Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
heute wird der Bundestag sehr wahrscheinlich mit den Stimmen der Koalition die Regeln für das Bürgergeld verschärfen. Ich empfand die riesige Aufregung über die Empfänger dieser Sozialleistung immer als etwas unangenehm. Schließlich leben wir in einem Land, in dem sich die arbeitende Bevölkerung den Luxus eines staatlichen Einkommensausgleichs während der Elternzeit leistet. Und ja, es gibt Missbrauch, aber tatsächlich nur sehr, sehr wenig.
Wichtig war der Union dabei, auch gleich den Namen „Bürgergeld“ loszuwerden, das klang zu sehr danach, als müsse man nicht arbeiten, wenn man nicht wolle. (Und war, ehrlich gesagt, auch ein wenig so gemeint.) Die SPD hatte mit dem Wort aber vor allem den Begriff „Hartz IV“ loswerden wollen, der an eine schmerzhafte Reform erinnerte, die viele SPD-Wähler ihrer Partei nie verziehen haben. Nun also heißt die Leistung „Grundsicherungsgeld“. Mal sehen, wie lange das hält.
Mein Kollege Julius Betschka hat hier die wichtigsten Änderungen zusammengefasst:
Auch der Wolf muss weg
Zusammen mit dem Bürgergeld räumt die Koalition noch ein weiteres Thema ab, das ihr in Wahlkämpfen gegen die AfD geschadet hat: den Wolf. Er soll künftig leichter geschossen werden können. Fünf Wahlen stehen dieses Jahr an, Sonntag bereits in Baden-Württemberg, im September auch zwei im Osten des Landes, wo die AfD in Umfragen weit vorne steht.
Erfolgreich Wahlkampf führen, das wird gerade in diesen Zeiten wieder einmal schwer für die Regierungsparteien. Früher rückte das Land in Krisenzeiten zusammen. Heute scheint diese Regel nicht mehr zu gelten, ganz im Gegenteil.
Falsche Idylle: Das Dubai-Bild deutscher Influencer bröckelt
Seit Jahren malen deutsche Influencer das „Paradies“ Dubai in den schönsten Farben aus – und verdienen daran prächtig. Action, Erholung – in Dubai, das suggerieren die schönen Bilder auf Instagram, Tiktok und Youtube, ist alles möglich. Hier können Urlauber in Sicherheit jeden Luxus ausleben.
Auch jetzt noch, fünf Tage nach Ausbruch des Krieges – bei Beschuss aus dem Iran und gesperrtem Luftraum – ist wenig von den neuen Beschwernissen zu vernehmen. Kein Wunder: Wer als Influencer in Dubai arbeitet, braucht eine staatliche Lizenz – und das Regime reagiert nicht gut auf Kritik:
Dabei lässt sich auch hier wieder einmal der Unterschied zwischen Arm und Reich illustrieren, denn die Reichen können die Golfregion durchaus verlassen, mit dem Privatjet.
In Dubai arbeiten übrigens auch Tausende Expats aus Deutschland in seriösen Jobs. Wie es ihnen gerade ergeht, beschreibt Miriam Maronna in ihrem lesenswerten Beitrag:
5-Minuten-Talk: Hat Merz die Europäer verraten?
In Europa gibt es mal wieder schlechte Stimmung. Denn bei seinem Besuch im Oval Office ließ Friedrich Merz einen Ausbruch des US-Präsidenten unkommentiert stehen: Donald Trump schimpfte über Spanien und Großbritannien, weil beide zögerten, US-Flugzeuge auf dem Weg in den Nahen Osten landen zu lassen.
Jetzt ist man dort sauer. Hätte der Kanzler die angegriffenen Länder besser verteidigen müssen? Oder argumentiert Spanien allzu hysterisch? Meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz diskutieren den innereuropäischen Zwist, wie immer in fünf Minuten, wir haben ja nicht ewig Zeit.
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Donnerstag, dem 5. März 2026
- Gegen 7 Uhr 22 wird in Frankfurt der erste Evakuierungsflug der Bundesregierung aus der Golfregion erwartet.
- Der Bundestag entscheidet außer übers Bürgergeld auch darüber, ob der Wolf künftig als jagdbare Tierart eingestuft wird.
- Nach der Messerattacke auf einen Touristen am Holocaust-Mahnmal in Berlin will das Kammergericht der Stadt heute Früh sein Urteil sprechen.
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Ich habe zwei Freundinnen, die nicht rechtzeitig den passenden Partner gefunden haben – und dann mit dem richtigen ungewollt kinderlos blieben. Und ich habe Freunde, die noch jenseits der 40 Väter wurden. Das ist ziemlich ungerecht.
Inzwischen können Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen. Ist das nun ein Segen? Oder vielleicht doch ein Fluch? Wie bei allen wissenschaftlichen Durchbrüchen dieser Art, ist die Skepsis erst einmal groß. Setzt das Verfahren, „Social Freezing“ genannt, Frauen nicht zusätzlich unter Druck, beruflich unbegrenzt verfügbar zu sein? Auch ist es nicht ganz billig: Unter 10.000 Euro ist die hinausgezögerte Schwangerschaft nicht zu haben. Meine Kollegin Katja Lewina sieht in der Methode trotzdem ein gewaltiges Potential:
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Matthias Urbach