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Jean Paul Gaultier: Das Comeback des Männerrocks

Außerhalb von Schottland sieht man ihn eher selten, den Männerrock. Zu unrecht, wie Designer Jean Paul Gaultier findet, denn die Nacktheit unter dem Rock verschaffe einem "ein Gefühl von Freiheit". Er sieht das gute Stück im stern-Interview wieder im Kommen.

Eines der ungewöhnlichsten Kleidungsstücke erlebt gerade sein Comeback: der Männerrock. Das behauptet der französische Modeschöpfer Jean Paul Gaultier in einem Interview in der neuen Ausgabe des stern. "Nackte Haut unterm Rock" verschaffe "ein Gefühl der Freiheit", so der 57-Jährige. Es sei "ein bisschen wie nackt baden". Im stern schaut Gaultier zurück auf seine Karriere, die er mit 18 als Modezeichner bei Pierre Cardin begann und die beinahe schnell wieder geendet hätte: "Nach einigen Monaten setzte man mich vor die Tür, weil ich erschöpft in Ferien gefahren war." Später wurde er auf die Philippinnen geschickt, um Diktatorengattin Imelda Marcos bei Schuh-Anproben zu begleiten. "Ich durfte erleben, wie sie von einer USA-Reise zurückkehrte: die Arme voller Pakete mit Schuhen, die sie vielleicht einmal getragen hatte und die sie jetzt wie Almosen in die Arme ihrer Bediensteten warf."

Heute fehlen dem Designer, der stets für kunterbunte und manchmal etwas verwegene Entwürfe bekannt war, die exzentrischen Charaktere in der Modeszene: "Ich bin Leuten aus dem Marketing begegnet, die saßen in der ersten Reihe vor dem Laufsteg und begriffen von den Kleidern rein gar nichts. Aber sie wussten genau, welchem der Models sie es gern mal besorgen würden", sagte Gaultier dem stern. Nach 33 Jahren als selbstständiger Unternehmer bedauert er die zunehmende Vulgarisierung der Mode. Als Beispiel dafür nennt er "Hollywood-Schauspielerinnen, Frauen mithin, die sich jedes Kleid der Welt leisten können", die "aber trotzdem die teuersten Couture-Roben zugeschickt bekommen - und zwar umsonst".

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