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Freizeit: Durchs Wochenende mit… Lena

Und, wie war dein Wochenende so? Jede Woche fotografiert ein NEON-Redakteur sein Wochenende mit dem Handy. Diesmal: Textredakteurin Lena Steeg.

Freitag

13 Uhr
Es gibt ungefähr 250 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Ich habe sie alle. Damit das Wochenende trotzdem eine Chance hat, gut zu werden, beginne ich bereits am Mittag, Migränetabletten zu essen und viel zu trinken. Am Ende des Arbeitstages sind es knapp 5 Liter. Wenn ich jetzt noch gute Gene hätte, wäre ich eine deutsche Schauspielerin. Die erzählen ja gerne, wie fantastisch man ausschauen kann, wenn man nur genug Wasser und ungesüßten Tee konsumiert. Ich sehe jetzt eigentlich nur schwanger aus. Beim Gehen gurgelt mein Bauch. Dafür sind die Kopfschmerzen weg.

18 Uhr

Ich


mich aus dem Büro und eile zur Bahn.

Muss mich sehr beeilen, denn ab 19 Uhr sind wir zu einem Konzert eingeladen. Auf der Bahrenfelder Trabrennbahn spielt Max Herre. Ich war noch nie dort, beschließe deshalb, mit den Öffentlichen nach Hause zu fahren, mich umzuziehen und dann das Auto zu nehmen. Ist schon häufiger vorgekommen, dass ich blöde Ideen hatte, aber diese toppt vieles. Um 19.40 Uhr parke ich meinen Wagen sehr, sehr weit vom Veranstaltungsgelände entfernt. Sinnvollerweise trage ich hohe, unbequeme Schuhe. Auf denen schaffe ich es gerade eben bis zum »Stadion Eck«, in dem ich entkräftet am Tresen zusammenbreche und die Barfrau bitte, mir ein Taxi zu rufen. Der Taxifahrer bekommt wahnsinnig schlechte Laune, als er hört, wohin ich möchte (in Auto-Entfernung ist es gar nicht mehr sooo weit). Er will sich jetzt auch nicht von mir fotografieren lassen. Wir sprechen die verbleibenden 1,5 Minuten nicht mehr miteinander.

19.55 Uhr
Kai wartet vor dem Stadion. Er ist mit seinem Motorrad gekommen, das ich Mofa nenne, was ihn wahnsinnig macht. Kai hat gute Laune, obwohl ich zu spät bin und sein Mofa Benzin verliert. Ich verspreche, dass ab jetzt alles noch viel wunderbarer wird und gehe zum Kassenhäuschen. Wie immer gibt es Probleme mit der Liste. Auf der Bühne ist man bereits bei Esperanto.

20.10 Uhr
Gut gelaunt und mit überhaupt nicht schmerzenden Füßen treffen wir auf dem Gelände ein. Sofort ist alles sehr toll. Die Musik. Die Dämmerung. Der Himmel. Die Menschen um uns herum nicht ganz so, aber das ist bei Konzerten ja normal.

21 Uhr
Wir legen unser Ohr auf die Schiene der Geschichte, jubeln fürAnna, tanzen für Philipp, springen für Samy. Dann bricht der Regen los. Kein feiner Festivalregen, den man lachend weghüpfen kann, eher so ein Monsun-Schauer, nach dem die Unterwäsche nass ist. Kai hat eine prima Idee. Wir flüchten ins Dixie-Klo, klemmen eine Mülltonne vor die Türe. Wenn Afrob rappt, ist Geruch egal.

22.30 Uhr
Das Backstage ist ein trauriger Ort: Kein Nutella mehr da. Kai belegt sich Toast mit Marmelade, ich mache heimliche Goupieaufnahmen von Megaloh und Afrob. Als einer von ihnen herüberkommt, nippe ich sehr lässig an meinem Früchtetee. Dann gehen wir lieber.

00.30 Uhr
Wer in Winterhude trinken möchte, kann dies in der Bar du Nord tun. Es ist nicht unbedingt zu empfehlen, aber Moscow Mule schmeckt hier ausgezeichnet. Von der Toilette können außerdem sentimentale Werbepostkarten mitgebracht werden. Das hebt die Stimmung zusätzlich.

2.00 Uhr
Mit den Holzstäben, die sie in die Drinks stecken, damit die Trinkenden während ihrer Gespräche Eis zerkleinern oder Gurken aufspießen können, lässt sich prima Micado spielen. Während ich verliere, erzählt Kai von einem befreundeten Paar, das bald Eltern wird. Wir reden über Liebe und kommen zu dem Ergebnis, dass der romantischste Satz überhaupt vielleicht dieser ist: »Wir ziehen das jetzt durch.«

3.30 Uhr
Sehr häufig der beste Anblick: Das eigene Bett.

3.45 Uhr
Letzte Gedanken machen sich um die Uhrzeit immer besser die anderen. Heute: Jörg Fauser.

Samstag

9.30 Uhr
Der Samstag beginnt so, wie er immer beginnen sollte: Nicht zu spät und mit einer Aufgabe. Ich gehe zum Friseur bei mir um die Ecke. Meiner Friseurin sage ich, dass ich Veränderung möchte, aber bitte so unauffällig wie möglich. Wir verstehen uns.

10.30 Uhr
Hat also alles sein Gutes.

11.30 Uhr
Eine Stunde später sehe ich fast genauso aus wie vorher. Meine Friseurin und ich streichen mir abwechselnd über die Haare und finden: »Dezent, aber sehr gelungen.«

Der Soundtrack dieses Wochenendes begleitet mich zum Einkaufen und auf der Suche nach einem Massagestudio. Im nahen Umkreis meiner Wohnung gibt es davon sechs. Heute haben sie entweder geschlossen oder ich fürchte mich ein bisschen vor dem Personal. Mein Rücken schmerzt wirklich sehr. Beschließe, mich mit einer Wärmflasche auf die Couch zu legen.

14 Uhr
Eine »Shopping Queen«-Kandidatin versteht sich als Hobbykünstlerin. Guido Maria Kretschmer guckt entsprechend.

14.20 Uhr
Ich erfahre, dass ich auch in den kommenden Jahren nicht Gefahr laufen werde, eine Post-Wedding-Depression zu bekommen. Große Erleichterung.

16.30 Uhr
Jetzt macht der Himmel Theater. Weil ich das Stück schon kenne und mich außerdem schlecht fühle, gehe ich ins Bett. Nur kurz. Mit gestelltem Wecker.

18 Uhr
In einer Stunde wollte ich in der Buchhandlung Christiansen sein, wo mein lieber Freund Benjamin aus seinem neuen Roman »Mitternachtsweg« liest. Mittlerweile habe ich aber Fieber und Schüttelfrost. Bleibe liegen und bin wirklich traurig.

Sonntag

8 Uhr
Nach etwa 14 Stunden Schlaf erwacht die eine Hälfte dieses Haushalts gewohnt gut gelaunt und voller Nächstenliebe.

Der anderen geht es eher so:

9 Uhr
Was immer hilft sind Worte und Wasser. Weil Erkältungsbadezusatz für meinen Geschmack nicht ausreichend schäumt, vermenge ich ihn notdürftig mit Handseife und Shampoo. Das sieht immer noch kläglich aus, riecht aber wenigstens nicht mehr nach Krankenhaus.

11 Uhr
Am Vormittag spiele ich Pofalla und erkläre den Sommer für beendet. Tausche daher meinen Schrankinhalt aus: Kleider gegen Winterpullis, schöne Schuhe gegen UGG-Boots. Bei der Übersicht der Kleiderberge (im Bild nur vier von zwölf Wanderdünen) wächst die Verwunderung, dass ich diesen Sommer überhaupt bekleidet das Haus verlassen habe. Absolut nichts zum Anziehen. Davon aber jede Menge.

12.16 Uhr
E-Mail von Papa. Sie haben im Garten jetzt einen Fahnenmast mit Hamburg-Flagge installiert. Ich finde das schön.

14 Uhr
Mittagessen ist fertig.

15 Uhr
Dazu schaue ich ein Youtube-Makeup-Tutorial und lerne den schönen Begriff »overblushed«. (Passiert, so die These, bei Cremerouge nicht so schnell wie bei Puderrouge).

16 Uhr
Am Nachmittag Freundin, Kaffee und Coco.

19 – 23.30 Uhr
Dann passiert lange nichts. Abends gibt es in der Schanze Wein und Erkenntnis.