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Streit um Paparazzifotos von Herzogin Catherine: Wie öffentlich ist ein Supermarkt-Parkplatz?

Der "Telegraph" hat Bilder veröffentlicht, die Herzogin Catherine beim Einkaufen im Supermakt zeigen. Es sind die ersten Schnappschüsse nach der Geburt des kleinen George. Der Palast ist empört.

Von Julia Kepenek

Es sind Fotos einer ganz normalen, jungen Frau: Sie trägt Jeans und T-Shirt, flache Schuhe, Pferdeschwanz und schiebt einen vollgepackten Einkaufswagen zum Auto. Enstanden sind die Aufnahmen vor der Supermarktkette "Waitrose" in Anglesey, Wales. Aufgenommen hat sie, heimlich und mit Teleobjektiv, ein Paparazzo. Denn die Frau auf den Bildern ist Herzogin Catherine, fünf Wochen nach der Geburt ihres Sohnes Prinz George.

In Großbritannien ist die Empörung nun groß, dass die angesehene Tageszeitung "The Telegraph" zwei dieser Fotos veröffentlicht hat. Auf dem Titel mit der wenig diskreten Überschrift "Vergiss die Windeln nicht, Kate" und zwei Seiten weiter mit der Frage "Wer kümmert sich um das Baby, wenn die Herzogin einkauft?" Vertrieben wurden die Schnappschüsse von der britischen Agentur Eroteme. Dass die Fotos auch anderen britischen Medien, wie etwa den Klatschblättern "The Sun" oder "Daily Mail" angeboten wurden, scheint offensichtlich. Veröffentlicht hat sie aber nur der konservative "Telegraph".

Kritik an der Kommentierung

Seit Jahren gibt es im Königreich ein inoffizielles Abkommen zwischen den Royals und den Paparazzi: Wir posieren für ausgewählte Schnappschüsse, dafür veröffentlicht ihr keine heimlich aufgenommenen Fotos von uns. Erst vor wenigen Tagen gaben Prinz William und seine Frau Catherine zwei offizielle Bilder ihres Sohnes Prinz George an die Presse. Aufgenommen wurden die von Opa Michael Middleton im heimischen Garten. Die Neugier schien gestillt, Kates erster, offizieller Auftritt nach der Geburt war für den 12. September angesetzt.

Nicht nur die Tatsache, dass der "Telegraph" nun bereits vorher Fotos der Herzogin veröffentlichte, verstört das Königshaus, sondern auch die Art und Weise, wie die Fotos kommentiert wurden. Die Autorin des Artikels listet genau auf, was Kate in ihren Einkaufswagen packte und welche Tüten sie verwendete. Der erstaunlich flache Bauch der 31-Jährigen wurde als "sehr süß und charmant" beschrieben.

Telegraph hat Beitrag gelöscht

Für den Kensington Palast ist das eine klare Verletzung der Privatsphäre. Eine Sprecherin wollte sich nicht zum weiteren Vorgehen äußern. "Das ist eine Sache zwischen dem Telegraph und der Pressestelle des Kenisington Palastes." Auch Tony Gallagher, Herausgeber des "Telegraph", verweigerte jeglichen Kommentar.

Der Vorfall ruft ein altbekanntes Problem auf den Plan: Die Definition des öffentlichen Raumes. Laut dem Königspalast dürfen Mitglieder nur fotografiert werden, wenn sie sich bei offiziell angekündigten Terminen präsentieren. Die britische Presse sieht das ein wenig anders: Sobald sich jemand im öffentlichen Raum bewegt, kann er keinen Anspruch auf Wahrung der Privatsphäre geltend machen. Das gilt auch für Mitglieder des Königshauses. Erst recht, wenn es so ein öffentlicher Platz ist wie ein lokaler Supermarkt. Immerhin wurde die Herzogin dort in der Vergangenheit schon häufig gesichtet und abgelichtet. Die Veröffentlichung der Bilder hat bisher nie Probleme bereitet. Ofiziell befindet sich Kate allerdings noch in Elternzeit.

Der "Telegraph" jedenfalls hat den Artikel mit den umstrittenen Fotos gelöscht. Auf amerikanischen Internetportalen wie "US Weekly" und "Popsugar" sind sie nach wie vor zu sehen.

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