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Freizeit: Balkan-Beats vom Hamburger Jung‘

Ulf Lindemann alias Dunkelbunt tourt um die Welt: Mit Balkan-Beats und Elektro-Swing war er in Tel Aviv, Moskau und Honolulu. Zur Datscha-Party in seiner Heimatstadt Hamburg kam das Publikum aber nicht gleich in Schwung.

Foto: Julia Wesely

Mit geschlossenen Augen sitzt Ulf »Dunkelbunt« Lindemann am Keyboard. Fast versteckt spielt er auf der großen Bühne, lächelt ab und zu, als wäre er tief in Gedanken. Auf dem Podest im hinteren Teil der Bühne fällt er fast nicht auf. Zuerst ziehen die vier anderen Musiker die Blicke auf sich: Dunkelbunt swingt und balkanbeatet an diesem Abend zusammen mit dem Berliner Hip-Hopper Alix, der Cellistin und Sängerin Marie Spaemann, dem Gitarristen und Sänger Florian Tavernier sowie Erhan Mamudoski für Klarinette und Saxophon.

Noch bevor Dunkelbunt auf die Bühne kommt, stimmt Marie Spaemann mit ihrer Soulstimme schnörkellos-schön-beschwingt in die Nacht ein. Als die Cellistin mit ihrem Singer-Songwriter-Projekt Mela gegen 22 Uhr beginnt, füllt sich das »Uebel & Gefährlich« allerdings noch. Ob es am Hamburger Schietwetter oder am Fahrstuhl liegt, mit dem die Besucher nur grüppchenweise in den Club gelangen – wer weiß. Schade auf jeden Fall.

Dunkelbunts Musik ist vielseitig: Balkanklänge, Reggae, Swing, HipHop – eine gelungene Mischung. Das Hamburger Publikum ist allerdings nicht sofort zu überzeugen. Dabei lässt Hip-Hopper und Rampensau Alix nichts unversucht, dem Publikum einzuheizen: Er tanzt in bester Balkan-Manier, animiert mit »Jump! Jump! Jump!«-Rufen und schwenkt die Arme in der Luft. Spätestens nach dem Sirtaki ist dann auch das Publikum in bester Balkan-Partystimmung. Einige fühlen sich sogar zum Crowdsurfing ermuntert.

»Vor 14 Jahren ging ich von Hamburg nach Wien. Dort wurde ich nicht nur zum Schlawiener, sondern lernte auch den Balkan kennen,« meldet sich Dunkelbunt in feinstem Hamburger Schnack zu Wort. Die neuen Einflüsse zeigten sich auch bald in seiner Arbeit: In seinem Studio begann er, elektronische Musik mit Balkanklängen zu mischen. Seitdem prägt er in verschiedenen Projekten unter anderem mit Parov Stelar und den 17 Hippies Balkan-Beats und Elektroswing.

Sein im März 2015 erschienenes Album »Mountain Jumper« ist das erste Mal überwiegend deutschsprachig, sonst ist Dunkelbunt eher multilingual unterwegs. »EGAL« besingt das Credo des Musikers: »Es ist egal, wo du herkommst und auch egal, wohin du gehst, solange du dem Weg deines Herzens folgst und dafür gerade stehst.« Mit der Ansage »Refugees Welcome« ordnet Alix den Song an diesem Abend auch eindeutig politisch ein. Und das Publikum fordert gleich zwei Zugaben – es bekommt sie auch. Am Ende des Konzerts tanzt selbst »Mr. Dunkelbunt he himself und Hamburger Jung«, wie Alix ihn verabschiedet, hinter seinem Keyboard.

Wer dunkelbunt dieses Jahr noch live hören möchte, hat dazu gleich mehrere Gelegenheiten:

12.11. Bremen (D) Lila Eule
13.11. Frankfurt / Oder (D) transVOCALE
14.11. Berlin (D) Lido
28.11. Wien (A) Grelle Forelle
02.12. Wien (A) Museumsquartier
04.12. Jena (D) Kassablanca
05.12. Leipzig (D) Elipamanoke
31.12. Vienna (A) Silvesterpfad