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Dessous: Tanga trifft auf "Unaussprechliche"

Korsett, Keuschheitsgürtel und Wonderbra - Damenunterwäsche ist dem Diktat von Zeit und Mode unterworfen. Eine Ausstellung widmet sich dem Wäschewandel und zeigt die schönsten Exponate.

Kleider machen Leute - das gilt nicht nur für den schmucken Anzug mit edler Krawatte, sondern auch für die Bekleidung, die der normale Betrachter erst mal nicht sieht: die Unterwäsche, speziell die Damenunterwäsche. Die jeweilige Mode der Dessous erzählt einiges über das Bild und den Stellenwert der Frau in der Gesellschaft. Genau diesem Zusammenspiel widmet sich im Salzburger Haus der Stadtgeschichte die "Anziehende Ausstellung. Zur Kulturgeschichte der Frauenunterwäsche".

Gleich am Eingang fällt der Blick auf einen Paravent mit fein gestickter, weißer Hochzeitsunterwäsche, zahlreiche Rüschen schmücken die fast bodenlangen Gewänder. Daneben hängen rosa Mieder mit Blümchen. Sie dienten im 19. Jahrhundert genau wie der davor drapierte, glänzende Reifrock dazu, die Frauen in die richtige Form zu zwängen. "Damals war die Wespentaille mit einem Umfang von 40 bis 45 Zentimetern gefragt", erzählt Sabine Veits-Falk, Historikerin im Salzburger Stadtarchiv. "Man kann sich vorstellen, wie es mit der Bewegungsfreiheit ausgesehen hat, wenn man so ein Drahtgestell um sich trägt." Ohnmachtsanfälle waren keine Seltenheit. Das passte perfekt ins vorherrschende Bild der zerbrechlichen Frau, die einen starken Begleiter an ihrer Seite braucht.

Erste Frauenunterhosen hießen "Unaussprechliche"

Bis ins 19. Jahrhundert trugen die Frauen auf der Haut lediglich lange Unterhemden oder Unterröcke, bei Kälte auch mehrere übereinander. "Ausnahme waren Adelige, die auch schon im 16. Jahrhundert gefütterte Pelzunterhosen anzogen, beispielsweise beim Reiten", erläutert Sabine Veits-Falk, die die Ausstellung mit konzipiert hat.

Die ersten Frauenunterhosen hießen "Beinkleid" und "Unaussprechliche". Sie hatten einen offenen Schritt für die bessere Luftzirkulation. Eine nächste Beinkleid-Variante verfügte schon über Bänder zum Zuknüpfen und gab sich nicht mehr unbedingt keusch in Weiß, sondern war raffinierter, etwa aus fast durchsichtigem, grünem Stoff.

Korsetts verschwanden im Ersten Weltkrieg

Die große Wende brachte der Erste Weltkrieg. Die Frauen mussten Männerarbeit übernehmen und wurden mobiler, sie trugen Hosen und keine einengenden Korsetts mehr. Dafür tauchen Büstenhalter und Hüftgürtel mit Strapsen auf. Gab es in den 30er Jahren die Rückkehr zur Weiblichkeit, so zeugen gestrickte Unterhosen aus Wolle davon, dass die Kleidung während des Zweiten Weltkrieges vor allem warm sein musste. Fast durchsichtige Nylon- und Perlon-Unterwäsche, Wonderbra, Playboy-Unterwäsche und String-Tanga beenden den Streifzug durch die Dessous-Mode.

Außer rund 140 Exponaten veranschaulichen Informationstafeln in der Mitte des Ausstellungsraumes die Entwicklung von Mieder, Keuschheitsgürtel, Unterhose und Co. Dabei wird ein weiter Bogen geschlagen, der bei den Minoerinnen 2500 vor Christus auf Kreta beginnt. Die trugen auch schon eine Art Büstenhalter - der diente allerdings dazu, die Brüste offen über der Kleidung zu zeigen.

Sandra Tjong/DPA / DPA
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