Was macht eigentlich... ...Udo Röbel?


Dem Pfälzer gelang eine Karriere als Boulevard-journalist und Chefredakteur von "Bild". Inzwischen hat er die Seiten gewechselt.

Mensch, Herr Röbel - was für eine Enttäuschung: Der Zopf ist wieder ab! Dabei hatten Sie Ihre Haare nach dem Ende bei "Bild" doch so verwegen lang wachsen lassen...

Das war nur ein netter Versuch. Ich hab sie abgeschnitten, nachdem ich jeden Tag mehr und mehr davon in der Badewanne fand.

Und wir dachten schon, jetzt bricht bei Ihnen endgültig der Rock'n'Roll aus.

Das sowieso - steht sogar auf meiner Visitenkarte. Ich bin irgendwo immer ein Rock'n'Roller gewesen. Obwohl es als "Bild"-Chef manchmal ziemlich schwierig war, sich da selbst treu zu bleiben. Ein Rock'n'Roller kann kein Machtmensch sein, auf Schleimspuren kriechen.

Haben Sie heute "Bild" gelesen?

Nee. Obwohl doch, warte mal, klar: im Flugzeug. Da kommt man ja nicht an ihr vorbei. Also, ich habe sie gelesen, und das natürlich mit dem größtem Genuss und in der erneuten Erkenntnis, dass ich sie nicht mehr machen könnte. Ich bin offensichtlich zu alt, um mir täglich zu verinnerlichen, wie wichtig Sex ist.

Und das von dem Mann, der die Luder erfunden hat. Boxen-, Disco-, Party-, Teppich- ...

Schon klar. Den Begriff hatte ich der Redaktion eigentlich nach der zweiten Schlagzeile verboten. Er war aber nicht mehr aufzuhalten. Wenn ich mir den hätte schützen lassen - ich wäre Millionär!

Stattdessen müssen Sie weiterarbeiten. Sie haben den Internet-Blog "Fairpress" gegründet. Da die Medien immer mächtiger werden, wird es immer wichtiger, dass es auch eine Plattform für Gegenrede, für eine andere Sicht der Dinge gibt. "www.fairpress.biz" bietet die Möglichkeit, sich gegen falsche Berichterstattung zu wehren.

Spitzenidee: Sie verdienen an Leuten, die Sie als "Bild"-Chef in Grund und Boden prozessiert hätten!

Moment. Erstens habe ich dazu ein ziemlich gespaltenes Verhältnis, ich finde es nicht unproblematisch, dafür Geld zu nehmen. Andererseits lasse ich mich aber überzeugen: Alles hat seinen Preis und muss wirtschaftlich vernünftig sein. Wenn Sie zum Anwalt gehen, kostet das schließlich auch.

Was halten Sie eigentlich von "Bild-Blog", dem Forum für Kritiker von "Bild"?

Hochprofessionell gemacht, journalistisch präzise. Als Chefredakteur würde ich mir täglich in den Arsch beißen! Nicht wegen der ideologischen Kritik - schlimm sind doch Fehler durch Schlamperei und peinliches Nichtwissen. Wenn einer Mercedes und BMW verwechselt und keiner in der Redaktion merkt's.

Als Romanautor können Sie sich ja neuerdings elegant von den Fakten in die Fiktion verabschieden.

Teilweise, klar. Am Thema meines nächsten Buches bin ich 30 Jahre lang vorbeigelaufen. Im Springer-Haus hing immer eine gerahmte Erstausgabe des "Hamburger Abendblatts". Titel: "Himmler, Hitler und die Sterne". Darum wird es gehen: um einen Astrologen im Dienst der Nazis.

Da Ihre Frau die Horoskope der "Hörzu" schreibt, werden Sie wohl kompetent beraten. Wie läuft Ihr Leben sonst?

Ich bleibe morgens länger liegen, gehe ins Büro zum Schreiben, halte Vorträge, gebe Seminare, berate Verlage. Abends mit der Mundharmonika in die Kneipe zur Band. Anderthalb Schachteln Marlboro - zwei weniger als bei "Bild".

Wenn Sie im Leben noch eine "Bild"-Schlagzeile frei hätten...

...wäre das ziemlich schwierig. Manchmal setze ich mich hin und überlege, was ich an bestimmten Tagen titeln würde. Klappt oft nicht. Aber wenn's nach Wunsch sein soll: "Irre!!! - 1. FCK doch noch Meister".

Interview: Christoph Wirtz

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