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was-macht-eigentlich: Su Kramer

Als 'Sheila' im Hippie-Musical 'Hair' schaffte die Oldenburgerin 1968 den Durchbruch. In den siebziger Jahren war sie mit Schlagern wie 'Kinder der Liebe' erfolgreich

Als 'Sheila' im Hippie-Musical 'Hair' schaffte die Oldenburgerin 1968 den Durchbruch. In den siebziger Jahren war sie mit Schlagern wie 'Kinder der Liebe' erfolgreich STERN: Obwohl die Schlager der 70er Jahre ihr Revival feiern, wird Su Kramer auf den Retro-Partys nicht gespielt. Chance verpasst?

KRAMER: Nein, das nicht. Ich habe ja auch in den 70ern keine Stimmungskracher abgeliefert. 'Aber bitte mit Sahne' zog schon immer besser.

STERN: Vorher waren Sie mit Ihrer Rolle in 'Hair' zu einem deutschen Hippie-Idol geworden.

KRAMER: Das Musical hatte eine politische Anti-Kriegsbotschaft, und wir fühlten uns der 68er-Bewegung sehr nahe. Heute sind die Musicals seicht und wenig tiefgründig.

STERN: Der Afro-Wuschelkopf war damals Ihr Markenzeichen. Tragen Sie den auch heute noch hin und wieder?

KRAMER: Ja, für besondere Auftritte drehe ich mein Haar auf spezielle waschlederbezogene Wickler. Damals war das eine Dauerwelle. Auf dem Kopf habe ich übrigens schon immer gerne etwas getragen. Im Moment liebe ich Strohhüte mit Blumen.

STERN: Anfang der 80er Jahre waren Sie plötzlich weg vom Fenster.

KRAMER: Nein, ich habe immer weitergearbeitet: Filmmusik eingespielt, Brechts Spelunken-Jenny gesungen, in dem Hamburger Musical 'Himmel auf Erden' mitgespielt, und 1978 hatte ich meinen eigenen Musikverlag gegründet.

STERN: Warum gab es dann in den 80er Jahren kein Album von Ihnen?

KRAMER: Das hatte viele Gründe. 1979 starb mein Produzent, Mentor und Freund Herbert Rehbein, mit dem ich sehr eng zusammengearbeitet hatte. Ich fiel in ein privates und berufliches Tief. Und in den 80ern wollten die Plattenfirmen lieber englische Disco-Musik produzieren. Aber ich bin noch da. Im vergangenen Jahr erschien meine Best-of-CD 'Wie das Wasser, so fließt die Zeit', und demnächst kommt eine CD mit Filmmusik und Musicalhits heraus.

STERN: Können Sie von Ihrer Musik leben?

KRAMER: Ja, aber nur weil ich mich seit 1978 selbst produziert und gemanagt habe.

STERN: Vor fünf Jahren haben Sie mal gesagt, dass Sie an Ihrer Biografie schreiben. Was ist daraus geworden?

KRAMER: Irgendwann wird das Buch erscheinen mit vielen Erfahrungen aus mehr als dreißig Jahren Showbusiness.

STERN: Und was raten Sie jungen Menschen, die singen wollen?

KRAMER: An sich selbst glauben - und sich durchbeißen.

STERN: Konnten Sie das denn immer?

KRAMER: Ich bin ein Kämpfertyp. Als Jugendliche trainierte ich viermal die Woche im Leichtathletik-Verein in Oldenburg. Wäre ich nicht Sängerin geworden, dann bestimmt eine verdammt gute Sprinterin.

STERN: Was halten Sie von Pop und Techno?

KRAMER: Ich mag Techno und bin am Tag der Love Parade erst um vier Uhr morgens ins Bett gegangen.

STERN: Wie? Haben Sie etwa mitgeravt?

KRAMER: Nur vorm Fernseher. Nein, im Ernst: Die Musik ist mir zu monoton, aber so starke Jugendbewegungen gibt es nur alle paar Jahrzehnte. Die Love Parade erinnert mich an meine Zeit bei 'Hair', als wir uns freuten, ein bisschen provozieren zu können.

STERN: Wofür kämpfen Sie jetzt mit 53 Jahren?

KRAMER: Für meine Ziele und Träume. Ich will endlich einmal auf große Tournee gehen, um zu zeigen, was noch alles in mir steckt, und damit meine Reifeprüfung bestehen. Musik ist und bleibt einfach mein Leben.

Mit Su Kramer sprach STERN Mitarbeiterin Simone Kaempf.

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