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Finanzamt droht: Hamburger Sportclubs dürfen keine reinen Männer- oder Frauenvereine mehr sein

Den Hamburger Sportvereinen stehen unruhige Wochen bevor. Das Finanzamt-Nord droht den Sportclubs mit Entzug des Status der Gemeinnützigkeit, falls sie ihre Satzung nicht ändern werden. Der Vorwurf: Diskriminierung des anderen Geschlechts.

Ein Ruderverein aus Hamburg trainiert auf dem Wasser

Geht es nach dem Finanzamt Hamburg-Nord, so sollen künftig Männer und Frauen künftig gemeinsam in den Ruderclubs aktiv sein.

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Für Sportvereine ist der Status der Gemeinnützigkeit elementar wichtig. Durch diesen Status erhalten die Vereine finanzielle und steuerrechtliche Privilegien, wie zum Beispiel das pachtfreie Nutzungsrecht städtischer Grundstücke, oder der Erhalt von Fördermitteln. Dinge, die die Existenz der Sportclubs sichern und auf die sie zweifelsfrei angewiesen sind. 

Das Finanzamt Hamburg-Nord will diesen Status allerdings auf den Prüfstand stellen. Wie das "Hamburger Abendblatt" in einem ausführlichen Artikel berichtet, seien Vertreter des Finanzamts auf Hamburger Rudervereine zugegangen und hätten ihnen erklärt, dass der Status der Gemeinnützigkeit stark angezweifelt wird und ihnen drastische Konsequenzen in Form eines Status-Entzugs drohen. Der Grund dafür: Die Diskriminierung des anderen Geschlechts. Um den gemeinnützigen Status weiterhin tragen zu dürfen, müssen die Vereine ihre Satzung ändern und jeweils dem anderen Geschlecht die Mitgliedschaft ermöglichen.

Hamburger Vereine bitten Politik um Hilfe

Stark betroffen ist unter anderem der Hamburger Ruderinnen-Club am Isebekkanal. Laut Finanzamt müsse der reine Frauenclub künftig auch männliche Mitglieder aufnehmen. Dafür muss die Satzung umgeschrieben werden. Passiert das nicht, fallen alle finanziellen Privilegien weg. Für den Verein aus Eppendorf wäre das höchstwahrscheinlich das finanzielle Aus. Dem Hamburger Abendblatt sagte die ehemalige Vorsitzende, Angela Braasch-Eggert: "Verlieren wir die Gemeinnützigkeit, müssen wir unseren Club wahrscheinlich schließen." Ändern würde sich danach wohl nichts, denn laut Verein habe "noch nie ein Mann einen Aufnahmeantrag gestellt."

Ob es zur Satzungsänderung kommen muss, werden die nächsten Wochen ergeben. Fest steht, dass sich drei Ruder-Clubs aus Hamburg, unter anderem der Frauenclub der Hamburger Ruderinnen in der Hamburger Politik nach Hilfe erkundigt haben. Sportstaatsrat Christoph Holstein kündigte an, nach Lösungen suchen zu wollen, dämpfte aber gleichzeitig die Erwartungen. Dem Hamburger Abendblatt sagte er: "Die Argumentation des Finanzamts ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Wir überlegen jetzt gemeinsam mit der Finanzbehörde, was man im Fall des Ruderinnenclubs tun kann."

RC Allemannia will sich dem Finanzamt beugen

Einer der ältesten Ruderclubs der Hansestadt, der Ruderclub Allemannia von 1866, debattiert intern bereits intensiv über die Satzungsänderung. Der Vorsitzende, Dirk Heinike, will den Status der Gemeinnützigkeit nicht gefährden: "Wir können es uns nicht leisten, die Gemeinnützigkeit zu verlieren, das kann uns unsere Existenz kosten. Dieses Risiko will ich nicht eingehen."

Ob die anderen Vereine den Forderungen des Finanzamts ebenfalls nachgeben werden, ist vorerst nicht abzusehen. Fest steht, dass die kommenden Wochen für die Hamburger Sportvereine wegweisend sein werden.

Quelle: Hamburger Abendblatt (Bezahlangebot)

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fk
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