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Nie wieder ...: ... Bundeswehrmode!

Ist es hip, in seiner Freizeit herumzulaufen wie ein Soldat in Reserve? Niemals! Wer ein T-Shirt mit Bundesadler trägt, hat keinen Modeverstand, sondern schlicht: einen Vogel.

Von Ingolf Gillmann

Da geht man also als normaler Staatsbürger durch irgendeine deutsche Innenstadt und denkt: Das Leben ist toll. Doch dann trifft der normale Staatsbürger auf Menschen in Bundeswehrklamotten und denkt weiter: Das Leben ist toll - aber zu lang. Und er fragt sich: Kann es sein, dass Menschen in Bundeswehrklamotten lebensmüde machen? Sind diese Parkas, Feldjacken, Leibchen mit Bundesadler auf der Brust doch ein so feiger Anschlag auf die Geschmacksnerven, dass der Betrachter schreien muss: Wer einen Bundesadler auf der Brust trägt, hat einen Vogel! Und nein: "He, ich bin doch homosexuell" geht in diesem Fall nicht als Ausrede durch. No, Sir! Warum nur regen Bundeswehrklamotten so auf? Grün ist doch das Valium unter den Farben. Grünzeug ist gesund. Im Wald, auf dem Billardtisch, auf dem Teller, ja, ja, ja. Schlendern aber Zivilisten in Uniform durch die Stadt (am Wochenende auch über den Markt, mit handgeflochtenem Weidekörbchen am Arm), entsteht eine Atmosphäre beherrschter Aggressivität.

Der sogenannte Schwarze Block macht nur Autos kaputt; der Grüne Block hingegen macht die Nerven blank. Und dann ist es plötzlich vorbei mit der beherrschten Aggressivität, und man sagt sich: Hau’n, Verzeihung: Schau’n wir doch mal in die Gesichter rein, die zu den Bundeswehrklamottenträgern gehören wie Bellen auf dem Kasernenhof. Was sind das für Leute? Nun, der Grüne Block setzt sich weniger aus rohen Harteiern zusammen, es sind vielmehr Björn-Engholm-Typen. Menschen also, die sich nie ein Lager-Bier bestellen würden, weil sie das ans "Dritte Reich" erinnert. Und sobald diese Menschen anfangen, über Mode zu reden, fallen ihnen sofort Begriffe ein wie: Haltung und Statement. Haltung und Statement! Abgekürzt: Hasta. Und Hasta war eine Waffe, genauer ein Speer, der im Römischen Reich verwendet wurde. Bundeswehrklamotten und Waffen, das passt wie angeschossen, pardon, wie angegossen. Aber so weit denkt der Grüne Block nicht. Sondern? Heute geben wir uns mal locker, denken diese Hastas; und meinen damit die Lockerheit, die etwa BWL-studierende FDP-Wähler samstags bei Starbucks zur Schau tragen, indem sie den Kragen ihres Poloshirts hochschlagen.

Raus aus dem Grünzeug, rein ins Leben

Und die ganz schlimmen Hastas gehen noch weiter - sie "brechen ihr Bundeswehroutfit ironisch", das heißt, sie tragen dazu einen achtfädigen Cashmere- Pullover oder ein Hermès-Tuch. Armee und Reich. Pfui und Hui. Killer und Dressman. Verstehen Sie? Nein? Also noch mal zum Mitdenken: Der Unterschied der Hasta-Lässigkeit zur Lässigkeit ist so groß wie der Unterschied zwischen E-Mail und Email. Diese Hastas finden, Uniformen sollten in der Schule Pflicht und im Alltag Kür sein; für sie sind Uniformen der erste Schritt auf dem Weg zur Gleichwerdung aller Menschen. Schau’n Sie bitte: Gewerkschafter sehen immer aus wie Gewerkschafter, und Vernissagenbesucher sehen immer aus wie Vernissagenbesucher - reicht das nicht? Und wie das reicht! Also raus aus dem Grünzeug, rein ins Leben. Womit wir wieder am Anfang der Geschichte sind und auch am Ende: Das Leben ist toll - aber in Bundeswehrklamotten zu lang. Und der Grund, weswegen Menschen sterben, ist der: damit nicht immer die gleichen auf der Erde sind. Wenn jedoch schon alle Menschen vor dem Tod gleich aussehen, hat das Leben keinen Sinn, jedenfalls keinen guten.

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