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Das einzig wahre "Insta-Detox": Ich bin 25, eine Frau und kann Instagram einfach nicht mehr ertragen

Mein Haus, mein Body, mein Make-up, mein supergeiles Leben. Typisch Instagram. Unsere Autorin hat keinen Bock mehr auf Selbstdarstellung, perfekte Inszenierungen und Fitnessstudio-Selfies. Die Geschichte eines Abschieds.

Eine junge Frau hält sich zwei Finger an den Kopf, aus dem Glitzer und kleine Instagram-Logos schießen

Frustriert durch Instagram? Unsere Autorin hat keine Lust mehr darauf und löscht die App von ihrem Smartphone.

Es schleicht sich ganz langsam in mein Leben. Am Anfang sind es nur hin und wieder Bilder von Outfits und Frisuren zur Inspiration. Am Ende sehne ich mich, egal, wie spannend der Film ist, nach der nächsten Werbepause, damit ich mir die neuesten "Insta-Stories" ansehen kann. Mit Ton. Während mein genervter Freund neben mir sitzt.

Hallo, mein Name ist Denise, und ich bin süchtig nach .

Ich lade zwar selbst recht wenig hoch, schaue mir dafür aber oft stundenlang Fotos anderer Menschen an, vornehmlich fremden. Warum? Zum Zeitvertreib - dachte ich. Bis mir auffällt, dass mich das Anschauen der Leben anderer eher betrübt als inspiriert.

Mein Hobby: Herzchen auf Instagram verteilen

Nach dem Aufwachen, in der Mittagspause, auf dem Weg nach Hause, vor dem Schlafengehen – ständig starre ich in mein Smartphone und verteile Herzchen an Freunde, aber auch an wildfremde Menschen. Ich schaue mir an, wie sie im Fitnessstudio schwitzen, während ich mit einer Tüte Chips auf der Couch hocke. Und fühle mich schlecht dabei.

Ich bin 25 und lasse mich allen Ernstes von einer App beeinflussen. Und das, obwohl ich genau weiß, dass auf Instagram so gut wie alles "fake" ist. Es klingt wirklich peinlich. Aber wenn man anfängt, sich selbst nicht mehr zu mögen, weil man nicht aussieht wie jemand anderes. Wenn man an seinen Fähigkeiten zweifelt, weil andere scheinbar mehr erreicht haben. Wenn man enttäuscht ist, dass man zu wenig "Likes" bekommt. Dann sollte man vielleicht etwas ändern.

Also habe ich beschlossen, die App einfach zu löschen. Ein kurzer Klick auf das Kreuzchen und ich bin frei. Oder?

Liebeskummer?

Am ersten Tag der Trennung liege ich abends auf dem Sofa, als mir auffällt, dass ich noch 93 Prozent Akku habe, obwohl ich mein seit dem frühen Morgen nicht mehr geladen habe. Und auch am nächsten Mittag liegt mein Akku immer noch bei über 68 Prozent - ohne zwischenzeitlichem Aufladen. Ich bin erstaunt, dass Instagram scheinbar der schlimmsten Akku-Fresser auf meinem Smartphone war.

Die nächsten Tage habe ich - außer dem anfänglichen Phantom-Aufs-Smartphone-Schauen um festzustellen, dass die App nicht mehr da ist - kaum Entzugserscheinungen. Dafür habe ich morgens jetzt mehr Zeit. Was ich wohl für lustige Insta-Stories und Fotos verpasse?

Am fünften Tag fange ich langsam an, die Zeit, die ich nun morgens mehr habe, sinnvoll zu nutzen. Ich merke, wie sich die Gewohnheit, bei Langeweile aufs Handy zu schauen, langsam in Luft auflöst. Und wie absurd dieses ganze Instagram-Ding eigentlich ist.

Nach einer Woche denke ich kaum noch daran. Das ging schneller als gedacht. Was mir wirklich auffällt, ist, dass ich mein Smartphone nur noch alle drei Tage aufladen muss. Damit habe ich nicht gerechnet.

Härtetest: Urlaub

Es klingt total beknackt, aber es ist irgendwie befreiend, durch die Gegend zu laufen, ohne Ausschau nach dem nächsten perfekten Foto für Instagram zu halten. Da ich mir keine super-tollen Bilder mehr von Freunden oder Unbekannten anschaue, habe ich selbst auch gar kein Bedürfnis mehr "mitzuhalten".

Verpassen tue ich durch meine Abstinenz scheinbar auch nichts. Bis jetzt hat mich noch niemand gefragt: "WAAAAS? Das hast du nicht mitbekommen?! War doch auf Instagram!" Also, alle Ängste waren umsonst.

Einen Monat nach der Trennung der Härtetest: Urlaub. Gran Canaria bietet zwar massenhaft Instagram-taugliche Motive, doch oft entscheide ich mich einfach dazu, den Moment zu genießen. Ohne dabei den Sonnenuntergang durch mein Handydisplay zu betrachten. Klar mache ich trotzdem einige Fotos, aber im Gegensatz zu früher nur fürs Fotoalbum (oder um bei den Freunden bei WhatsApp auch mal ein bisschen mit Urlaubsbildern prahlen zu können, ich geb's ja zu). Nach zwei Wochen auf der Insel habe ich keine 2000 Bilder von dem gleichen Motiv, die meinen Speicher vollstopfen, und komme vollkommen entspannt nach Hause.

Mein Fazit

Drei Monaten ohne Instagram und es geht mir fantastisch! Ich bin entspannter, zufriedener und habe mehr Zeit. Die Welt ohne ständige Selbstdarstellung scheint eine einfachere zu sein.

Ob ich die App irgendwann einmal wieder aufs Handy lade? Vielleicht. Aber momentan bin ich froh, so wie es ist. Meine neugewonnene Zeit wird zwar hauptsächlich in Netflix-Marathons investiert, aber man kann ja nicht alle Süchte gleichzeitig bezwingen …

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