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Moshammer-Prozess: Unglaublicher Zeugenauftritt

Am dritten Prozesstag zum Mord an Rudolph Moshammer hat es einige Überraschungen gegeben: Die ehemalige Freundin des Angeklagten schlich sich verkleidet in den Gerichtssaal und verriet erschreckende Details über ihren Ex-Freund.

Die Ex-Freundin des Angeklagten Herisch A. hat in Verkleidung und unerlaubterweise schon vor ihrem Zeugenauftritt am Prozess um den Mord an Rudolph Moshammer teilgenommen. Sie habe von einem privaten Fernsehsender 1000 Euro Honorar bekommen, um exklusiv ihre Eindrücke von der Verhandlung gegen den Iraker zu schildern, musste die 20-Jährige auf Frage des Gerichts zugeben.

Die Russin, die von dem Angeklagten 2003 eine Tochter bekam, hatte den Mann im selben Jahr zu Unrecht wegen Vergewaltigung angezeigt. Sie hatte dadurch unbeabsichtigt die Aufdeckung der Gewalttat an dem Boutiquebesitzer Moshammer herbeigeführt. In dem später eingestellten Vergewaltigungsverfahren musste der 25 Jahre alte Angeklagte eine Speichelprobe abgeben. Seine DNS fand sich dann an dem Kabel, mit dem Moshammer in der Nacht zum 14. Januar 2005 erdrosselt worden war.

500 Euro für den Tod des Kindes

"Sind Sie vergewaltigt worden?" fragte der Richter am Mittwoch im Moshammer-Prozess. "Nein", gab die Zeugin zu. Sie habe den Angeklagten aus Wut fälschlich bezichtigt. "Ich wollte ihm wehtun, wie er mir und meiner Familie wehgetan hat". Der Iraker habe sie mehrmals gewürgt und während der ganzen Schwangerschaft misshandelt. Er habe gewollt, "dass ich das Kind aus mir heraus hole, notfalls mit den Händen". Einem Freund habe er 500 Euro geboten, "wenn er mich irgendwo runter stößt und ich das Kind verliere». Der Zeugin zufolge hatte der Angeklagte "etwas mit Männern", auch mit ihrer Oma habe er ein Verhältnis gehabt.

Der unter Verdacht der Falschaussage festgenommene Moshammer-Doppelgänger ist inzwischen wieder frei. Der 62-jährige Koch aus Passau hatte noch am Abend seiner Festnahme zugegeben, er sei mit dem Modehändler nur flüchtig bekannt gewesen und habe die Geschichten über das dem homosexuellen Moshammer zugeführte "Frischfleisch" frei erfunden. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Moshammer sei "herrisch" und "rassistisch" gewesen

Eine frühere Angestellte des Modehändlers hat diesen als Leuteschinder geschildert, bei dem die Verkäufer "acht Stunden auf einer Stelle stehen" mussten und höchstens mal 30 Sekunden auf die Toilette gehen durften. "Er war extrem aufbrausend", sagte die 43- Jährige, die nach einem Nervenzusammenbruch von Moshammer entlassen worden war. Der Chef habe auch sexuelle Anspielungen in Gegenwart von Kunden gemacht, er sei "herrisch" und "rassistisch" gewesen.

Der Gesellschaftsliebling habe "extrem explosiv" sein können, bestätigte auch der Leiter des 2003 aufgelösten Moshammer-Fanclubs. Seine Angestellten habe er "gewechselt wie die Unterwäsche, ich hätte bei ihm nicht arbeiten können".

DPA / DPA