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Prozess gegen Murray Jacksons letzte Minuten


Hätte Michael Jackson gerettet werden können? Der behandelnde Rettungssanitäter Richard Senneff ist davon überzeugt. Vor Gericht schilderte er die letzten Wiederbelebungsversuche.
Von Frank Siering, Los Angeles

Es ist 12.22 Uhr mittags, als der Notruf in der "Firestation 71" in Bel Air eingeht. Rettungssanitäter Richard Senneff schnappt sich sein Team und rast los. Die Infos, die er mitnimmt: "100 North Carolwood, 50jähriger Patient atmet nicht, Wiederbelebungsversuche anhaltend." Das Haus ist fünf Minuten von der Station entfernt. Zu diesem Zeitpunkt weiss Senneff, der seit 27 Jahren seinen Job im Rettungsdienst ausübt nicht, dass er gleich um das Leben von Michael Jackson kämpfen muss. "Ich lief die Treppe rauf, direkt ins Schlafzimmer. Ich sah einen völlig aufgelösten Dr. Murray, einen Sicherheitsbeamten und den Patienten. Der Patient trug einen Schlafanzug und eine Art Haarnetz", so Senneff am Freitag im Zeugenstand im Prozess gegen Murray. Dem erfahrenen Sanitaeter fällt sofort auf, dass "der Patient viel zu dünn ist. Die Haut war kalt. Die Augen offen, aber ganz trocken." Senneff und vier weitere Helfer aus seinem Team beginnen mit der Arbeit.

"Da ist nichts, alles ganz normal"

"Wir ventilierten den Patienten, ein Kollege massierte das Herz. Wir legten ein EKG an. Aber da war nichts, kein Puls, absolute Flatline", so Senneff. Sofort fragt Senneff Murray, ob der Patient - zu diesem Zeitpunkt hatte der Rettungssanitäter noch immer nicht erkannt, dass es sich um Michael Jackson handelte - nach "unterschwelligen gesundheitlichen Problemen des Patienten". Murray habe daraufhin geantwortet: "Da ist nichts, alles ganz normal." Auf die Frage, wie lange der Patient schon "down" sei, antwortete Murray demnach: "Das ist gerade erst passiert, kurz bevor der Notruf rausging." - Ein Versprecher in der Hektik? Immerhin beweisen Telefonaufzeichnungen schon jetzt, dass der Notruf mit mindestens 20 Minuten Verspätung eingegangen war. Zuvor hatte Murray den Assisstenten von Jackson angerufen und ihm gesagt, unverzüglich zur Residenz zu kommen. Ein Notarzt sollte zu diesem Zeitpunkt nicht angerufen werden. Für Senneff, so erzählt er dem Staatsanwalt im Zeugenstand, bedeutete die Murray-Aussage allerdings, "dass wir demnach eine gute Chance hatten, das Herz des Patienten zum Schlagen zu bringen."

Sennef will weiterkämpfen

Senneff und sein Team geben Jackson zwei Medikamente. Ohne Erfolg. "Wir konnten keine Veränderung im Zustand des Patienten feststellen", so der Sanitäter. Zu keinem Zeitpunkt, berichtet Senneff weiter, erwähnte Murray etwas davon, dass Jackson das Narkosemittel Propofol eingenommen habe. Obwohl der Sanitäter mehrfach gefragt haben soll, welche Medikamente der Popstar eingenommen habe. Einzig das Beruhigungsmittel Lorazepam sei verabreicht worden, sagt Murray im Gespräch mit Senneff. Eine zweite Runde von Herzaktivierungsmitteln wird verabreicht. Senneff ruft das UCLA Medical Center an. Eine Telefonschwester fragt, ob der Sanitäter den Tod des Patienten feststellen will. Aber Senneff will weiterkämpfen. Auch, weil Murray plötzlich, so die Schilderungen von Senneff, im Beckenbereich von Jackson einen Puls entdeckt haben will. "Auf dem EKG sah ich allerdings keinerlei Aktivität. Da war immer noch eine absolute Flatline", so Senneff. Um 12.57 Uhr gibt Senneff übers Telefon durch, dass die Versuche, den Patienten wiederzubeleben, fehlgeschlagen sind. Michael Jackson ist tot.


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