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Was macht eigentlich...: ...Dr. Alban?

Der nigerianische Sänger Alban Nwapa gehörte in den 90er Jahren mit Hits wie "It's My Life" und "Sing Hallelujah" zu den erfolgreichsten Interpreten der Dancefloor-Musik.

Wenn ich jetzt Zahnweh hätte ...

...könnte ich Ihnen helfen, klar. Ich habe ja drei Jahre als Zahnarzt gearbeitet, bevor ich Popstar wurde. Den Zahnarzt-Blick behält man für immer. Man schaut dem Gegenüber aufs Gebiss und weiß sofort, wie die Zahnpflege aussieht.

Nach über elf Millionen verkauften Platten ist es ganz schön still um Sie geworden.

Ich habe jetzt eine Familie und lasse es ruhiger angehen. Meine Tochter Jane ist zwei Jahre alt. Wenn sie mich im Fernsehen sieht, fängt sie immer an zu singen. Ich schreibe auch immer noch Songs. Bis nächsten März soll ein neues Album von mir erscheinen. Aber ich mache das nur für den Spaß.

Das können Sie sich leisten? Man hört, Sie seien pleite. Ihr Musiklabel und Ihren Nachtclub haben Sie aufgegeben ...

Ich weiß nicht, wer so einen Blödsinn verbreitet. Mir geht es finanziell gut. Gott sei Dank habe ich meine Platten in einer Zeit verkauft, als man noch nicht alles aus dem Internet saugen konnte. Und ich trete immer noch auf. Fast an jedem Wochenende bin ich in Clubs und auf Festivals gebucht.

Ist es nicht frustrierend, nur noch vor ein paar Hundert Leuten aufzutreten?

Dinge ändern sich eben im Leben. Und ich war immer einer, der gesagt hat: Ich muss mich diesen Veränderungen stellen und sie annehmen, sonst werde ich depressiv.

Dancefloor-Musik scheint tot zu sein.

Diese Musik gehört nach wie vor zum Besten. Die 70er und die 90er Jahre waren musikalisch das Größte. Die 80er und das Heute sind Mist.

Gehen Sie denn selbst noch manchmal tanzen?

Nein. Wenn, dann sitze ich im Club an der Seite und schaue mir an, was die Leute so treiben. Und Technomusik mochte ich noch nie.

Wie kamen Sie von Nigeria nach Schweden?

Mit 18 besuchte ich hier einen Onkel, der in der nigerianischen Botschaft arbeitete. Da habe ich beschlossen, in Stockholm Zahnmedizin zu studieren. Nur der kalte, dunkle Winter war anfangs schrecklich. Heute habe ich neben dem nigerianischen auch den schwedischen Pass. Beides ist meine Heimat.

Aber das früher vorbildliche schwedische Integrationsmodell hat doch schwer gelitten.

Rassismus gibt es natürlich überall. Soll ich mich umdrehen, wenn mich jemand "Nigger" nennt? Solchen Leuten darf man keine Aufmerksamkeit schenken. Schweden macht aber auch einsam: Nachbarn untereinander kennen sich hier nur selten. Und wenn auf der Straße jemand verprügelt wird, gehen die Menschen einfach vorbei.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Nigeria heute?

Ich fahre dreimal im Jahr hin. Die Leute dort sind stolz auf mich. Vielleicht gehe ich eines Tages ganz zurück. Das Land leidet schwer unter Armut und Korruption. Aber die größten Diebe sitzen nicht in Afrika, sondern in Europa. Wo geht denn das ganze gestohlene Geld hin? Auf Konten in die Schweiz.

Mit Ihrem Hit "No Coke" schrieben Sie eine Hymne gegen Drogen.

Ich habe leider viele Freunde durch Drogen abdriften und sogar sterben sehen. Das Pop-Business ist bekannt dafür. Man muss stark sein, um Nein zu sagen. Und wie gesagt: Wer sich den Veränderungen im Leben widersetzt, nimmt schnell Drogen. Das habe ich bei eurem Ex-Kanzler Schröder gedacht. Wenn der nicht aufpasst, ist der auch bald auf Koks. (Er lacht.)

Dieses Jahr werden Sie 50 und ...

... ja, ja, natürlich wird es eine große Party geben. Aber noch will ich nicht daran denken. Es ist ja noch eine ganze Weile hin.

Interview: Christoph Wöhrle / print
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