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Ronald Schill veröffentlicht Autobiografie: Gnadenlos peinlich

Hamburgs Ex-Innensenator und aktueller "Promi Big Brother"-Teilnehmer Ronald Schill hat eine Biografie geschrieben und enthüllt: Nicht Politik, sondern Sex hatte er im Sinn.

Von Kerstin Herrnkind

Es gibt Bücher, die man als Kritiker gar nicht kommentieren sollte. Weil sie für sich sprechen. Sich selbst richten, schärfer als jeder Rezensent es vermag. Die Autobiografie "Der Provokateur" von Hamburgs Ex-Innensenator Ronald Schill ist so ein Buch. Es soll in den nächsten Tagen erscheinen - während Schill im "Promi Big Brother"-Container sitzt und auf "ein bisschen Sex" hofft, wie er der "Bild"-Zeitung verraten hat.

Gleich auf den ersten Seiten schreibt Schill, früher auch als "Richter Gnadenlos" bekannt, über sein Scheitern: "Es war meine Gier nach dem weiblichen Geschlecht, die meinen zahlreichen Feinden in Medien und Politik zu viel Angriffsfläche bot. Mein Schwanz brach mir das Genick." Die Weiber, also. Und nicht etwa Kokain. Das habe er erst in Brasilien geschnupft, nicht aber während seiner Amtszeit. Denn: "Die mit der Einnahme von Kokain verbundenen Erektionsstörungen" wollte "ich auf gar keinen Fall in Kauf nehmen".

Unter Drogen stand Schill allerdings trotzdem oft, wie er jetzt zugibt. Seit seinem Jurastudium schwört er auf "Tavor". "Die perfekte Droge. Beruhigend, Schlaf anbahnend, euphorisierend, das Selbstvertrauen stärkend." Gegen die "Droge Sex" sei Tavor allerdings harmlos: "Nichts beseelt mich mehr als der weibliche Orgasmus - je intensiver und öfter, desto besser!"

Ein wenig Spaß im Dienstzimmer

Schon als "Jungrichter Schill" habe er "zum Ausgleich für den tristen Berufsalltag ein wenig Spaß" im Dienstzimmer gehabt. "Während der ersten beiden Jahre war ich Richter auf Probe, hätte also noch jederzeit gefeuert werden können. Letzteres hielt mich allerdings keineswegs davon ab, mich mit Richterkolleginnen, Anwältinnen, Protokollführerinnen und sonstigen Mitarbeiterinnen der Geschäftsstellen sogleich in heiße Sexabenteuer zu stürzen."

Nach Feierabend zog es Schill in die Hamburger Nobel-Disko "Insel", wo er viele seiner "Gespielinnen", darunter eine gewisse "Jackie" kennenlernte. "Schon unser erster Sex war gigantisch. Sie kam viermal zum Orgasmus und ihre Schreie tosten durch den Wald. Ein Wahnsinn. Später trieben wir es zur Perfektion und sie kam 20 Mal innerhalb einer Stunde. Bis sie einmal sogar einen Hörsturz erlitt."

Er habe schon den "unerschütterlichen Willen" gehabt, "in ganz Hamburg für Recht und Ordnung zu sorgen." Doch während Schill als Innensenator Dealer jagen ließ, hatte er privat "nie etwas gegen Leute, die koksen. Schließlich war ich ja kein Spießer, der in privaten Kreis belehrend mit dem Zeigefinger daherkommt."

Seine Gespielinnen brachte er sogar ins Rathaus

Selbst im Rathaus dachte Schill an Sex: "Ich hatte als Trommler für Ole von Beust und mich das Hamburger Rathaus erobert, das mehr Zimmer hat als der Buckingham Palace der britischen Queen ... Im Übrigen empfing ich im Rathaus meine jeweilige Königin der Nacht, nachdem ich sie aus der 'Insel' abgeschleppt hatte. Die Neigung meiner schönen Begleiterinnen, sich mir in diesem Ambiente zu verweigern, tendierte gegen null."

Seine Leibwächter störten da nur: "Da mir die ständige Anwesenheit meiner Leibwächter während meiner nächtlichen Eroberungsfeldzüge doch etwas lästig war, beanspruchte ich eine weitere Insigne der Macht. Ich wies den Chef meiner Behörde an, mir einen Waffenschein auszustellen. Flugs bekam ich es mit dem arteigenen Sträuben eines verdienten SPD-Genossen zu tun... Nur war ich nicht Innensenator geworden, um jetzt diesen Unsinn anzuhören. Und schon hielt ich die begehrte Urkunde in der Hand." Eine Waffe, damit Senator Schill in Ruhe Weiber aufreißen gehen konnte.

Schill entschied sich "für eine auch bei Attentätern beliebte österreichische Hochleistungspistole der Marke Glock 17", die er "fortan durchgeladen in einem Schulterhalfter unauffällig unter der Anzugsjacke" trug. "Als der US-Präsident George W. Bush im Bundestag eine Rede zu dem von ihm geplanten Irakkrieg hielt, war ich wohl der Einzige, der im Plenum eine Waffe trug."

Schill stahl sich vom Ball der Polizeigewerkschaft, raste nachts mit 250 km/h nach Solingen. Was er da wollte? "Endlich mal wieder nach meinem Geschmack feiern", und zwar "in meinem Lieblingsswingerclub 'Beverly'".

"Ich liebe halt alle Frauen"

Als Hamburgs Erster Bürgermeister Ole van Beust Schill 2003 nach einem Erpressungsversuch aus der Regierung warf, saß Schill in der Bürgerschaft. Und dachte wieder nur an das Eine. "Obwohl ich nun Abgeordneter war, sah ich davon ab, mich in die Niederrungen der Fraktionsarbeit zu begeben. Meine Energie benötigte ich jetzt für meine nächtlichen amourösen Abenteuer. Na ja, ob blond, ob braun - ich liebe halt alle Frauen."

Kein Wunder, dass seine eigene Partei ihn rauswarf. Schill kehrte Deutschland den Rücken, ging erst nach Kuba, dann nach Brasilien. Gelegentlich telefonierte er mit Corinna Jürgens, die er bei einem Konzert ihres Mannes Udo kennengelernt hatte. Er besuchte sie in Düsseldorf: "Wie zwei Verdurstende stürzten wir uns aufeinander und liebten uns Stunde um Stunde. Corinna war grandios! Wie eine Brandung, die den Fels umspült; die dich erfasst und mit sich in die Tiefe reißt."

Corinna Jürgens will Medienberichten zufolge Passagen aus Schills Autobiografie verbieten lassen. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass das Buch, das für den 15. August angekündigt war, noch nicht ausgeliefert worden ist. Die Leser scheinen sehnsüchtig darauf zu warten. Bei Amazon steht es bei den Biografien auf Platz 1. Das Buch dürfte ein Bestseller werden. Doch es ist keine Abrechnung. Keine Analyse. Kein kritischer Rückblick. Es ist das gnadenlos peinliche Bekenntnis eines Mannes, der vielleicht auf der Couch eines Psychiaters besser aufgehoben wäre als im "Promi Big Brother"-Container.