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New York Fashion Week: King Karl erobert New York

Keine Show wurde so heiß ersehnt wie die von Karl Lagerfeld. Er beendete damit eine Mode-Woche, in der sich auch andere Deutsche wie Strenesse, Wunderkind und Adidas-Y3 mit starken Entwürfen in der amerikanischen Mode-Liga positionierten.

Von Nadine Sieger

Das gestrige Finale der New Yorker Fashion Week war gleichzeitig ein heiß ersehntes Debüt. Erstmals präsentierte Kosmopolit Karl Lagerfeld seine Kreationen in New York. Seinem sonst so festgezurrten Gesichtsausdruck entgleiste sogar ein erleichterndes Lachen, als er am Ende der Schau mit Chefdesignerin Melanie Ward seine Runde drehte und sich beklatschen ließ.

Standing Ovations und Jubel blieben allerdings aus. Lässig geschichtet, gewickelt und umschlungen präsentierte sich der erste Teil im Grunge-Look und einige zerlöcherte Schals und Wollpullis wirkten minimalistisch zerlumpt. Schwarz, Grau und Braun dominierten und starke Farben waren wie immer ein Tabu. Die Hosen waren hauteng und röhrig, wie Lagerfeld sie selbst gern trägt und die so charakteristisch für ihn sind wie seine Sonnebrillen. Zu sehen war ein Mix an Proportionen, veredelt mit Federdetails und ein wenig Pelz.

Keine Promis-Politik

Highlight der Kollektion waren Karls Kleider, zum Teil körperbetont aus Wolle, zum Teil gerafft und gerüscht aus Gaze-Stoffen in softem Hautrosa und blassem Gelb. Ein weiteres Fashion Statement: Auf die mittlerweile zum festen Bestandteil gewordenen Promis im Blitzlichtgewitter wurde verzichtet. Lagerfeld war alleiniger Star seines Abends. Auch in der ersten Reihe war von Celebritys nichts zu sehen, abgesehen von Sports Wear Gigant Tommy Hilfiger, der das Label Lagerfeld 2004 aufkaufte und zu Beginn der Schau sichtlich nervös in der ersten Reihe saß.

Kein Wunder - das Lagerfeld-Fieber hatte die Erwartungen der Einkäufer und Elite der Mode-Medienwelt in den letzten acht Tagen in die Höhe geschraubt. Die Einladung zur Schau war das heiß begehrteste Ticket. Und es am Eingang wurde kontrolliert wie bei keiner anderen Schau. Edle Modehäuser wie Neiman Marcus und Bergdorf Goodman haben geordert, ohne die Kollektion je gesehen zu haben. Und Ipod stellt erstmals eine Fashion Show via Podcast zum Herunterladen in den Apple iTunes Music Store.

Deutsche Mode punktet im Big Apple

Karl Lagerfeld ist der momentane Rock-Star der Modewelt. Sein Name ein Verkaufsschlager. Und um den nicht zu gefährden, ging der Modegigant auf Nummer sicher und präsentierte gleich zwei Linien für unterschiedliche Preisklassen: Erstens "Karl Lagerfeld", eine Kollektion, die in New York entworfen wird und mit Kleidern für 475 Dollar und T-Shirts für 155 als eher günstig gilt. Zweitens die Linie "Lagerfeld Collection", die in Paris entsteht und etwa doppelt so teuer ist. Da kostet ein T-Shirt gut und gerne 235 Dollar.

Dabei ist Lagerfeld der letzte Neuzugang einer Reihe deutscher Designer, die sich seit kurzem auf New Yorks Laufstegen behaupten wollen. Für Strenesse und Y3 war es die zweite Saison, für Wolfgang Joop mit Wunderkind schon die dritte Kollektion. Lagerfeld ist jedoch der unbestreitbare Mode-König unter den Deutschen und fühlt sich in New York schon ganz zuhause. Erst kürzlich hat er sich in der Ecke Gramercy Park Nord ein Apartment gekauft. Die Energie der Stadt passt zu seiner eigenen Dynamik. "In New York will ich jede Nacht ausgehen, in Paris nie", sagte er.

Hyperaktives Multitalent

Karl Lagerfeld ist ein Phänomen, eine Lebensphilosophie, eine Marke. Er besitzt etwa 100 Ipods - und hält sich doch für bodenständig. "Karl ist Fashion", so seine Mitarbeiter. 24 Stunden am Tag.

Und seine Kreativität lebt er aus: Neben den beiden Kollektionen für New York kreiert er pro Jahr üblicherweise noch acht Kollektionen für Chanel und Fendi kreiert, macht Karriere als Fotograf und veröffentlicht außerdem Bücher. Für Lagerfeld ist Zeit keine Einheit, er trägt keine Uhr, hat keinen Terminkalender. "Ich bin ein professioneller Improvisierer und will von meinen Terminen erst in letzter Sekunde erfahren", sagt er. "Ich möchte mir das Konzept von vorgegaukelter Freiheit erhalten."