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Freizeit Simulieren im Job

Freizeit: Simulieren im Job
Schon klar: Arbeit kann viel Spaß machen. Aber jeder hat mal Phasen, in denen der Job nervt. Das ist nicht schlimm solange man diese zwölf Tricks kennt, mit denen man eine gute Arbeitsperformance simulieren kann.

1. Der Schreibtisch ist eine Bühne
Viele Leute kommen sich im Büro ja vor wie Häftlinge. Dicke Mauern, kaltes Licht, und Frei gang hat man erst nach Feierabend. Dabei ist man innerhalb der Grenzen des Büros und der Festanstellung auf eigentümliche Art frei. Das verdanken wir dem Architekten Giorgio Vasari, der zwischen 1560 und 1580 in Florenz die berühmten Uffizien errichten ließ, in die di verse Ministerien und Ämter zogen. Sein revolutionäres Konzept: An einen langen Mittelflur reihten sich geschlossene Büroräume mit einem oder mehreren Arbeitsplätzen. Diese Flur-Zellen-Kombination ist auch heute noch die vorherrschende Büroform in Deutschland und die Lizenz zur Faulheit. Denn wer kann überhaupt kontrollieren, was du hinter deinem Schreibtisch wirklich machst? In seinem empfehlenswerten Buch »Das Dilbert-Prinzip« schreibt Scott Adams: »Als Arbeitnehmer brauchen Sie eine Überlebensstrategie. Sie müssen die Fähigkeit entwickeln, produktiv zu erscheinen, ohne tatsächlich Zeit und Energie dafür aufzuwenden.« Wer an einem leeren, aufgeräumten Schreibtisch sitzt, wird verdächtigt, nichts zu tun zu haben. Besser, Papierstapel, Leitz-Ordner und drei Wochen alte Asia-Lieferservice-Menüs türmen sich zu einem Mahnmal des Arbeitseifers auf. Hinter diesem Kunstwerk kannst du dann tun, was du willst. Tippe möglichst laut, damit deine Kollegen hören, wie fleißig du bist. Verstecke Comics in Fachliteratur-Umschlägen. Und mach um Himmels willen die Tür zu: Du musst dich ja konzentrieren.

2. Überleben dank Überstunden
Die wichtigste Regel lautet: Arbeitszeit schlägt Arbeitsleistung. Dein Vorgesetzter interessiert sich weniger für das Produkt, das du herstellst oft genug kennt er sich damit gar nicht aus , besteht aber darauf, dass du dir Mühe gibst. Und der Grad deiner Anstrengungen wird auch im 21. Jahrhundert noch nach den Stunden bemessen, die du im Büro verbringst. In keinem anderen europäischen Land machen Arbeitnehmer so viele Überstunden wie in Deutschland: im Schnitt drei pro Woche. Bleibe deshalb abends exakt eine Sekunde länger im Büro als dein Chef. Lass in deinem Zimmer nachts das Licht brennen und hänge eine Jacke über den Stuhl. So wirkt dein leeres Büro, als wärst du nur kurz am Kaffeeautomaten. Achte darauf, einmal die Woche vor allen deinen Kollegen im Büro zu sein, leg den Kopf auf den Tisch und lass dich vom eigentlichen Abteilungsstreber wecken. Murmle etwas wie: »Für eine halbe Stunde hat es sich nicht mehr gelohnt, nach Hause zu fahren.« In der Kantine wird man dich als Superhelden feiern.

3. Richtig falsch verbunden
Du willst den Eindruck erwecken, du hättest verzweifelt versucht, deinen Chef zu sprechen? Wer zwischen Vorwahl und persönlicher Handynummer eine bestimmte Ziffernfolge wählt, landet automatisch auf der Mailbox des Angerufenen (je nach Anbieter unterschiedlich: Bei T-Mobile ist es die »13«, bei Vodafone die »50«). Hinterlasse dort enttäuschte, motivierte Monologe (»Hab dich leider nicht erreicht, wir müssen jetzt echt hinnemachen«). Geh nicht ans Handy, wenn dein Chef zurückruft.

4. Sei ein Gangster
Vermeide es, mit leeren Händen in den Bürogängen gesehen zu werden. In dem Buch »Das Dilbert-Prinzip« schreibt Scott Adams: »Leute mit Unterlagen in der Hand machen den Eindruck hart arbeitender Angestellter, die gerade auf dem Weg zu einer wichtigen Besprechung sind. Wer nichts in der Hand hat, sieht aus, als sei er auf dem Weg zur Cafeteria. Leute mit einer Zeitung in der Hand sehen aus, als seien sie auf dem Weg zur Toilette.«

5. Der Computer ist dein Freund
Dass Computer unsere Arbeitsleistung überwachen würden, ist Unsinn. Tatsächlich können wir uns per Computer jeglicher analogen und digitalen Kontrolle entziehen. In den USA finden siebzig Prozent aller Pornodownloads zu den üblichen Arbeitszeiten statt. Drehe also deinen Bildschirm weg von der Tür »bessere Lichtverhältnisse«. Mach einen Screenshot, wenn dein Computer eine große Datei entpackt und den Fortschrittsbalken anzeigt. Verwende das Foto dann als Bildschirmschoner. Wer während deiner Abwesenheit zufällig auf den Monitor blickt, wird denken, du vertrittst dir nur kurz die Beine, während der Computer eine komplexe Berechnung durchführt. Mithilfe vieler Mailprogramme oder einer passenden App lassen sich arbeitsrelevante SMS oder E-Mails zeitverzögert absenden. So kannst du mühelos den Eindruck vermitteln, dich auch noch spätabends oder frühmorgens um deinen Job zu kümmern.

6. Süße Seminare
Firmeninterne Weiterbildungen sind eine Win-win-win-Situation. Dein Chef glaubt, er investiere ins Humankapital. Der Coach verdient viel Geld. Und du machst drei Tage Urlaub in einem Hotel auf Sylt, ohne einen Finger oder eine Synapsenverbindung zu bewegen. Keine Angst! Das fliegt nicht auf. Im Grunde weiß jeder, dass man auf Fortbildungen überhaupt nichts lernt. Die Lüge wird aber nie enttarnt dafür ist sie für alle Beteiligten einfach viel zu praktisch.

7. Meet < Greet
Ein durchschnittlicher Angestellter nimmt an 62 bis 65 Meetings pro Monat teil und findet die Hälfte davon unnötig das hat eine Studie des Softwareherstellers Atlassian ergeben, der diverse Umfragen zum Thema Zeitmanagement ausgewertet hat. Dein Vorgesetzter glaubt, er könne in Konferenzen überprüfen, ob die Mitarbeiter auch ihren Job machen. Was für ein wunderbarer Irrtum. Wer konferiert, arbeitet ja gerade nicht und erhält außerdem die Chance, vergangene und zukünftige Faulheit auf unterschiedlichste Art und Weise zu kaschieren und zu organisieren. Komm grundsätzlich zu spät ins Meeting, entschuldige dich nicht, sondern sage: »Ich habe nur wenig Zeit fangen wir doch gleich an.« Stelle vermeintlich unbequeme Fragen (»Hatten wir die Idee nicht genau so schon einmal?«, »Denken wir radikal genug?«) und plädiere für mehr Mut zum Mut und zum »Out of the Box«-Denken. Wenn dein Chef das Wort ergreift, solltest du zunächst kritisch-konzentriert dreinschauen. Doch je länger der Vortrag dauert, desto heftiger wird dein Kopfnicken und desto energischer kratzt dein Stift über den Notizblock. Ergreife im Anschluss sofort das Wort und erfreue deinen Chef mit einem Eins-zu-eins-Remix seiner eigenen Ansichten. Wichtig: Führungskräfte wollen nicht wirklich wissen, wie es um ein Projekt steht, sie wollen sich nur keine Sorgen machen müssen. Aus diesem Grund nehmen sie noch das dreisteste Souveränitätsgehabe unkritisch und freudestrahlend hin. Auch wichtig: Melde dich nie freiwillig für ein Projekt, bei dem wirklich handfeste Ergebnisse erwartet werden. Überarbeite stattdessen die Corporate-Responsibility-Charta. In ihrem tollen Buch »Die Entdeckung der Faulheit« schreibt die Französin Corinne Maier über die Konferenzkommunikation: »Der Chef verkündet eine schwammige Ansicht, alle äußern vage ihre Meinung oder diskutieren über Nebensächlichkeiten (…). Das Entscheidende ist der Wille, den Gruppenzusammenhalt nicht infrage zu stellen. Das ultra-softe Universum des Unternehmens ist kein Ort, an dem Klartext geredet wird (…).«

8. Der Look der Leistung
Wer viel arbeitet, kann nicht viel schlafen und ist auch wenig an der frischen Luft. Kultiviere deshalb einen blassen Teint und gewöhne dir einen hektischen Tic an (aufgerissene Augen, zitternde Augenbrauen). Und es hilft auch, eine Packung mit Beruhigungsmitteln oder ein Sachbuch zum Thema »Arbeitssucht« auf dem Schreibtisch herumliegen zu lassen.

9. Geschäft: Essen
Du solltest vor dem Menschen niederknien, der vor langer Zeit die Behauptung in die Welt setzte, man könne schwierige Dinge am besten bei einem guten Essen besprechen. Tatsächlich ist der Business-Lunch natürlich nur erfunden worden, um sich für zwei Stunden aus der Firma zu stehlen (und über die Spesenabrechnung die Steuerlast des Unternehmens zu drücken). Angenehmer Nebeneffekt: Der Kollege oder Kunde, mit dem man sich beim Edelitaliener trifft, bekommt ebenfalls eine Auszeit.

10. Nutze den Information-Overkill
Vielleicht ist schon alles gesagt worden, ganz vielleicht sogar von jedem aber hat es auch jemand aufgeschrieben? Laut einer Studie des amerikanischen Marktforschungsunternehmens The Radicati Group liest du als durchschnittlicher Angestellter jeden Tag 78 geschäftliche E-Mails. Wobei sich natürlich niemand diese 78 Texte wirklich durchliest, zumindest nicht bis zum Ende. Je länger also die E-Mails sind, die du komponierst, desto geringer das Risiko, dass sie irgendwer konzentriert konsumiert und desto größer der Prestigegewinn, den sie dir verschaffen. Wichtig ist, eine engagiert wirkende Betreffzeile zu formulieren (»Zwischenbericht: Effizienz- und Kostenmaßnahme«) und möglichst viele Leute in CC zu setzen. Ansonsten kannst du bedenkenlos Wikipedia-Artikel in die Mail kopieren oder die Copy-Paste-Tastenkombination nutzen, um das Textvolumen zu maximieren. Rechtschreibfehler wirken eher professionell, weil sie zeigen, dass du unter Zeitdruck stehst. Verfasse vor jedem Superkurzurlaub ellenlange Übergabeberichte, in denen jedes Projekt aufgeführt wird, das du jemals in deinem Leben angefangen oder auch nur angedacht hast. Wobei du natürlich keinen Urlaub machst, sondern dich fortbildest oder den Akku auflädst.

11. Die Ego-Mail
Lass dir ab und zu von einem Kurier einen dicken Briefumschlag an den Arbeitsplatz liefern! Im digitalen Zeitalter sorgt analoge Post für Aufsehen. Öffne hastig den Brief, schüttle den Kopf und sag: »Mannmannmann …«

12. Nach oben fallen!
Wenn du alle hier aufgeführten Tipps befolgst und zu einem professionellen Arbeitssimulanten wirst, droht dir nicht der Rauswurf, sondern eher eine Beförderung. Nur keine Angst. Oben auf der Karriereleiter kann man sich noch viel besser ausruhen. Führungskräfte verbringen schließlich bis zu neunzig Prozent ihrer Arbeitszeit in Meetings. Und was da gemacht wird, weißt du ja schon. Der englische Mediziner Michael Marmot hat außerdem nachgewiesen, dass der Arbeitsstress sinkt, je weiter man aufsteigt. Viel Erfolg!