Reality-Ehe Kamera im Haus, Ehe aus


Das eigene Eheleben zur Schau zustellen, ist ein viel versprechendes Unternehmen für viele Promipaare und kurbelt die Karriere an. Doch bei der danach oft folgenden Scheidung verlangen die Stars dann wieder Diskretion.
Von Claudia Pientka

War es das Geld, der Ruhm - oder bloß Naivität? Ein Paar nach dem anderen öffnete die Schlafzimmertüren und ließ die Kameras von MTV hinein: Jessica Simpson und Nick Lachey, Carmen Electra und Dave Navarro, Travis Barker und Shanna Moakler. Unter dem Motto "verliebt, verlobt, verheiratet" ließen sich die Paare als "Newlyweds", "Till death do us part" und "Meet the Barkers" filmen: bei den Hochzeitsvorbereitungen, beim Candle-Light-Dinner, auf dem Klo. Sie knutschten und beteuerten sich ewige Liebe, richteten Geburtstagspartys aus und Kleiderzimmer ein, stritten wegen überteuerter Hundetaschen und versöhnten sich im Morgenrot Malibus. Doch was so öffentlichkeitswirksam begann, endete für alle tragisch: vor dem Scheidungsrichter.

Erst traf es die Sänger Jessica Simpson, 26, und Nick Lachey, 32. Er war damals mit seiner Band "98 Degrees" aufsteigender Star am Boyband-Himmel, sie gerade dem Kirchenchor entronnen. Die Vermarktung der Ehe fädelte Simpsons Vater Joe ein, zumindest für die Karriere der Tochter ein geglückter Coup. Sie philosophierte vor der Kamera über Thunfisch, "das Hühnchen des Meeres", er versuchte ein gemeinsames Nest zu bauen. Dass diese Liebe nicht für ewig währen sollte, konnten die Zuschauer schon an Nicks ständigen Versuchen sehen, Jessicas Wortschatz zu erweitern - "Darling, der Plural von 'mouse' ist 'mice' - nicht 'mouses' " - und dem Disput über die Erziehung des gemeinsamen Hundes. Drei Episoden lang quälten sich die beiden in ihrem Big-Brother-House, dann reichten sie die Scheidung ein. Gewinner der Fernseh-Schlacht dürfte neben MTV Nick Lachey sein: Weil er damals der berühmtere von beiden war, schloss das Paar keinen Ehevertrag ab. Inzwischen ist Jessica Simpson jedoch die millionenschwere Großverdienerin - und wird ihrem Ex wohl Unterhalt zahlen müssen.

Öffentliche Liebe, private Trennung

Das für die Beziehung schlechte, und auch fürs Image nicht immer vorteilhafte Beispiel der "Newlyweds" Lachey und Simpson konnte andere Popstars nicht abschrecken. In düsterer Aufmachung, dafür mit Kameras desselben Senders, flitterten Ex-Baywatch-Nixe Carmen Electra, 34, und Jane's-Addiction-Gitarrist Dave Navarro, 39, in "Till death do us part". Statt des Todes wird sie jetzt jedoch vorzeitig der Scheidungsrichter trennen: Electra reichte wegen "unüberbrückbarer Differenzen" am Donnerstag in Los Angeles die Scheidungspapiere ein - etwa drei Jahre lang hatten sie durchgehalten. Schlau durch ihren Fünf-Monats-Bund mit Basketball-Rowdy Dennis Rodman hatte Electra immerhin einen Ehevertrag abgeschlossen und beharrt nun auch darauf. Kein Wunder, wird ihrem Noch-Ehemann Navarro bereits eine Liaison mit dem Pornostar Jenna Jameson nachgesagt.

Den bislang letzten öffentlichen Liebesreigen tanzten der Schlagzeuger von Blink 182, Travis Barker, 30, und die einstige Miss USA und späteres Playmate Shanna Moakler, 31. In "Meet the Barkers" durften die Zuschauer nicht nur am turbulenten Eheleben des Paares teilnehmen und feststellen, dass sich deren Geburtstagsfeiern, Erntedankfeste und Ehekrisen nicht von denen der anderen Paare unterscheiden, sondern auch die Geburt des gemeinsamen Kindes miterleben. Bei aller gelebten Offenheit reichte Travis Barker vergangenen Dienstag die Scheidung dann doch ziemlich überraschend ein - auch für seine Frau. Dafür dürfen die Zuschauer wenigstens an Shannas Frust teilhaben, die heult sich jetzt auf ihrer Internetseite auf Myspace.com aus.

Auch deutsche Paare hatten sich an der Zuschaustellung des Ehelebens ein Beispiel genommen und Kameras ins Haus geladen. Stolz präsentierte Pro Sieben mit "Sarah and Marc in Love" die erste "deutsche Celebrity-Doku-Soap", neun Teile Hochzeitsvorbereitungen plus Traumparty am Strand und nachgeschobenem Weihnachts-Extra. Es lief ja quotenmäßig alles so gut. Bei der Eheschließung trällerte Gatte Marc Terenzi sein ganz persönliches Liebeslied, das wenige Tage später in den Märkten stand; zu Weihnachten durfte dann Sarah Connor ihr neues Album promoten. Nun sind die Platten verkauft, die Kameras aus und Familie Connor/Terenzi bittet wieder um Privatsphäre. Doch die Geister, die sie riefen, wollen nicht so recht gehorchen, das geweckte Interesses nicht erlahmen. Davon kann auch Britney Spears ein Lied weinen: Erst ließ die alle Welt an ihrer Liebe zu Kevin Federline teilhaben und präsentierte in "Chaotic" selbstgedrehte Homevideos, dann weinte sie, wieder vor laufenden, diesmal jedoch fremden Kameras, über die neugierige Presse. Ihre Serie hatte sie noch mit dem Slogan beworben: "Vertragen Sie die Wahrheit über mich?" - nun fragt man sich, wie viel Wahrheit sie selbst aushält.


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