeigt wird, dürfte damit häufiger nicht mehr dem entsprechen, was am Ende tatsächlich zu zahlen ist.

Warum günstige Bestellungen besonders betroffen sind

Der Reiz von Plattformen wie Temu liegt im extrem niedrigen Einzelpreis vieler Produkte. Ein Handy-Kabel für zwei Euro oder ein T-Shirt für fünf Euro wirken auf den ersten Blick unschlagbar günstig. Fällt darauf künftig ein fixer Zollbetrag an, kann sich der Preis schnell verdoppeln oder noch stärker steigen. Besonders bei sehr billigen Artikeln macht sich die neue Regelung daher deutlich bemerkbar.

Wer mehrere verschiedene Produkte in einer Bestellung kauft, muss zudem damit rechnen, dass sich die Zusatzkosten summieren, denn die Drei-Euro-Pauschale entfällt nicht pro Sendung, sondern je Warentyp. Als Beispiel nennt die EU eine Paketsendung mit zwei Blusen, einer aus Seide und einer aus Wolle, die aufgrund ihres Materials in unterschiedliche Tarifgruppen fallen und damit einzeln zu verzollen sind. Damit verliert der spontane Kauf von Kleinteilen aus China einen Teil seines bisherigen Preisvorteils.

Was Verbraucherinnen und Verbraucher beachten sollten

Für Kundinnen und Kunden wird es wichtiger, genauer auf den tatsächlichen Endpreis zu achten. Viele Plattformen weisen Abgaben bislang nicht transparent aus oder erst sehr spät im Bestellprozess. Künftig lohnt es sich, vor dem Kauf zu prüfen, ob Zoll und Steuern bereits im Preis enthalten sind oder ob diese bei der Zustellung noch fällig werden.

Wenn Sendungen häufiger vom Zoll geprüft werden, sind auch längere Lieferzeiten und eine zusätzliche Abwicklung durch Paketdienste möglich. Das kann den Komfort schmälern, den viele Käuferinnen und Käufer an Direktbestellungen aus China schätzen.

Lohnt sich der Einkauf aus China künftig noch?

Trotz der neuen Regeln werden chinesische Online-Händler nicht vollständig vom Markt verschwinden. Bei höherwertigen Produkten oder größeren Sammelbestellungen kann der Preis weiterhin attraktiv sein. Der bisherige Vorteil extrem günstiger Einzelartikel dürfte jedoch schrumpfen und europäische Händler könnten wieder konkurrenzfähiger werden, da sie denselben Abgaben und Regeln unterliegen.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher heißt das vor allem eines: Preise vergleichen ist wichtiger denn je. Der billigste Klick ist nicht automatisch das günstigste Angebot, insbesondere dann nicht, wenn zusätzliche Kosten erst nach dem Kauf sichtbar werden.

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