Prêt-à-Porter Paris Im Stahlgerüst übern Catwalk


Kopfgesteuert und in ein Stahlgerüst montiert marschierten die Models des Designerduos Viktor&Rolf bei den Pariser Prêt-à-Porter-Schauen. Da bedarf es schon eines deutschen Wunderkinds, um etwas Leichtigkeit zu versprühen.

"Brainy" nennen Amerikaner stark kopfgesteuerte Menschen. Als "brainy" könnte man auch die Pariser Mode für die kommende Saison bezeichnen: Zumindest der Einstieg in die Schauen- Woche der Pariser Prêt-à-Porter-Kollektionen für Herbst und Winter 2007/2008 wirkte arg konzeptionell. Einige Models hatten schwer zu schleppen: Bei der Schau des holländischen Designerduos Viktor & Rolf trugen die Frauen Stahlgestänge mit Strahlern und Lautsprechern und zudem noch grobe Holzpantinen. Bei dem Marathon von rund 90 Defilees bis zum kommenden Sonntag können die Models somit nur hoffen, dass die weiteren Kreationen leichter ausfallen.

Schon die Einladung von Viktor & Rolf sah aus wie die karge Landkarte des Gesellschaftsspiels "Die Siedler von Catan" - und die Models mussten gewaltig ackern. An den Stahlkonstruktionen auf ihren Schultern schwangen von flämischer Folklore inspirierte Entwürfe: eine weiße Bluse mit Puffärmeln und riesigem Kragen, ein graubeiger Offiziermantels mit Borte und der Faltenrock eines rotschwarz karierten Kleides. Der Silberschimmer der Kollektion erschien wie auch die schönen Tapisserie-Muster ob der gewichtigen Inszenierung zweitrangig.

Deutsche Leichtigkeit

Der Antwerpener Designer Martin Margiela, berühmt für seine kunstvollen Recycling-Ideen, konzentrierte seine Entwürfe auf die Schulterpartie. Sie ist extrem breit und messerscharf zugeschnitten. Ein weißes Shirt-Kleid wirkte so sehr architektonisch, ein dunkelblaues Cape-Kleid wie konstruiert. Als Kontrast zur schwarzen formalen Strenge vieler Entwürfe gab es Strick in bunten Neonfarben sowie raffiniert angebrachte Bänder.

Yohji Yamamoto nahm sich in seiner Schau des Markenwahns an. Er hatte einen an das Label Louis Vuitton erinnernden Aufdruck kreiert: In Gold, auf dunklem Grund und mit den Anfangsbuchstaben seines Namens versehen. Das Ganze wickelte er dann seinen Models in Form von Tüchern oder fließenden Stoffbahnen um Kopf und Leib. Mit einem meisterhaft umgesetzten Lagenlook in Schwarz mit etwas Königsblau und Blutrot bleibt der zurückhaltende Japaner sich selbst treu. Viel Beifall erhielt er zum Schluss für schlichte Korsagenkleider mit drapierten Röcken zu Herrenhosen und Springerstiefeln.

Ausgerechnet der Deutsche Wolfgang Joop, in Paris mit seiner exklusiven Kollektion Wunderkind noch ein relativer Neuling, brachte dann am Montag die Erlösung vom allzu Kopflastigen. Seine Entwürfe vermengten Techno-Schick mit Schneiderkunst, Belle Epoque mit Sportswear - und das auf unangestrengte Weise. Weite capeartige Mäntel stehen neben sexy Kleidern in Nassoptik, der Samtanzug mit Pumphosen neben der überweiten Jogging-Hose zur Felljacke mit Glitzerelementen. Die Farben sind gedeckt mit schönem Silber- oder Goldschimmer.

Stefanie Schütte/DPA DPA

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