Moshammer-Prozess "Es war Schicksal"


Schicksalsergeben und vergesslich zeigte sich der mutmaßliche Moshammer-Mörder Herisch A. am ersten Prozesstag vor dem Münchner Landgericht. Protokoll eines zermürbenden Fragespiels.

"Ich kann mich nicht erinnern." Immer wieder macht der mutmaßliche Mörder des homosexuellen Münchner Modemachers Rudolph Moshammer Gedächtnislücken geltend. "Ich weiß selbst nicht, was passiert ist", sagt der angeklagte Iraker Herisch A., 25, am Mittwoch beim Prozessauftakt vor dem Münchner Schwurgericht. Und dann kommen immer wieder Sätze wie "Ich war betrunken" und "Es war Schicksal".

Eine andere Ausführung beginnt Herisch A. mit den Worten: "Wenn Gott etwas aufschreibt, dann muss es passieren" - und das Gericht hört ihm lange aufmerksam zu. Dann aber macht der Vorsitzende Richter Manfred Götzl deutlich, dass sich die Geduld der Kammer nicht endlos strapazieren lässt. "Damit gebe ich mich nicht zufrieden", sagt der Gerichtsvorsitzende nach einem erneuten Hinweis von Herisch A. auf das Schicksal. Es stehe dem Angeklagten frei, Aussagen zur Sache zu machen oder aber nicht - falls ja, möge er aber bitte mit konkreten Angaben aufwarten und nicht mit allgemeinen Hinweisen auf das Schicksal.

Zermürbendes Fragespiel

Daraufhin beteuert der Angeklagte: "Ich wollte ihn nicht töten", erklärt mehrmals, er wolle sich entschuldigen. "Es passierte so, und ich glaube selbst nicht daran." Und dann behauptet Herisch A. entgegen seinem früheren Geständnis überraschend, dass der 64 Jahre alte Moshammer noch gelebt habe, als er dessen Haus im Münchner Nobel- Vorort Grünwald am frühen Morgen des 14. Januar 2005 verließ.

Auf die Aufforderung nach einer genaueren Schilderung kommen wieder nur Ausflüchte: "Ich weiß nicht, mir war schwindelig." Der Kammervorsitzende fragt weiter: "Wann sind Sie denn gegangen, in welcher Situation?" Und wieder erwidert der Angeklagte: "Ich weiß es selbst auch nicht." Darauf der Richter: "Ab wann wissen Sie denn wieder etwas?" Herisch A.: "Ich hatte Angst." Richter: "Bitte beantworten Sie meine Frage und weichen Sie nicht aus." So geht es hin und her, bis der Angeklagte schließlich doch nicht mehr sicher ist, ob Moshammer noch lebte, als er dessen Haus verließ.

"Ich schäme mich"

Herisch A. bestätigt immerhin, dass er am späten Abend des 13. Januar 2005 am Münchner Hauptbahnhof zu Moshammer in dessen Rolls- Royce stieg und mit ihm in dessen Haus fuhr. Lange aber windet er sich, "Ich schäme mich", bis er zugibt, dass es zu Intimitäten zwischen ihm und Moshammer kam. Der Modemacher habe ihm zwar Geld geboten, er aber habe Analverkehr trotzdem abgelehnt, beteuert der Angeklagte. Darüber sei es schließlich zum Streit und gegenseitigen Schlägen gekommen, und plötzlich sei Moshammer am Boden gelegen.

Trotz eines umfassenden Geständnisses nach seiner Festnahme legt der Angeklagte dann erst am Mittwochnachmittag nach langer Vernehmung doch noch ein Teilgeständnis ab. "Ich hatte irgendwie ein Kabel in der Hand und habe ihn damit geschlagen." Aber er wisse nicht, was er sonst noch mit dem Kabel gemacht habe, sagt er aus. Kurz zuvor hat er selbst noch erklärt: "Niemand kann vor der Wahrheit weglaufen". "Ja, das sollten Sie nicht tun", bestätigt der Vorsitzende Richter.

Mord oder Totschlag

Nach Darstellung der Anklage hat Herisch A. den Modemacher im Streit um Liebeslohn mit einem Elektrokabel erdrosselt und ist dann mit mehreren hundert Euro Beute geflüchtet. Einen genetischen Fingerabdruck des Irakers, der als Asylbewerber nach Deutschland gekommen war, hatten die Ermittler auf dem Kabel gefunden.

Ob es sich bei der Tat um Mord oder Totschlag handelt, muss letztendlich das Gericht klären. Bei Mord droht dem Angeklagten lebenslange Haft, bei Totschlag fünf bis maximal 15 Jahre Freiheitsstrafe. 42 Zeugen und fünf Sachverständige will die Kammer hören, darunter einen Psychiater und einen Rechtsmediziner. Der Prozess ist auf zehn Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich am 16. November gefällt werden. An diesem Tag wird Herisch A. 26 Jahre alt.

Von Jürgen Balthasar/DPA DPA

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