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Der Badeanzug: Comeback des Frauenschmeichlers

Dieses Jahr kann sich die modebewusste Frau die Bikini-Diät sparen, denn ein Klassiker feiert sein großes Comeback: der Badeanzug.

Von Claudia Pientka

"Er ist so klein, dass er alles über die Trägerin enthüllt bis auf den Mädchennamen ihrer Mutter", sagte einst Louis Réard über den Bikini. Seit der Franzose vor etwas mehr als 60 Jahren den Zweiteiler entwarf, stürzen sich jedes Jahr hunderte Frauen in Trennkost-Diäten, auf Crosstrainer oder eilen gleich zum Schönheitschirurgen. Das können sie sich in diesem Jahr sparen. Ein alter Bekannter feiert sein großes Comeback: der Badeanzug.

Der Vorteil für die Frau liegt auf dem Körper: Sie muss nicht verlegen am rutschenden Höschen zuppeln, wenn sie von der Liege zur Bar flaniert. Das Oberteil sitzt auch beim Sprung vom Beckenrand bombenfest - ganz im Gegensatz zum winzigen Triangel-Top, das die Brustwarzen maximal beim Sonnenbad optimal bedeckt. Und während ein Bikini jedes Sitzfältchen in rechte Licht rückt, verdeckt der Einteiler dezent die problematische Mitte.

Doch es ist noch mehr, das dem Badeanzug so reizvoll macht: Er verspricht viel und gibt doch wenig preis. Weil er sich traut, nicht alles zu zeigen, kitzelt er die Phantasie. Weil er die Trägerin nicht entblößt, gibt er ihr die Möglichkeit zu glänzen. Der Badeanzug macht die Frau sicher: Sie muss nicht den Bauch einziehen, den Sitz überprüfen, jeden Zentimeter Haut zum Vergleich bloß stellen. Der Badeanzug ist das Kleid, der Bikini der Jeansmini: Das Kleid schmückt seine Trägerin und drängelt sich nicht in den Vordergrund. Der Jeansmini bringt sie in Bedrängnis - und kann nur an den wenigsten Frauen sein Versprechen einlösen.

Keine Vorschrift, nur ein Vorschlag

Im 21. Jahrhundert müssen Frauen mit schlecht sitzenden Bikinis nur den Hohn ihrer Mitmenschen tragen; Anfang des 20. Jahrhunderts war das noch anders: Weil die Sitten in den wilden Zwanzigern immer mehr verrohten, erließ der Innenminister 1932 eine Badepolizeiverordnung. Detailliert wurde darin geregelt, dass Frauen die Vorderseite ihres Oberkörpers vollständig zu bedecken haben, den Rücken durften sie nur bis zu den Schulterblättern entblößen.

Heute ist es nicht mehr der Staat, der seinen Bürgern angemessene Badekleidung verschreibt. Es sind die Designer, die mit raffinierten Entwürfen locken. Und selten sah man bei den Modeschauen so viele Badeanzüge wie für diese Sommer-Saison. Gucci und Jean-Paul Gaultier garnieren die Taille mit breiten Gürteln; Kenzo setzt auf Einteiler mit breiten Streifen und Karl Lagerfelds Badeanzüge für Chanel könnten aus den Resten eines typischen Jäckchens geschneidert sein - samt Goldknöpfen und -ketten. Frei nach dem Motto Coco Chanels: "Der Bikini schmeichelt nicht - der Badeanzug schon."

Gestanzt, gerafft, geschmückt

Vorbei sind die Zeiten geraffter Bauchbeutel und tief geschnittener Beinbünde: Die Badeanzüge 2007 sind aus Hightech-Materialien, die auch mit minimalem Stofffeinsatz maximalen Halt versprechen. Da kann der Designer das Dekolletee bis zum Bauchnabel ausschneiden, Löcher und Muster auf Lendenhöhe stanzen und Pailletten und Silberschmuck aufnähen - der Einteiler hält. Christian Lacroix hat seine Stücke so sorgfältig verziert, dass es fast (zu) schade ist, sie nach dem Strand wieder auszuziehen.

Ach so - natürlich verspricht der Sommer 2007 auch noch andere Trends für den Strand: Den Matrosen-Look mit Anker, Streifen und Hütchen, den Sport-Glamour mit einer Mischung von Turnhalle und Straßenkreuzung oder den Future-Trend aus silber-gold glänzendem Nylon. Und die gibt's auch alle in der Badeanzug-Version.

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