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Pariser Haute Couture: "Hottentotten-Venus" auf Pariser Laufsteg

Inspiriert von den legendären Rundungen einer afrikanischen Jahrmarktsattraktion: Jean-Paul Gaultiers neue Kollektion steht mit afrikanischen Mustern und weiblichen Körperlinien ganz im Zeichen der "Hottentotten-Venus".

Was sich Stardesigner Jean-Paul Gaultier unter der "Hottentotten-Venus" vorstellt, zeigte sein Defilee, das am Mittwoch den Höhepunkt der zu Ende gehenden Pariser Haute-Couture-Schauen für Frühling/Sommer 2005 bildete. Schwarze und weiße Schönheiten stolzierten in eng anliegenden Röcken mit taillierten, nach hinten leicht glockenförmig ausstehenden Jacken über den Laufsteg. Das einzige, was diese Gaultier-Modelle mit der Namensvetterin gemeinsam haben, die im frühen 19. Jahrhundert in Paris auf Jahrmärkten als Attraktion vorgeführt wurde, sind die äußerst weiblichen Körperlinien.

Gaultiers Modelle zeigen Formen - und dies auf sehr elegante und raffinierte Art. So hüllt der Stardesigner die modebewusste Venus in lange Seidenkleider, die zur Wade hin immer enger werden und plötzlich durch Volantreihen an Fülle und Breite gewinnen. Ebenso verführerisch wirken auch die im Rücken geschnürten Korsetts mit spitz zulaufender Busenform oder die bis auf die Hüfte reichenden Rückendekolletés der weißen Plissee-Cocktailkleider.

Dass die Kollektion des französischen Designers im Zeichen Afrikas stand, war nicht nur an den Namen der Modelle zu erkennen, sondern auch an den Farben und Materialien. Besonders schön wirkten die Perlen- und Paillettenkleider mit braunen, roten und gelben Maskenmustern sowie ein reich mit Federn verziertes erd- und orangefarbenes Abendkleid.

Lacroix sorgt für Aufsehen

Christian Lacroix sorgte bei den diesjährigen Schauen für besonders viel Aufsehen. Denn kurz nach dem Defilee wurde der Verkauf des chronisch defizitären Modehauses, das 1987 von der Luxus- Firmengruppe LVHM (Louis Vuitton Moet Hennessy) gegründet wurde, an den amerikanischen Duty-free-Händler Falic Group bekannt. Die seit Wochen über den Verkauf kursierenden Gerüchte haben die Arbeit des Modeschöpfers jedoch nicht beeinträchtigt: Lacroix schuf mit einer bewundernswerten Ruhe eine Traumkollektion aus leichten und edlen Stoffen mit verspielten Details.

So umfließen zarte Materialien wie Organsin und Chiffon den weiblichen Körper und verleihen der Kollektion Leichtigkeit und Eleganz, die durch Schleifen an Dekolletés oder am Hals betont werden. Den Frühling bringen auch die Glocken- und Ballonröcke ins Haus - und die vielen Rüschen an Krägen und Saumansätzen.

Wie bei Dior und Chanel herrschte auch bei Lacroix Empire-Stimmung und blumige Romantik, doch gaben sich die Designer weniger ausschließlich ihren Seiden- und Veloursexzessen hin. Ihre Kleider im Stil Marie-Antoinettes und ihre exzentrischen Traumkreationen waren diesmal sogar tragbar.

Sabine Glaubitz/DPA / DPA