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Weihnachtsfreie Zone: Das Christkind kann einpacken

Für Weihnachtshasser ist die schrecklichste Zeit des Jahres angebrochen. Doch der Widerstand formiert sich: In Wien wurde jetzt die weihnachtsfreie Zone ausgerufen.

"Stille Nacht, heilige Nacht" dröhnt aus den Lautsprechern, bunte Lämpchen blinken hektisch, die Innenstädte sind überfüllt und überdimensionale rote Männer belästigen harmlose Passanten - die Zeichen sind eindeutig: Weihnachten steht vor der Tür. Leider müssen den Rummel um das alljährlich wiederkehrende Fest auch diejenigen ausbaden, die von Weihnachten gar nichts wissen wollen. Doch der Widerstand formiert sich. In Wien haben jetzt die Betreiber der "Strandbar Hermann" eine weihnachtsfreie Zone ausgerufen.

"Wir hatten genug davon, dass uns Weihnachten überall hinverfolgt", sagte Bar-Betreiber Rudi Konar gegenüber stern.de. "Deshalb hatten wir die Idee, unsere Strandbar auch im Winter zu öffnen und zur weihnachtsfreien Zone auszurufen." Weihnachtsflüchtlinge können sich sogar bis Februar in die winterfest eingerichtete Bar zurückziehen, die bislang im Sommer mitten in der Donaumetropole Meeres-Stimmung verbreitete.

An Punsch und Glühwein kommen aber auch die Weihnachts-Feinde nicht vorbei. Neben Drinks und Cocktails werden am Donaukanal auch die traditionellen Warmmacher ausgeschenkt. "Punsch hat für mich nichts mit Weihnachten zu tun", verteidigt Rudi Konar die Getränkeauswahl. "Ich habe mich schon immer darüber geärgert, dass es nach dem 24. Dezember das leckere Getränk nirgendwo mehr gab."

Keine Lärmbelästigung durch Weihnachtslieder

Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt fanden sich bereits am ersten Tag der Winteröffnung zahlreiche Gäste an der aus den Sommermonaten bekannten Location ein. Auf die Frage, warum man sich mitten im Winter in eine, wenn auch wärmegedämmte, Bar in den Herrmannpark am Donaukanal begeben sollte, haben die Betreiber eine einfache Antwort: "Weil's geht."

Statt "Last Christmas" und "Stille Nacht" lautet die musikalische Devise "Große Freiheit". Doch nicht Hans Albers schmettert seine La-Paloma-Hymne in die Nacht, gefördert wird vielmehr die stilistische Freiheit an den Plattentellern. Von den House-Sounds der Deephousemafia-DJs über die hiesigen Clubveranstalter bis hin zu Gästen wie dem New Yorker Daniel Wang reicht das Line-up. Zwischendurch dürfen die Mitarbeiter selbst das "Radio Herrmann" programmieren. Sportliche Gäste können die eisfrei gehaltene Petanque-Bahn testen, weniger Aktive wärmen sich an den brennenden Tonnen im Bronx-Style und gedenken bei einem heißen Drink der Bewohner des Polarkreises, deren Tageslichtration jetzt noch kärger ausfällt.

Bei 21 Grad kommt keine Weihnachtsstimmung auf

Ein weiterer Tipp für Weihnachtsflüchtlinge ist derzeit Athen. In der griechischen Hauptstadt herrschten am Donnerstag mit 21 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit sommerliche Verhältnisse. Das sei schlecht für die vorweihnachtliche Stimmung, hieß es im Fernsehen. Zudem wirke der Weihnachtsschmuck dann unnatürlich. Das treffe vor allem die Händler. "Die Leute tragen nur ein Hemd. Wie sollen die Menschen unter solchen Sommer-Bedingungen in Weihnachtsstimmung kommen?" fragte der Inhaber eines Schuhgeschäfts aus der Hermes-Straße, der zentralen Einkaufsmeile, im Fernsehen.

Jens Maier
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