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Thomas Gottschalk: Lehrreiche Nacht hinter schwedischen Gardinen

Nach seiner "Wetten, dass...?"-Show ging es für Thomas Gottschalk direkt ins Gefängnis. Das war seine Wettschuld aus der vergangenen Sendung.

Am Samstagabend hatte er noch im ZDF mit Promis wie Veronica Ferres, Chris de Burgh und Hape Kerkeling getalkt, kühne bis abenteuerliche Wetten präsentiert und ein Millionenpublikum zum Lachen gebracht. Am Morgen danach war der schlagfertige "Wetten-dass"-Moderator Thomas Gottschalk zwar wieder wohl frisiert, doch nur noch zu verhaltenen Scherzen aufgelegt: Eine unruhige Nacht hinter den stacheldrahtbewehrten Mauern des Bremer Gefängnisses lag hinter ihm - eine Erfahrung, die ihn sichtlich anrührte.

Unmittelbar nach der Show kam es am späten Samstagabend für den Entertainer zum Schwur. Die 146. Sendung war kaum vorbei, da wurde der 53-Jährige auch schon in der grünen Minna der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen mit Blaulicht zum Gefängnis gefahren. Der Wagen rollte auf den Vorhof, das schwere Eisentor schloss sich; nur kurz kam Gottschalk zurück und scherzte, er habe noch etwas Hoffnung, nach einer Stunde wegen guter Führung wieder entlassen zu werden.

Ab in die Zelle

"Der kommt doch gleich wieder raus", vermutete auch Heinz Sommer, einer der wenigen Schaulustigen, die zu später Stunde einen Blick auf den Star erhaschen wollten. Doch das war weit gefehlt, nach allem, was bekannt ist. Einer Justizsprecherin zufolge war Gottschalk vielmehr zunächst "zugeführt" worden: inklusive Durchsuchung, Abgabe der persönlichen Gegenstände und Überreichung des "Schläfergepäcks", worunter die Grundausstattung für Häftlinge samt Zahnbürste, Zahnpasta und wenig modischem Trainingsanzug zu verstehen ist. Dann ging es ab in die Zelle.

"Beklemmende Gefühle"

Nur drei, vier Stunden habe er schlafen können, ab 5.00 Uhr habe er stramm gestanden und auf die Entlassung aus dem auf eigenen Wunsch verschlossenen Raum gewartet, berichtete Gottschalk rund neun Stunden später, bevor er - wiederum ohne öffentliches Aufsehen - das Gefängnis verließ. Man bekomme "beklemmende Gefühle", und er gönne jedem, einmal eine Nacht in der Zelle zu verbringen, sagte der Moderator und fügte hinzu: "abschreckungshalber". Indes sei jungen Menschen zu raten, sich nicht in eine Lage zu bringen, die sie zwangsweise in ein solches Haus führe. "Geht lieber in den Kindergottesdienst", scherzte er. Gottschalk resümierte, er habe den Besuch nicht nur als Ausflug gesehen, sondern "wirklich etwas gelernt".

Eingelöste Wettschuld

Gottschalk hatte mit dem Besuch Wettschulden eingelöst. Die Nacht im Knast hatte er nach einer verlorenen Stadtwette im Dezember zugesagt. Am Samstagabend legte er ein "Wort zum Sonntag" im Gefängnis oben drauf, sprach am folgenden Morgen mit Gefangenen und brachte den 30 Mitinsassen seiner Station das Frühstück. Der Grund: Die Stadtwette war wieder einmal verloren gegangen, denn motiviert von Sport-Moderator Jörg Wontorra hatten vier Bremer Familien und Wohngemeinschaften ihre Zimmereinrichtung zusammengepackt und auf dem Bremer Domshof in dort bereitgestellten Containern wieder aufgebaut.

Chris de Burgh glitt über lebendes Förderband

Nach ZDF-Angaben sahen 14,19 Millionen Menschen oder 45,2 Prozent der Fernsehzuschauer am Samstagabend die Bremer Ausgabe von "Wetten dass..?". Gemeinsam mit den Wettpaten verfolgten sie, wie ein süddeutscher Grafiker Jeans am Klang der Reißverschlüsse unterschied, eine österreichische Gruppe Freiwillige so hinsetzte, dass nur vier von fünf aus eigener Kraft wieder aufstehen konnten, und Kinder als lebendes Förderband Klassenkameraden und als Draufgabe auch Chris de Burgh mit Wassergläsern in der Hand über ihre rollenden Rücken transportierten.

Wettkönig wurden schließlich zehn Kletterer, die zehn Sekunden auf einer wahrlich sehr kleinen Plattform in sieben Metern Höhe ausharrten, bevor sie an den Sicherungsseilen dem Boden zuschwebten. Die mindestens so kühne "Asterix"-Wette scheiterte indes. Jede einzelne der 30.000 Sprechblasen in den 31 erschienen Comic-Heften dem jeweiligen Band, dem Sprecher und dazu der Seite zuzuordnen - das schaffte der Wetter trotz Geduld Gottschalks dann doch nicht oft genug.

Imke Zimmermann, AP / AP