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Laufsteg: Die Mode der Oscar-Nächte

Bei der Oscar-Preisverleihung macht Mode Geschichte: Grace Kellys gletscherblaues Seidenkleid ist ebenso unvergessen wie Raquel Welchs hautenger Catsuit. Manchmal triumphiert auch der schlechte Geschmack.

Nachts wachen sie wahrscheinlich schweißgebadet auf. Zwar haben die Star-Designer der Modeszene die Schauen der kommenden Saison gerade hinter sich gebracht, doch ein ungleich wichtigerer Laufsteg kommt noch. Stell dir vor, es ist Oscar-Nacht, und keiner trägt dein Kleid. Schließlich bewundern Millionen von Zuschauer bei der glanzvollen Zeremonie viele der schönsten Frauen der Welt und damit auch ihre Kleider.

Daher reißen sich Modemacher, Juweliere und Schuhhersteller förmlich darum, die Stars herauszuputzen. Beantworten die zahlreichen Anfragen, schicken ihre Kleider und ändern bei wichtigen Kundinnen auch noch im letzten Moment die Planung. Das deutsche Couture-Haus Escada musste beispielsweise 1997 über Nacht ein neues Kleid für Kim Basinger nähen. Dafür bekam die Schauspielerin aber auch den Oscar - und die Bilder der zartgrünen, ärmellosen Traumrobe wanderten um den Globus. "Ein Oscar-Kleid muss in Erinnerung bleiben", beschrieb Escada-Chef Wolfgang Ley dann auch kürzlich in der Zeitschrift "Elle" das perfekte Outfit für die Nacht der Nächte.

Von federleicht bis perlenschwer

In Erinnerung geblieben ist auch das gletscherblaue Seidenkleid, das Grace Kelly 1955 trug. Allein der Stoff für den Entwurf von Edith Head kostete 4000 Dollar. Die Investition hat sich gelohnt: Kellys Kleid gilt heute noch als eine der schönsten Roben der Oscar-Geschichte. Audrey Hepburn erhielt 1953 den Oscar. Eine Modetrophäe hätte sie für ihr weißes, wunderbar leichtes Spitzenkleid verdient, das ihre Tänzerinnenfigur betonte. Die schöne Annette Bening hatte es 1991 in ihrem hocheleganten handbestickten Perlenkleid von Albert Wolsky deutlich schwerer. Die Robe wog fünf Kilo.

Noch mehr gelitten haben muss allerdings Raquel Welch. Ihr tief ausgeschnittener Catsuit von Loris Azzaro war so eng, dass sie 1979 die Fahrt zur Feier in der Limousine nur auf dem Rücksitz liegend mit offenem Reißverschluss überstanden haben soll. Immerhin setzte der Anzug Maßstäbe in Sachen Erotik. Und seither gibt es noch mehr Haut bei der Preisverleihung zu sehen. Cameron Diaz erschien vor zwei Jahren im bis zum Nabel ausgeschnittenen Versace-Dress. Unter dem hohen Beinschlitz lugte der Slip hervor. Rasante Dekolletés trugen auch Demi Moore 1992 oder die schrille Cher 1984.

Auch der schlechteste Geschmack ließe sich hier küren

Auch der schlechte Geschmack triumphiert manchmal: "Oh Mann, wenn ich das heute anziehen würde, glaubte man, ich gehe auf eine Halloween-Party", sagte Jada Pinkett Smith rückblickend, nachdem sie 1997 in einem limonengrünen, an Fischhaut erinnernden Dress erschienen war. Locker übertrumpft wurde sie vor zwei Jahren von der Sängerin Björk, die in einem scheußlichen Tüllkostüm mit Schwanenkopf erschien.

Traumhaft schön hingegen wirkte das Valentino-Kleid, in dem Julia Roberts zeitgleich ihren Oscar entgegennahm. Schwarz am Körper herabfließend, von schmalen Trägern in Creme gehalten, beeinflusste es sogar den schlichten Look der Feier des darauf folgenden Jahres. Dezent wirkte auch das Diamantenarmband von Van Cleef & Arpels, das Roberts dazu kombinierte. Allerdings war es 98 000 Dollar wert.

El Dorado der Designer

Kreieren seit Jahren Armani, Valentino, Chanel, Versace oder Escada den Löwenanteil der Oscar-Roben, so schießen beim Schmuck Van Cleef & Arpels, Harry Winston, Fred Leighton und Bulgari häufig mit kostbaren Stücken den Vogel ab. Im vergangen Jahr toppte sie allerdings ein Schuhdesigner. Stuart Weitzman schuf einen mit 464 Diamanten besetzten "Millionen-Dollar-Schuh", der Laura Harrings Füße zu einem der meistfotografierten Motive der Zeremonie machten.

Und die Männer? Sie kommen meist im Smoking, mal mit, mal ohne Krawatte, und häufig auf Armanis Schneiderkunst vertrauend. Robert Downey Jr. tanzte 1993 aus der Reihe und erschien in einem Samtanzug mit Schleife wie aus einem alten Kostümschinken. "Es war ein bisschen viel", musste er später zugeben - weniger ist auch bei den Oscars meist mehr.

Stefanie Schütte
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