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Was macht eigentlich...: ...Chubby Checker?

Der gelernte Geflügelfleischverkäufer landete 1960 mit "The Twist" einen Riesenhit - und der legendäre Tanz zog um die Welt.

Sie sind 63 Jahre und tanzen bei Festivals noch immer den Twist. Machen die Hüften das noch so ohne weiteres mit?

Na ja, nach mehr als 45 Jahren im Musikgeschäft und Hunderten von Auftritten, bei denen ich mit den Pobacken wackeln musste, spüre ich schon leichte Abnutzungserscheinungen. Aber solange sie mich nicht im Rollstuhl auf die Bühne schieben, trete ich noch gerne auf.

Wie kamen Sie eigentlich zum Twist?

Ehrlich gesagt, das war nicht wirklich meine Erfindung. Mitte der 50er Jahre tanzten schwarze Jugendliche schon diesen Rhythmus auf den Straßen. Ich habe das nur aufgenommen. Und im August 1960 "The Twist" zum ersten Mal im amerikanischen Fernsehen gesungen und getanzt. Ein echter Skandal.

Warum?

Die Bewegungen erinnern doch eindeutig an Sex, allerdings ohne Partner. Sich öffentlich so zu präsentieren war in den Fünfzigern und Sechzigern fast ein Verbrechen. Übrigens: Eigentlich stammt der Hit aus der Feder von Hank Ballard, doch ich habe ihn groß rausgebracht und gleich zweimal in verschiedenen Jahren auf den ersten Platz der Hitparaden geführt: 1960 und 1962. Dieses Kunststück ist nur ganz wenigen gelungen. Die Musikwelt hat mir einiges zu verdanken, aber leider wird meine Leistung heute nicht mehr richtig gewürdigt.

Wie meinen Sie das?

Meine Musik und die von mir kreierten Tanzbewegungen sind doch der Grundstock für populäre Musikstile dieser Tage, wie den HipHop. Wenn die Rapper heute wild mit ihren Armen auf der Bühne rumfuchteln und sich bewegen wie ein gehbehinderter Roboter, ist das letztlich nur eine moderne Version meines Tanzes aus den Sechzigern. Ich finde, man sollte mir eigentlich ein Denkmal setzen.

Das klingt ein wenig verbittert.

Nein, das bin ich nicht. Ich lebe noch immer sehr gut von meinem Status als Musikpionier. Dazu vermarkte ich meinen Künstlernamen Chubby Checker recht profitabel. Ende der 90er Jahre habe ich eine Firma gegründet, mit der ich Snackprodukte wie Schokoriegel und Popcorn vertreibe. Aber auch Steaks und Hot Dogs habe ich im Angebot. Schließlich reichen meine Wurzeln in die Nahrungsindustrie zurück, auf den Geflügelmarkt von Philadelphia.

Hat der Name Chubby Checker eigentlich eine bestimmte Bedeutung?

Mein früherer Chef vom Geflügelmarkt gab mir den Spitznamen "Chubby", weil ich etwas übergewichtig war. Das ist leider noch immer ein Problem. Ich esse einfach viel zu gerne, vor allem Fleisch. Deshalb spannen meine Jeans vor manchen Auftritten. Aber der Twist hält mich weiterhin fit. Meine Frau sorgt dafür, dass ich noch immer regelmäßig auftrete, um nicht restlos zu verfetten.

Sie haben Ihrer Frau ein Mineralwasser aus Ihrer Snack-Kollektion gewidmet und es "Girl of the World" genannt. Warum?

Meine Frau Catherina, sie stammt übrigens aus Holland, war 1962 Miss World, daher der Name für unsere Wasserflaschen. Sie ist mein Fels in der Brandung. Wir sind seit 41 Jahren glücklich verheiratet und leben noch immer in dem gleichen Haus in Pennsylvania, in das wir 1965 eingezogen sind. Dort haben wir unsere drei Kinder großgezogen, und dort werden wir auch gemeinsam alt. Catherina war stets an meiner Seite. Wissen Sie was: Das macht mich zu einem glücklicheren Mann, als dies jede Ehrung je bewirken würde.

Andreas Renner / print
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