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Was macht eigentlich ...: ... Heinz Meier?

Er ist Deutschlands berühmtester Lottogewinner: Im Sketch von Loriot spielt er den Rentner Erwin Lindemann, dessen Tochter mit dem Papst eine Herrenboutique eröffnet.

"Ich … heiße … Erwin … Lottemann … nee, Lindemann." Haben Sie's noch drauf?

Klar. Ich habe den Sketch vor einiger Zeit auch noch mal gemacht. Und wissen Sie, wo? Im Karlsruher Schloss - beim 50. Geburtstag von Lotto Baden-Württemberg.

Stört es Sie, dass Sie auf alle Zeiten der Lottogewinner sein werden?

Stören ist das falsche Wort. Aber ich finde es bedauerlich, dass alles andere so in Vergessenheit geraten ist. Man hat für mich wunderbare Stücke geschrieben, ich habe große, bedeutende Rollen gespielt, alles weg. Plötzlich ist nur noch "Tach, Herr Lottemann, was macht die Herrenboutique? Hihi."

Sie haben in mehr als 200 Theaterproduktionen mitgespielt: Camus, Beckett, Sartre …

Ja. Und ein paar Minuten "Lottogewinner", und alles andere ist vergessen. Das zeugt natürlich vor allem von der Klasse Loriots. Diese Genauigkeit, dieses unglaubliche Gespür für die Stimmigkeit einer Situation - alles musste hundertprozentig sein. Man konnte ihm als Schauspieler auch nichts unterjubeln. Das heißt, doch: Einmal ist mir das gelungen. Dass der Lottogewinner ostpreußisch spricht, war meine Idee.

Wie ist Loriot eigentlich auf Sie gekommen?

Er suchte jemanden, der nicht so tönt wie ein Schauspieler. Einen, der ganz normal Ja und Nein sagen konnte. Im ersten Sketch habe ich dann auch nicht viel mehr gesagt als das. Da spielte ich einen Verwaltungsinspektor, der für einen Astronauten gehalten wird. Es war furchtbar enttäuschend.

Wieso?

Ich dachte, bei Loriot erlebe ich jetzt tolle Sachen. Von wegen: nichts! Der wollte, dass ich nichts mache, gar nichts. Und mich auch nicht bewege. Und auch nicht irgendwie gucke. Ich sollte nur da sitzen und Ja und Nein sagen. Das habe ich offensichtlich ganz gut gemacht. Ich war anschließend bei jeder Produktion dabei.

Kalbshaxe Florida, Herr Hoppenstedt, Kosakenzipfel, ein Klavier, ein Klavier …

Von dem, was ich gemacht habe, gefällt mir Mutters Klavier am besten. Diese verzweifelte Verständnislosigkeit in meinen Augen, die Frage: Was will dieser Idiot eigentlich? Da muss ich sagen: Meier, da warste sehr gut.

Wie oft haben Sie eigentlich schon im Restaurant danebengesessen, wenn Loriot- Sketche nacherzählt wurden?

Oft. Sehr oft. Meistens ganz grauenvoll! Ich habe mich aber nie eingemischt. Und erkennen tut mich ja auch so gut wie keiner. Das Alter …

Sie sind Gründer eines der ältesten Privattheater Deutschlands.

1953 gehörten wir zu den ersten - mit Holzbänken im Zuschauerraum und Marmeladeneimern als Scheinwerfern. Was für eine Freude, im eigenen Haus zu spielen! Diese 120 Mann im Zuschauerraum zu fesseln, das ist es. Da kann keiner umschalten, da kann keiner zappen! Und wenn doch mal einer rausgegangen ist, dann bin ich ihm mitten im Stück hinterher und habe gefragt: Na, was ist denn? Gefällt's dir nicht oder was?

Reich wird man mit einem Theater nicht.

Nee, natürlich nicht. Wir müssen schauen, dass wir über die Runden kommen. Loriot hat meinem Wallgraben-Theater übrigens jahrelang exklusiv erlaubt, seine Sketche zu spielen. Das war natürlich sehr hilfreich.

Was spielen Sie zurzeit?

Nichts. Und ich vermisse es! Zuletzt habe ich "Einfach kompliziert" von Thomas Bernhard gespielt. Ein wunderbares Einmannstück. Das war einerseits ziemlich anstrengend, aber doch andererseits nicht allzu kompliziert: Ich musste einen kranken Alten spielen, da brauchte ich mich nicht sehr zu verstellen.

Interview: Christoph Wirtz / print
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