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Was macht eigentlich...: ...Björn Daehlie?

Der Norweger, einer der erfolgreichsten Wintersportler aller Zeiten, musste nach einem Trainingsunfall seine große Karriere 2001 beenden.

Während in Turin nationale Teams um Medaillen kämpfen, tobt in der Welt ein Streit um Meinungs- und Religionsfreiheit, in den auch Ihre Heimat Norwegen verwickelt ist. Spiele und internationale Konflikte - passt das zusammen?

Dass sportliche Großveranstaltungen stattfinden, während es Konflikte gibt, ist nichts Neues. Vielleicht ist Sport heutzutage der einzige Bereich, der neutral bleiben kann. Bei Olympia kommen Menschen aus allen Teilen der Welt zusammen, und wir erfahren, dass wir gar nicht so unterschiedlich sind. Das kann ein positives Zeichen setzen.

Sie gelten als einer der erfolgreichsten Wintersportler aller Zeiten - und sind jetzt auf dem Weg nach Turin. Haben Sie irgendwann mal genug vom Skifahren?

Gewiss nicht. Ich bin zwar 2001 - nach einer Rückenverletzung im Sommertraining zwei Jahre zuvor - vom Leistungssport zurückgetreten. Aber die Verletzung war nicht so schwer, dass ich überhaupt nicht mehr laufen könnte. Im Winter fahre ich noch drei- bis viermal die Woche. Mal entspannt, dann wieder unter recht harten Bedingungen, weil ich die alten Zeiten vermisse.

Vor zwei Wochen haben Sie in Davos ein Skirennen für Kinder veranstaltet. Sollen die Kleinen früh die Herausforderung lernen?

Nein. Ich möchte für den Skisport werben, dafür sorgen, dass mehr Kinder Langlauf machen. Der Sport ist ein guter Start ins Leben, auch wenn man nicht Olympia-Champion wird. Und läuft einer aus Spaß, ist der Frust auch nicht so groß, wenn er nicht wirklich erfolgreich wird. Ich selber war gar kein so guter Skifahrer, als ich mit sechs oder sieben anfing, eher eine Art Spätzünder, der erst mit 19 entdeckt wurde.

Die folgenden gut 15 Jahre widmeten Sie sich nur dem Sport. Was haben Sie vermisst?

Natürlich fehlte mir manchmal ein Teil des sozialen Lebens. Aber es war ein wundervolles Team, mit dem ich jedes Jahr rund 150 bis 200 Tage auf Reisen war. Zu vielen habe ich noch Kontakt, erst vor kurzem war ich mit Vegard Ulvang und anderen in einer Hütte in Norwegen. Wir sind auf die Jagd gegangen, haben das Wild selber zubereitet und einen guten Wein getrunken.

Das klingt nach großer Naturverbundenheit...

Ich lebe wie viele Norweger bei den Wäldern. Einen großen Teil meiner Freizeit verbringe ich mit Jagen und Fischen. In der vergangenen Saison habe ich nördlich von Trondheim sechs Elche geschossen. Zusammen mit Freunden jage ich Elche, Auer- und Schneehühner, eine große Tradition bei uns.

Einen Teil Ihres Geldes haben Sie in Skihütten in Schweden und Norwegen investiert. Eine gute Geldanlage?

Das ist natürlich ein Investment, aber auch ein Job. Ich kaufe den Grund und spreche mit Architekten. Die Wohnungen und Hütten sollen so eingerichtet sein, wie ich es auch gerne hätte, wenn ich dort meine Ferien verbringen wollte.

Sie wohnen weiter in Norwegen. Dort gibt es zwar viel Schnee und viel Natur, aber auch hohe Steuern. Haben Sie je überlegt, das Land deshalb zu verlassen?

Nein. Ich habe mein Geld verdient, weil ich als Norweger bei den Wettkämpfen angetreten bin, und kann mir nicht vorstellen, dieses Land jetzt zu verlassen, nur um Steuern zu sparen. Aber an ein Chalet in der Schweiz oder Italien als Ferienhaus habe ich schon mal gedacht. Dort scheint nämlich mehr Sonne als hier oben.

Interview: Clemens Bomsdorf

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