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Instagram-Post: Für dieses Bild erhielt eine Influencerin Morddrohungen

Die Welt der Influencer ist perfekt und vielleicht gerade deshalb manchmal so absurd. Bloggerin Scarlett London bekam für einen Werbepost auf Instagram die volle Häme der Hater im Netz ab.

Scarlett London

Sieht so ein perfekter Morgen aus? Vielleicht. Sieht so ein normaler Morgen aus? Sicher nicht.

Die meisten von uns machen beim Frühstück noch keine vorzeigbare Figur. Ungeduscht, verschlafen und kaum ansprechbar starten sie in den Tag – und das ist ja auch normal so. Bei Scarlett London aus London scheint das anders zu sein, jedenfalls erweckt ihr Instagram-Profil diesen Eindruck.

Dort teilte die Bloggerin und erfolgreiche Influencerin kürzlich ein Bild, das sie inmitten einer perfekten Morgenidylle zeigt. Herzluftballons neben dem Bett, Pancakes mit Erdbeeren und ein "Good Morning"-Motivationsschild sollen anscheinend dafür sorgen, dass der Tag nur gut werden kann. Und eine Mundspülung, die scheinbar unauffällig, aber sorgsam platziert im Hintergrund auf dem Nachttisch steht.

Influencer-Werbung auf Instagram: ein Morgen aus dem Bilderbuch

Dieses Mundwasser ist der eigentliche Star des Posts, denn es handelt sich um Werbung. Scarlett London hat fast 50.000 Follower auf Instagram, die sie in dem Netzwerk nicht nur mit Bildern von ihren Reisen, sondern eben auch mit Werbebeiträgen versorgt. Dabei integriert sie die Produkte in die Szenerie, macht dies aber auch im Text des Postings deutlich.

An ihrem Mundwasser-Werbepost entzündete sich aber der Ärger vieler Nutzer im Internet. Unter dem Beitrag hagelte es hämische, teils sogar beleidigende Kommentare, auch auf Twitter wurde die Influencerin niedergemacht. 

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In the last 48 hours, grown men & women, MP’s, women’s equality representatives, journalists, actresses and broadcasters have discovered my Instagram feed and decided to pick it apart online, in front of thousands. Each time I refresh my page, hundreds of new nasty messages pour onto my Instagram, Twitter and YouTube, some of which have contained malicious death threats. There are now hundreds of thousands of tweets circling the internet, shaming me. I implore those mindlessly sharing this content to research who I am as a person, before they further drag my name and image through the mud. Yes, I do adverts on here, but only with brands I genuinely use and would spend money on myself. My feed isn’t a place of reality (let’s talk about Exhibit A - above - I mean who spends their time in such a beautiful city, perched on a ledge, ice-cream in hand and smile permanently affixed to her face, it’s staged guys). Sometimes my photos are whimsical and OTT and a little too pink, but I’m not presenting this as an ‘idealistic’ version of life that young girls should aspire to. Those who follow me will know my reality. I try to raise awareness for the digestive condition I suffer from, the same condition that years ago threatened me graduating from university. My Instagram has been an outlet to show you can be positive and have fun with life, despite this condition. I personally don’t think my content is harmful to young girls but I do agree Instagram can present a false expectation for people to live up to. And I am wholeheartedly sorry if I’ve ever made anyone feel inadequate through my content. My life mission is quite the opposite. I am a strong 24-year-old woman who has experienced bullying in the past. I am and will be okay after this hideous experience. But another young girl or guy as the subject of a targeted hate campaign might not be okay. Please remember at the centre of of every viral storm is a human being. ❤️

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"Jedes Mal, wenn ich die Seite aktualisiert habe, tauchten hunderte neue, böse Nachrichten auf Instagram, Twitter und Youtube auf", schrieb sie zwei Tage nach ihrem Frühstückspost. "Im Internet kursieren hunderte Tweets, in denen ich beschimpft werde."

Shitstorm gegen Bloggerin Scarlett London

Kommentare wie "Das ist auf so vielen Ebenen lächerlich. Alles an diesem Bild ist fake" gehörten da noch zu den harmloseren. Sogar eine britische Politikerin twitterte: "Eigentlich hat sie Mundgeruch, deshalb ist sie allein." Viele Nachrichten, die sie bekommen habe, hätten sich darauf bezogen, dass sie eine Gefahr für junge Mädchen sei, erzählte London der "Daily Mail". Sogar Morddrohungen bekam die 24-Jährige nach eigenen Angaben.

Der Twitterer, der mit seinem Tweet den ganzen Shitstorm auslöste, hatte sich vor allem an der Inszenierung gestört, die Scarlett London in ihrem Post zeigt: "Hau ab, so sieht für niemanden ein normaler Morgen aus. Instagram ist eine lächerliche Lügenfabrik, durch die wir uns alle nur schlecht fühlen sollen." 

Das allerdings ist seit jeher das Prinzip von Werbung: eine Scheinwelt zu präsentieren, die gerade durch das beworbene Produkt perfekt wird – um dem Konsumenten zu suggerieren, was ihm in seinem Durchschnittsleben vermeintlich fehlt. Im Fernsehen fällt uns das kaum noch auf, in sozialen Netzwerken und im Influencer-Marketing haben sich viele User noch nicht daran gewöhnt.

So sieht es auch Scarlett London, die in ihrem Folgepost noch einmal ausführlich auf das Influencer-Phänomen einging: "Mein Account zeigt nicht die Realität. Es ist gestellt." Es sei nie ihr Ziel gewesen, ihren Followern ein schlechtes Gefühl über sich selbst und ihr Leben zu vermitteln. Und sie hat eine kleine Mahnung an alle Hater: "Bitte denkt daran, dass in der Mitte jedes Shitstorms ein Mensch steht."

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