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Youtuberin und Dubliner Hotelier: "Kindergarten": Das hält eine erfahrene Bloggerin vom Influencer-Streit

Seit einigen Tagen liegen Elle Darby und Paul Stenson vom White Moose Café im Clinch. NEON hat eine erfahrene Influencerin gefragt, was da wirklich los ist.

Influencer-Streit: Elle Darby und Paul Stenson vom White Moose Café haben Clinch

Sie schreibt ihm, er schreibt über sie, sie antwortet, er macht T-Shirts – Paul Stenson (M.) und Influencerin Elle Darby liegen im Clinch

Elle Darby ist zur Zeit die wahrscheinlich meistdiskutierte Influencerin der Welt. Die Britin schickte eine Anfrage an ein Hotel in Dublin: Sie wollte – umsonst – im White Moose Café unterkommen, um dort ein langes Valentinswochenende mit ihrem Freund zu verbringen. Im Gegenzug bot sie an, auf ihren Social-Media-Kanälen Werbung für das Hotel zu machen. Paul Stenson vom White Moose Café fand das überhaupt nicht witzig, veröffentlichte ihre Nachricht und zog sie ordentlich durch den Kakao. Inzwischen hat Elle in einem Video auf Stensons Aktion geantwortet. Stenson hingegen hat T-Shirts drucken lassen, auf denen steht: "Ich wollte beim White Moose Café was umsonst haben und alles, was ich bekam, ist dieses lausige T-Shirt".

Das sagt eine erfahrene Influencerin

So richtig weiß man nicht, auf wessen Seite man jetzt stehen soll. Beides ist irgendwie befremdlich. Um ein bisschen Licht ins Influencer-Dickicht zu bringen, hat NEON mal eine Expertin gefragt. Eileen von "Ein Zimmer voller Bilder" bloggt seit acht Jahren, betreibt das anfängliche Hobby seit drei Jahren hauptberuflich und erstellt jeden Monat für die unterschiedlichsten Firmen Content in Wort und Schrift.

NEON: Mal von vorne angefangen – ist es normal, einfach so eine Anfrage für Gratis-Übernachtungen an ein Hotel zu stellen?

Eileen: Ist es tatsächlich. Der Markt ist riesig und viele – gerade jüngere – Menschen schauen bei der Suche nach einer Unterkunft erst einmal, was Instagram und Reise-Blogs so zu sagen haben. Ich bekomme oft Anfragen von Hotels, die mir Übernachtungen im Austausch für Fotos und Content anbieten. Und wenn ich eine Reise plane, frage ich auch mal an, ob Hotels Lust auf eine Kooperation haben. Manchmal sagen sie ja, manchmal frage ich höflich an und sie sagen höflich ab.

Das heißt, Ellen hat eigentlich alles nach Etikette gemacht?

Nein. Sie hat sich leider komplett falsch ausgedrückt. Man bietet eine Geschäftsbeziehung an, da ist ein "Sehr geehrte Damen und Herren" durchaus angebracht. Im Grunde genommen ist es wie eine Presseanfrage. Da gehört rein, was genau du anbietest und was genau es dem anderen bringen kann. "Ich will mir ein nettes Wochenende mit meinem Freund machen" ist leider sehr unprofessionell. Aber sie ist auch noch sehr jung, das spielt mit Sicherheit eine Rolle.

Kannst du Paul Stenson verstehen? 

Schon. Er bekommt mit Sicherheit jede Woche viele Anfragen. Wenn das nicht sein Stil ist und er darauf keine Lust hat, ist das absolut in Ordnung. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist seine Reaktion. Er kann die E-Mail löschen und nie wieder an sie denken. Oder höflich ablehnen. Stattdessen stellt er ein junges Mädchen öffentlich bloß und schlägt jetzt einen riesigen Profit aus der Sache, lässt sich Merchandise-Artikel drucken etc. – auf ihre Kosten. Das ist Kindergarten-Niveau.

Meinst du, dass solche Fälle eurer Branche schaden können?

Absolut. Und das ist schade, weil es nicht repräsentativ ist. Eine junge Bloggerin hat sich ungeschickt angestellt und auf einmal gibt es diese völlig überspitzte Debatte. Ein gut aufgestellter Influencer kann eine One-Man-PR-Maschine sein. Eine Bekannte von mir hat vor Kurzem ein Hotel auf ihrem Kanal empfohlen und 24 Stunden später hatten sieben Leute über ihren Link einen Aufenthalt gebucht. Wenn es vernünftig gemacht ist, kann Influencer-Marketing sehr erfolgreich sein. Natürlich gibt es die, die schnorren und der Branche schaden. Aber es gibt auch die, die wirklich Arbeit reinstecken.

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