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Wetteinsatz: "Politik ist keine Unterhaltungssendung"

Thomas Gottschalk darf nicht im Bundestag reden, hat Bundestagspräsident Thierse festgelegt. Nun will der Showmaster seinen Wetteinsatz in Wien einlösen. Auch die FDP biete sich an.

Dass sich Politik immer mehr in Fernsehtalkshows abspielt, ist oft beklagt, letztendlich aber akzeptiert worden. Show-Master Thomas Gottschalk hat sich nun vorgenommen, den Trend umzukehren. Vor einem Millionenpublikum startete er am Samstagabend in seiner Sendung "Wetten dass...?" den Versuch, der Talkshow einen Platz im Zentrum der deutschen Politik zu verschaffen. Als Gegenleistung für eine verlorene Stadtwette bewarb er sich als Redner im Bundestag.

Thierse: Gottschalk darf nicht im Parlament reden

Gottschalk hat zwar auch im Parlament Fans, die Zuneigung hat allerdings gewisse Grenzen. "Herr Gottschalk ist ein sympathischer Mensch, aber die Redemöglichkeit im Bundestag richtet sich leider nicht nach Sympathie, auch nicht nach meiner", sagte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse am Montag. Er habe sich an die Geschäftsordnung des Bundestags zu halten und die sei eindeutig: Im Parlament dürften neben den Abgeordneten lediglich Staatspräsidenten reden. "Also wäre meine Empfehlung an Herrn Gottschalk: Entweder er bewirbt sich um ein Bundestagsmandat oder er wird Chef eines bedeutenden Staates dieser Welt", sagte Thierse. "Parlamente haben Ordnungen, die zu verletzten ihrem Ansehen schaden würde."

"Politik ist keine Unterhaltungssendung"

Auch der Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe Peter Ramsauer legte Gottschalk nahe, sich bei der nächsten Bundestagswahl das Rederecht im Parlament zu erkämpfen. "Ich lade Thomas Gottschalk herzlich ein, sich um ein Abgeordneten-Mandat zu bewerben", erklärte er. Eines müsse dem Fernsehstar dabei aber klar sein: "Mit einer One-Man-Show lässt sich kein Staat machen. Politik ist keine Unterhaltungssendung."

Laut Gesetz dürfen nur Gewählte im Parlament reden

Das Rederecht ist im Grundgesetz und der Geschäftsordnung des Bundestags geregelt. In regulären Sitzungen des Parlaments dürfen danach neben den Abgeordneten, Mitglieder oder Beauftragte der Bundesregierung und Mitglieder des Bundesrats - also Ministerpräsidenten oder Landesminister - reden. Daneben kann der Ältestenrat zu besonderen Anlässen Sonderveranstaltungen mit Gastrednern ansetzen - etwa bei Jahrestagen oder Staatsbesuchen.

"Dann spreche ich eben in Östereich"

Der Moderator kündigte an, sein Glück nun in Österreich suchen zu wollen. "Dann spreche ich eben im österreichischen Parlament. Die sind lockerer", sagte er laut "Bild"-Zeitung. Ein Österreicher dürfe in den USA auch Gouverneur werden, "ein Gottschalk darf in Deutschland nicht mal im Bundestag sprechen". Das Präsidium des österreichischen Nationalrats reagierte zurückhaltend.

Einladung zu einer FDP-Fraktionssitzung

Sollte auch dies nicht klappen, bliebe immer noch das Angebot der FDP: Diese hatte den Showmaster nach der Absage von Wolfgang Thierse zu einer Fraktionssitzung einladen. "Sie könnten so an einem Meinungsbildungsprozess teilnehmen und ihre Wette einlösen", schrieb der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Wolfgang Gerhardt, nach einem "Bild"-Bericht in einem Brief an Gottschalk. In einem Interview der Zeitung begründete Gerhardt die Einladung so: "Gottschalk ist ein kluger Kopf, der sich immer wieder in politische Diskussionen eingemischt hat."