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Garten: Schon wieder der Rasen!

Er braucht viel Pflege und kränkelt leicht. Wer einen Grünflor zum Angeben haben will, muss Profis fragen. Sprechstunde beim Rasendoktor.

Von Claudia Pientka

Der Agraringenieur Michael Schlosser hat schon viele Rasen kuriert. Seine Ratschläge haben Hand und Fuß.

Welche Saat eignet sich für Rasen, der im Schatten wächst?

Einzig eine Saatmischung mit Lägerrispe ist schattentolerant. Dennoch - jeder Rasen braucht ein bis zwei Stunden Sonne pro Tag.

Für Zierrasen?

Rotschwingel ist zwar nicht besonders belastbar, hat aber sehr feinblättrige und borstenartige Gräser, die schön dicht wie ein Veloursteppich wachsen.

Für Spielrasen

Ein strapazierfähiger Rasen sollte einen großen Anteil an Wiesenrispe und Deutschem Weidegras enthalten; diese Gräser halten viel aus und sind regenerationsfähig: Kleine Lücken wachsen von selbst wieder zu.

Wann ist die beste Zeit zur Aussaat?

Anfang September ist der Boden noch warm genug, es regnet reichlich, und die Unkräuter keimen weniger als im Frühjahr. Bei der Ansaat im Frühjahr sollte das Thermometer nachts nicht mehr unter acht Grad fallen, das ist meist Ende April, Anfang Mai. In den ersten vier Wochen nach der Ansaat muss regelmäßig gewässert werden.

Welches sind die häufigsten Rasenkrankheiten?

Im Frühjahr grassiert Schneeschimmel, später Rotspitzigkeit, im Sommer leidet der Rasen oft unter Fäule, und zum Herbst hin sind Rostkrankheiten sehr verbreitet. Schneeschimmel erkennt man leicht am kreisrunden weißlichen Pilzgeflecht auf dem Rasen; die Gräser fühlen sich matschig an. Bei der Rotspitzigkeit sind rote Flecken an den Halmspitzen zu finden, und Rostkrankheiten verursachen gelbe und braune Pusteln an den Gräsern.

Und was kann man dagegen tun?

Vorbeugen. Den Rasen im Herbst mit kaliumbetontem Dünger stärken. Ist das Gras erst einmal krank, hilft nur vertikutieren.

Ist Vertikutieren auch bei gesundem Rasen nötig?

Ja. Denn beim Vertikutieren wird abgestorbenes Pflanzenmaterial ausgekämmt, sodass Nährstoffe und Wasser wieder bis an die Graswurzeln kommen. Einmal im Jahr reicht, am besten im zeitigen Frühjahr. Die Messerspitzen des Vertikutierers sollten den Boden dabei nur leicht berühren, aber Moos und Filz erreichen.

Wie oft sollte man mähen?

Regelmäßiges Mähen regt die Gräser an, Seitentriebe zu bilden: Die Pflanze wächst in die Breite und macht den Rasen so dichter. Und ein dichter Rasen ist weniger anfällig für Eindringlinge wie Unkräuter oder Fremdgräser. Es gilt: Je tiefer ich schneide, desto häufiger muss ich mähen und desto stärker verletze ich den Rasen. Idealerweise sollte man seinen Rasen einmal die Woche um maximal die Hälfte der Auswuchshöhe kürzen: Zehn Zentimeter lange Halme sollten höchstens um fünf Zentimeter gekürzt werden. Besonders im Sommer hilft jeder Millimeter Blattfläche, die Trockenheit zu überstehen.

Welcher Mäher für welchen Rasen?

Spindelmäher machen ebenmäßige Sportrasenflächen. In Hausgärten rattern meist Rotations- oder Schlegelmäher, die das Gras eher abschlagen. Mit Mulchmähern muss man häufiger mähen, weil die Schnipsel, die abgeschnitten werden, relativ klein sein sollten. Mulchmäher haben eine eingebaute Recycling-Funktion. Sie häckseln das Schnittgut und verteilen es, damit es sich abbaut. Vorsicht beim Mulchen: Wenn es zu feucht ist, klumpt es leicht, und unter jedem Klumpen, der 8liegen bleibt, können sich Krankheitserreger breitmachen.

Worauf muss ich beim Düngen achten?

Auf Regelmäßigkeit: Das erste Mal sollte im Frühjahr nach dem ersten Vertikutieren gedüngt werden und dann im Rhythmus von acht bis zehn Wochen. Finger weg von schnell löslichen Düngern wie Blaudünger. Denn die geben alle Wirkstoffe sofort frei, die Pflanze schießt in die Höhe, die Wirkung verpufft nach drei Wochen. Langzeitdünger hingegen dosieren die Nährstoffe so, dass die Pflanzen gleichmäßig wachsen können.

Ist Rollrasenpflege leichter?

Mit Rollrasen lässt sich ein Garten schnell begrünen, und schon nach zwei Wochen ist der Teppich belastbar. Doch ein Fertigrasen muss genauso regelmäßig gedüngt, gewässert und gemäht werden wie ein gesäter. Zudem kostet ein Rollrasen etwa das Zehnfache der entsprechenden Menge an Saatgut.

Was hilft gegen Moos?

Ist der Boden zu sauer, hilft kalken. Aber in den meisten Fällen führt Nährstoffmangel, Schatten oder zu unregelmäßiges Mähen zu Mooswachstum. Ist das der Fall, hilft vertikutieren und nachsäen. Moosvernichter und Eisendünger sind zwar auch eine Möglichkeit, Moos zu bekämpfen, schädigen jedoch die Nachsaat. Sie sollten also nur bei geringem Moosbefall eingesetzt werden.

Gegen Unkraut?

Wenn Lücken entstehen, kann Unkraut einwandern. Dagegen kann man mechanisch vorgehen oder mit flüssigen Herbiziden. Dabei gilt: Wehret den Anfängen. Sobald man die ersten Unkräuter sieht, sollte man sie herausreißen.

Gegen Maulwürfe und Wühlmäuse?

Der Maulwurf steht unter Artenschutz. Deshalb darf er nur mit einer Lebendfalle eingefangen und umgesiedelt werden. Die Wühlmaus hingegen darf bekämpft werden, etwa mit Wühlmauszangen, die mit einem vegetarischen Köder gespickt sind. Die Hügel müssen anschließend abgetragen und die Gänge, je nach Boden, mit Sand oder Erde aufgefüllt werden.

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