HOME

Theater-Kritik: Machtgeile Götter des Gemetzels

Theater, wie es es sein soll: wortgewaltig, unterhaltsam und klug. "Rom", ein furioser Mix aus drei Shakespeare-Stücken, feierte am Hamburger Thalia Premiere.

"Rom" im Thalia Theater in Hamburg

Die machtgeilen Götter des Gemetzels: Szenenfoto aus "Rom"

Das Licht geht an im Hamburger Thalia-Theater. Und wir sehen die Helden Roms in Unterhosen mit aufgenähten Pimmeln. Wie marmorne, antike Statuen sehen sie aus, übermenschlich - und doch sind sie nur Männer voller Begierden und widerstreitender Gefühle. Wie Götter thronen die Patrizier auf der Basisseite eines gigantischen, goldenen Dreiecks und sprechen zum Volk. Aber die Widersprüche erschüttern die Fundamente. Das Dreieck kippt und wird zur schiefen Ebene. Der Absturz beginnt. Ein hypnotischer, unheilschwangerer Soundtrack wummert dazu aus dem Off. Gänsehaut-Momente.

Aus drei Shakespeare-Stücken wird ein Panoptikum des Scheiterns

Drei Shakespeare-Stücke verwebt Regisseur Stefan Bachmann zu einem äußerst sehenswerten  Panoptikum des Scheiterns: "Coriolan", "Julius Cäsar" und "Antonius und Cleopatra". Die Handlung? Eine wilde Mischung aus Verrat, Krieg, Hass, Leidenschaft, Populismus und Verführung. Kurz: Politik. Die Bezüge zu heute sind überdeutlich: Herrscher, die das Volk verachten. Das Volk, das die Herrschenden allesamt für korrupt hält. Demokratie in Gefahr. Lügen, die als Wahrheit daherkommen, und Wahrheiten, die niemand hören will. Das Wort ist die Macht. Verführer und Lügner siegen. Wer die Worte beherrscht, hat die Macht.

Stefan Bachmann macht aus dem teils sperrigen Stoff der drei Stücke grandioses Theater. Gemeinsam mit seinen Autoren John von Düffel und Matthias Günther hat der Regisseur die Stücke auf das Wesentliche reduziert, sie geschickt gekoppelt und mischt dabei klug Dramatik mit Slapstick. So kommt in den zweieinhalb Stunden nie Langeweile auf. Bühnenbild und Kostüme sind ein Fest fürs Auge, die Schauspieler allesamt großartig.

Nichts zu meckern also? Doch: Warum auch die Frauenrollen ausschließlich von Männern dargestellt werden, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Auch wenn da etwa Pascal Houdus eine grandios-verführerische Cleopatra gibt – das Thalia hat genug tolle Frauen im Ensemble, die eine so starke und interessante Figur spielen können.

Themen in diesem Artikel

Das könnte sie auch interessieren