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Um Vernichtungen zu verhindern: Trotz Schnäppchenschlacht zur Cyber-Week: Wie Amazon steigenden Retouren entgegenwirken will

2018 wurde bekannt, dass Amazon massenhaft zurückgeschickte und neuwertige Produkte im großen Stil vernichten haben soll. Der Konzern hat das Problem der steigenden Rücksendungen erkannt und will dagegensteuern – unter anderem mit einem Offline-Event.

Amazon Fashion will Rücksendungen entgegensteuern

Amazon will vermehrte Rücksendungen eindämmen

DPA

Mit dem traditionellen Black Friday läutete der Handel vergangene Woche in den Innenstädten und Einkaufspassagen das Weihnachtsgeschäft ein. In dieser Woche ziehen die Onlineshops nach und veranstalten mit dem Cyber-Monday eine Schnäppchenschlacht im Netz. Und Amazon? Der Online-Händler begrenzt sich nicht nur auf einen Tag, sondern pulvert gleich eine ganze Woche Sonderangebote raus.

Neben Technik und Haushaltsgeräten wird auch Kleidung angeboten. Doch gerade Mode ist ein Problem für Händler. Denn nicht selten bestellen sich Kunden allerlei Hosen, Pullis und Kleider zu Auswahl. Die Retourensendung ist schon bei der Bestellung eingeplant. 

Amazon will vermehrten Rücksendungen entgegensteuern

Bei Amazon Fashion Europe weiß man um die Vorlieben der Kunden. Mit dem Service "Prime Wardrobe" ermöglicht der Händler dem Kunden, sich eine riesige Auswahl an Kleidung nach Hause schicken zu lassen. Ein Ankleideraum für die eigenen vier Wände sozusagen. Sicher praktisch für den Kunden, denn er findet höchstwahrscheinlich auch etwas, das ihm gefällt. 

Das große Problem dahinter: Die Anzahl an zurückgeschickter Ware steigt dadurch deutlich an. Amazon steht schon länger in der Kritik, Tonnen an Rücksendungen zu vernichten. Tatsächlich könnten einige Bekleidungsartikel aus hygienischen Gründen nicht wieder in den Verkauf gelangen. Bei anderen Produkten bemüht sich Amazon allerdings, sie wieder zu verkaufen - oder zumindest zu spenden. Man wolle auch daran arbeiten, überhaupt keine Kleidung mehr vernichten zu müssen.

Retouren sind ein heikles Thema für Fashion-Händler

Das Thema ist heikel für den Konzern. 2018 wurde bekannt, dass Amazon massenhaft zurückgeschickte und neuwertige Produkte im großen Stil vernichten haben soll – so berichteten mehrere Mitarbeiter. "Am Ende einer Kette gibt es mit Sicherheit auch einen Teil, den wir aus unterschiedlichsten Gründen nicht weiter verwerten können. Aber diesen Teil willst du als Händler per se minimieren. Dein Geschäftszweck ist ja nicht das Vernichten von Ware. Nochmal: Der größte Teil der Waren geht wieder in den Verkauf", sagte der Deutschlandchef von Amazon, Ralf Kleber, 2018 zum stern.

Wie viele Rücksendungen bei Amazon auflaufen, sagt der Händler nicht. Und ist damit nicht allein: Die meisten Fashion-Händler schweigen sich über die Retouren aus. Experten schätzen, dass mindestens die Hälfte der bestellten Klamotten wieder zurückgeht. Und die Bearbeitung im Anschluss ist aufwendig und teuer: Neben den Portokosten, die häufig vom Händler übernommen wird, muss die eingehende Ware auch geprüft werden. Jede Rücksendung lässt so Kosten von rund 20 Euro entstehen, berichtete der "Spiegel" im Sommer. Und so schmälern Rücksendungen den Gewinn. Teilweise sind die Kosten für die Abwicklung teurer als der bestellte Artikel.

Amazon ist deshalb auch dazu übergegangen, bei sehr günstigen Artikel die Rücksendung auszulassen und einfach den Kaufbetrag zu erstatten. Der Kunde kann den Artikel dann behalten.

Amazon wagt sich in die Offlinewelt

Damit künftig noch weniger Kleidung zurückgeschickt wird, versucht Amazon auch mit technischen Neuerungen gegenzusteuern. Man arbeite daran, besser vorhersagen zu können, welche Produkte Kunden kaufen werden, um nur noch die Produkte zu lagern, die letztendlich auch verkauft werden. Durch den Einsatz von sogenanntem 'Machine Learning' sei der Händler in der Lage besser vorherzusagen, wie viele Artikel eines bestimmten Produktes auf Lager sein müsse, so der Händler.

Aber Amazon hofft auch darauf, dass sich die Kunden besser vor dem Kauf informieren: Bei Alexa, mit genaueren Produktbeschreibungen oder bei den Bewertungen anderer User. Und um den besser kennenzulernen, wagt sich der Onlinehändler auch in die Offlinewelt. Ende Oktober veranstaltete Amazon in Berlin ein dreitägiges Shoppingevent in Berlin. Nicht weniger als die perfekte Jeans zu finden, das versprach Amazon den Besuchern. Mit sprachgesteuerter Einkaufs- und Größenberatung und Veranstaltungen zu Materialien wollte Amazon den Kunden näherkommen. Ob das die Rücksendeflut eindämmt? Das wird der Händler spätestens am Ende seiner Schnäppchenschlacht zur Cyber-Week sehen.

kg / maf