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RTL-Dschungelshow: "Hab ich gepullert?"

Lauwarme Späßchen aus dem Busch - der gestrige Auftakt des Verhöhnungsspektakels "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" war nicht mal nach den Maßstäben des Genres gelungen, sondern einfach nur ausgewalzter Stumpfsinn. 4,59 Millionen Zuschauern schalteten ein.

Von Peter Luley

"Michaela Schaffrath wird Teamchefin / DJ Tomekk angekettet im Krokodil-Wassertank!", informierte RTL gestern per Pressemitteilung bereits um 11.23 Uhr - nicht ohne Hinweis auf die "Sperrfrist für Radio und Online-Medien bis 23.55 Uhr". Als handle es sich bei den Wasserstandsmeldungen aus dem australischen Safari-Lager um hochbrisante Weltnachrichten. Die PR-Maschinerie läuft also bereits gut geölt bei dem nach dreieinhalb Jahren reanimierten RTL-Dschungelspektakel. Von der Show selbst lässt sich das nicht behaupten.

Spätestens als sich um 22.15 Uhr - nach eingeblendeter Ortszeit 7.15 Uhr - die Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach live vom Ort des grausamen Geschehens meldeten, wurde wieder klar: Dramatik und Action sind bei dem debilen Verhöhnungsgebaren im Wildnis-Ambiente nur suggeriert - tatsächlich herrscht zähe Langeweile, die sich allerdings für RTL lohnte: Der Marktanteil lag bei 22,6 Prozent, nur geringfügig unter dem der ersten Staffel (23,1 Prozent) und deutlich höher als bei der Auftaktsendung der zweiten Staffel (18,8 Prozent).

Zunächst mal gab's eine ausführliche Videoclip-Vorstellung der zehn teilnehmenden Konsonanten-Promis, die in einer Luxus-Limousine vor einem Edelhotel vorfuhren. Man lernte, dass Ex-Torhüter Eike Immel in den nächsten zwei Wochen "einfach nur ehrlich rüberkommen" möchte, dass "DSDS"-Problemkind Lisa Bund allen beweisen will, dass sie "gar keine Zicke" ist, und dass Schlager-Opa Bata Illic sich vorgenommen hat, im Camp "deutsche Tugenden zu bringen" - was immer das heißt.

DJ Tomekk baut Gewaltpotenzial auf

Auch ein paar Abschiedstränen wurden verdrückt, und die zwei erlaubten Luxusartikel, die sich jeder Kandidat einpacken durfte, blieben nicht unerwähnt: Kuscheltiere und Kissen zumeist, so weit, so herzig. Lediglich DJ Tomekk verbreitete mit seiner Selbstauskunft "Ich hab Angst davor, dass ich mal jemand auf die Fresse hau" einen Hauch jenes prollig-brachialen Terrors, der laut Konzept die Show auszeichnen soll.

Es folgten die Ausgabe der Dschungelkleidung an die Probanden, ausführliche Leibesvisitationen durch möchtegern-martialische Ranger, um das Mitführen von Schmuggelware auszuschließen, und eine Vorab-Begehung der Örtlichkeiten durch die Moderatoren - inklusive Dschungeldusche (neu!), Lästerecke und Buschtelefon. Nach einer knappen Stunde kam es zum Einmarsch der Gladiatoren ins Gelände.

Schlammrutschen zum Einstieg

In zwei Fünferteams mussten sich die Probanden ins Camp vorkämpfen: die einen über nach wochenlangen Regenfällen aufgeweichte Schlammhänge rutschend, wobei sich das auf hysterisch machende Ex-Bro'Sis-Mitglied Ross Antony eine nasse Unterhose zuzog und ein besorgtes "Hab ich vielleicht gepullert?" ausstieß. "Das geht an die Substanz", bemerkte der Off-Kommentar zu dem Extrem-Trekking - und lag damit in jeder Hinsicht richtig.

Die andere Gruppe hatte über eine schmale Hängebrücke ins Lager vorzudringen, was dem Zuschauer Bilder von einer angeseilt über dem Abgrund zappelnden Lisa Bund bescherte. So weit die Höhepunkte der ersten 75 Minuten.

"Ich fühl mich dreckig"

Selbst wenn man versucht, das degenerierte Gebaren im dem ungebauten Farmgelände losgelöst von ethisch-moralischen Erwägungen zu betrachten und nur nach seinen eigenen Gesetzen zu beurteilen - sagen wir mal: denen eines zynischen Sportwettbewerbs -, kommt man um die Erkenntnis nicht herum: Die mit viel Musik unterlegten Schnipsel aus dem Dschungel und die schalen Späßchen der meist auf einer Hängebrücke oder in einem Baumhaus postierten Moderatoren bieten kein infames diabolisches Vergnügen, sondern einfach nur ausgewalzten Stumpfsinn. Wenn Ross und Co. ständig "Ich fühl mich dreckig" greinen, passt das nicht nur trefflich zu den offenbar ausreichend gebuchten Werbespots für Deoroller und WC-Reiniger. Es beschreibt auch ganz gut das Gefühl, das sich beim Zuschauen einstellt.

Es ist 23.42 Uhr, als der - gemäß einer Sonderregelung der ersten Show - von seinen Gefährten auserkorene DJ Tomekk zur ersten Dschungelprüfung antritt, mithin der kalkulierte Skandal-Höhepunkt des Abends steigt. An den Füßen angekettet, soll er in einem mit Baby-Krokodilen gefluteten Wassertank nach Sternen tauchen und so seinen Kollegen Mahlzeiten erobern. Nach fünf Trophäen und ein paar mehr Tieren im Tank reicht es ihm; er klopft an die Scheibe und bittet um Abbruch. "Ich bin stolz darauf", verkündet er gleichwohl im Anschluss. "Wir fanden’s super", stimmen die Moderatoren ein.

Bleibt eigentlich nur noch die Top-Nachricht des Abends zu verkünden, die nicht vorab erhältlich war: Nach dem von nun an üblichen Zuschauervotum, das Bach und Zietlow im Camp verkündeten, muss heute Lisa Bund zur Prüfung antreten: zum Maden-Lutschen an der "Dschungelbar". Wer sich das am Samstagabend anguckt, hat es wirklich nicht anders verdient.