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Unklare Todesursache: Privat-Pathologe obduziert Jackson erneut

"Uns gefällt nicht, was läuft" - Michael Jacksons Familie traut den Behörden nicht. Sie hat eine zweite Autopsie von einem privaten Pathologen vornehmen lassen, um schneller Klarheit über die Todesursache des Megastars zu bekommen. Denn auch mehr als 48 Stunden nach dem Tod des "King of Pop" gibt es mehr Fragen als Antworten.

Michael Jacksons Familie hat nach Angaben der "Los Angeles Times" eine zweite Autopsie von einem privaten Pathologen vornehmen lassen. Die Untersuchung sei bereits abgeschlossen, berichtet das Blatt. Über die Ergebnisse wurde nichts bekannt. Eine erste Untersuchung des am Donnerstag im Alter von 50 Jahren plötzlich verstorbenen Popstars war am Freitag ohne endgültiges Ergebnis geblieben. Hinweise auf Gewalteinwirkung gab es demnach nicht. Toxikologische Gutachten sollen jedoch erst in vier bis sechs Wochen vorliegen.

Die "Los Angeles Times" schreibt unter Berufung auf den früheren Chefleichenbeschauer der Stadt New York, Michael Baden, dass die Familie damit schneller mehr Informationen bekommen könne, als es nach der offiziellen Autopsie möglich sei. Ein privater Pathologe könne mit Hilfe eines privaten Labors innerhalb von ein bis zwei Wochen zu Resultaten kommen.

Die Jacksons hatten sich zuvor unzufrieden mit den bisherigen Bemühungen um die Klärung der Todesursache gezeigt. "Uns gefällt nicht, was läuft", sagte Vater Joe Jackson dem US-Promi-Magazin "People". Der Leichnam des legendären Sängers war am späten Freitagabend der Familie übergeben und aus dem gerichtsmedizinischen Institut in Los Angeles an einen geheim gehaltenen Ort gebracht worden, wie Behördenvertreter mitteilten.

Vater Joe Jackson forderte rasche Aufklärung: "Die Wahrheit muss noch herauskommen." Denn auch mehr als 48 Stunden nach dem Tod des "King of Pop" gibt es mehr Fragen als Antworten: Woran starb er? Was geschah in den Stunden vor seinem Tod? Was passiert mit seinem Erbe und vor allem mit seinen drei Kindern Prince, 12, Paris, 11, und Blanket, 7?

Laut "People"-Magazin verweigern zudem Jacksons Rechtsanwälte den Angehörigen das Testament. "Die Familie hat keine Ahnung, was sie tun soll. Sie wissen noch nicht einmal, wann sie ihn beerdigen sollen", sagte ein Informant. "Sie bekommen keine Antworten von Michaels Anwälten."

Jacksons Leibarzt wehrt sich

Erstmals hat sich nun auch Jacksons Leibarzt zu Wort gemeldet. Conrad Murray betonte, dass er von der Polizei nicht als Verdächtiger geführt werde. Wie eine Sprecherin von Murray mitteilte, wurde der Kardiologe am Samstag (Ortszeit) zum zweiten Mal von der Polizei in Los Angeles befragt. Bei dem Gespräch in Begleitung eines Anwalts sei es darum gegangen, "einige Ungereimtheiten" aufzuklären. Die Ermittler betrachteten Murray "in keiner Weise als Verdächtigen", sondern als Zeugen der Tragödie.

Laut dem von der Feuerwehr in Los Angeles veröffentlichten Notruf, der kurz nach Jacksons Zusammenbruch von seinem Wohnsitz abgesetzt worden war, war Jacksons persönlicher Arzt als einziger bei ihm, als der Popstar zusammenbrach. Murray habe sich seitdem in Los Angeles aufgehalten, stellte seine Sprecherin klar. Er sei im Rettungswagen mit ins Krankenhaus gefahren und habe sich mehrere Stunden dort aufgehalten, um die Familie des Popstars zu trösten. Sie kündigte an, der Arzt werde weiter mit der Polizei zusammenarbeiten. Auch die Ermittler sehen den Herzsspezialisten nicht als Verdächtigen an. Der US-Bürgerrechtler Jesse Jackson berichtete nach einem Besuch bei Michael Jacksons Eltern, der Privatarzt des Popstars entziehe sich einem Gespräch mit der Familie.

Die Gerichtsmediziner bestätigten, dass Jackson verschreibungspflichtige Medikamente nahm. Laut tmz.com war der Star seit Jahren tablettensüchtig. Zuletzt habe er täglich eine Spritze mit dem morphiumähnlichen Medikament Demerol erhalten, die letzte an seinem Todestag gegen 11.30 Uhr, kurz darauf sei der Herzstillstand eingetreten.

"Ein Genie und kein Freak"

Auch am Samstag setzten Fans rund um den Globus ihre Trauerbekundungen fort. Die Familie bedankte sich bei den Anhängern weltweit für alle Anteilnahme und Unterstützung. "Bitte verzweifelt nicht, weil Michael in jedem von Euch weiterleben wird", hieß es in einer von Vater Joe Jackson veröffentlichten Erklärung. "Verbreitet seine Botschaft weiter, denn das hätte er sich von Euch gewünscht. Macht weiter, damit sein Vermächtnis für immer lebt."

Jacksons Familie erwägt, weltweit gleichzeitig mehrere Trauerfeiern auszurichten. Über diesen Vorschlag wolle er mit der ganzen Familie sprechen, sagte der Priester und Bürgerrechtler Al Sharpton, ein langjähriger Freund der Jacksons. Die Familie wolle sicherstellen, dass Jackson vor allem wegen seiner Leistungen für Musik, Tanz und Kultur in Erinnerung bleibe - und nicht wegen seiner Schulden, den früheren Vorwürfen des Kindesmissbrauchs oder wegen der Einnahme von Schmerzmitteln, worauf sich viele Medien konzentrierten, sagte Sharpton. Wenn auf der ganzen Welt gleichzeitig um den "King of Pop" getrauert würde, "dann müssten sich die Medien darauf konzentrieren, was Millionen Menschen für ihn fühlten", sagte Sharpton. "Michael Jackson war ein Genie und kein Freak."

DPA/AFP/AP / AP / DPA