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Schön, aber strohig?: 5 Dinge, die du bedenken musst, wenn du Lust auf hellblonde Haare hast

Dass blonde Haare ziemlich cool aussehen können, wissen wir seit Debbie Harry und Gwen Stefani. Welche Probleme und wie viel Arbeit man als nicht ganz echte Blondine so hat, erzählt einem aber meist niemand, bevor man diese schwerwiegende Entscheidung trifft.

Ein blondes Mädchen in einem Feld aus Sonnenblumen

Blonde Haare können ziemlich cool aussehen – bringen aber auch Nachteile mit sich.

Unsplash

Ich laufe seit mehr oder weniger elf Jahren mit blondierten Haaren durch die Welt. Weil ich meine eigentlich dunkelblonden Haare strunzenlangweilig finde und mir keine andere Farbe steht. Ich habe es probiert, wirklich – rot, braun, sogar schwarz (anderthalb Tage lang). Sah alles nicht aus. Blond hingegen passt zu mir, und ich passe zu Blond. Das ist einerseits schön, bringt andererseits aber auch ein paar Nachteile und etwas Arbeit mit sich. Das solltet ihr vielleicht wissen. Hier meine höchstpersönichen, subjektiven und ganz sicher von keinem Friseur abgesegneten Tipps für alle potenziellen Neu-Blondinen!

1. Deine Haare werden nicht mehr dieselben sein

In der Dusche gibst du einen Spritzer Shampoo in dein Haar, spülst es aus, bürstest hinterher einmal durch – und fertig? Dann herzlichen Glückwunsch zu deiner unkomplizierten Mähne. Das hat sich aber definitiv gegessen, wenn du dich für eine Blondierung entscheidest. Das ist eine Tatsache, derer du dir vor diesem Schritt bewusst sein solltest. Außerdem: Lange blonde Haare, das geht eine gewisse Zeit lang. Aber vermutlich nicht auf Dauer. Die Spitzen und Längen werden einfach zu trocken und sehen schnell kaputt und stumpf aus. Wobei es ja gelegentlich glückselige Ausnahmen gibt – ich gehöre nicht dazu. Denk' also mal über einen Bob oder andere nette Kurzhaarfrisuren nach.

Zusammengefasst: Aus deinen entspannten, unstressigen Strähnen werden trockene, bedürftige Strohballen. Ohne mindestens eine Handvoll Spülung kommst du aus dem Badezimmer nicht mehr raus. Aus Pflege wird Schadensbegrenzung. Klingt schlimm, ist irgendwie auch ein bisschen schlimm, findet auch jeder Friseur schlimm. Mit der richtigen Technik kann man es trotzdem hinbekommen, dass die Haare gesund aussehen. Ja, mit aussehen geben wir uns zufrieden. Gesund sein werden deine Haare so bald nicht wieder.

2. Du musst gegen das Gelb kämpfen

Je blonder, desto besser, oder? Niemand will eine orangegelbe Wattewolke auf dem Kopf, wie man sie aus den RTL2-Reality-Shows kennt, am besten noch mit handbreitem dunklen Ansatz. Allerdings erzählt einem niemand, wie schwer es ist, ein klares, helles Blond zu behalten.

Alle zusammen: Gelb ist nicht gut, wir wollen kein Gelb auf dem Kopf!

Alle zusammen: Gelb ist nicht gut, wir wollen kein Gelb auf dem Kopf!

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Das hat folgenden Grund: Bei einer Blondierung werden deinem Haar die dunklen Farbpigmente entzogen. Die einzigen Pigmente, die übrig bleiben, sind zugleich die hartnäckigsten: Die roten Pigmente. Die bekommt man einfach nicht ganz raus, deshalb werden sie von deinem Friseur mit einer entsprechenden Abmattierung möglichst gut "neutralisiert". Gegenmittel gegen den unliebsamen Gelbstich ist zum Beispiel Blau – denn Blau ist die Komplementärfarbe zu Orange (wisst ihr, wenn ihr im Kunstunterricht aufgepasst habt). Auch Abmattierungen in Violett oder rosastichigem Champagnerblond funktionieren.

Das Problem: Durch die Blondierung öffnet sich die Schuppenschicht deiner Haare. Deshalb "fallen" die Blau- oder Violettpigmente relativ bald wieder heraus, wie der Friseur sagt. Übersetzt: Ein paar Mal Haare waschen, und die hübsche Abmattierung ist weg, übrig bleibt – Gelb. Das heißt, dass ein Friseurbesuch alle paar Wochen nicht reicht, um ein schönes Blond zu behalten. Du musst selbst aktiv werden.

Du kannst etwa einmal wöchentlich ein intensives Silbershampoo benutzen, das du ein paar Minuten einwirken lässt. Du könntest dein Glück mit den bekannten Drogeriemarken versuchen – Guhl, Swiss-o-Par, Balea – aber die Erfahrung sagt, dass diese meist nicht stark genug pigmentiert sind, um wirklich einen Unterschied zu machen. Hier lohnt definitiv der Griff zu Profi-Produkten von zum Beispiel Wella Professional, Redken oder Kay Pro. Letzteres ist eine etwas obskure Wahl, auf die ich damals durch eine Empfehlung auf dem Blog von Anna Frost stieß. Es war ein guter Tipp, das Shampoo hat wirklich "Power". Man bekommt es online zum Beispiel bei Amazon.

Wenn der nächste Friseurtermin noch länger hin ist, lohnt sich eventuell auch ein Selberfärben zwischendurch: Dazu wählt ihr keine Blondierung (genau die Packung lesen) sondern eine Intensivcoloration aus der Drogerie in Champagnerblond (mein blondiertes Haar wurde davon nie champagnerfarben, sondern immer nur angenehm neutralisiert, fragt mich nicht nach den Gründen dahinter, ich fand das aber gut) oder in hellem Silberblond. Bei letzterem müsst ihr vielleicht etwas experimentieren, bis ihr das für euch passende Produkt findet. Ich hatte oft das Problem, dass die gelben Partien – meist die Ansätze – gelb blieben, während die bereits schönen, hellen Längen blau oder violett wurden. Das möchte man ja auch nicht. Empfehlen kann ich das "Re'elle" Champagnerblond von dm oder das Platinblond von "Syoss Cool Blonds".

3. Du musst dich entscheiden!

Friseur oder selbst Blondieren? Das ist eine Entscheidung, die akut von deiner finanziellen Situation abhängt. Es ist ein Unterschied von ca. 15 Euro gegenüber 60 bis 200 Euro. Was du von jedem hören wirst, ist: "Um Gottes Willen, Kind, geh zum Friseur damit!" Das ist in Teilen berechtigt, aber total diskussionswürdig. Der Vorteil am Friseurbesuch: Der Profi arbeitet genau und gleichmäßig und erwischt wirklich jede Strähne, auch mittig am Hinterkopf, wo du selbst nicht gut hinkommst, beziehungsweise, die du zuhause schlecht selber sehen kannst.

Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass Friseure a) gern zu vorsichtig sind, was vielleicht gut für die Haare, aber nicht gut für das Farbergebnis ist und b) trotz ihrer Ausbildung nicht zwangsläufig Colorations-Experten sein müssen. Ich bin mehrmals unglücklich vom Friseur gekommen, gute hundert Euro ärmer, aber mit pipigelber Haarpracht. Klar, man könnte direkt im Salon protestieren, das fällt zumindest mir aber schwer,  nachdem sich jemand mühevoll zwei Stunden lang um meinen Schopf gekümmert hat und es sicher nur gut meinte.

Wenn du einen Friseur hast, der das von dir gewünschte Farbergebnis hinbekommt: Bleib ihm treu, bezahle ihm alles Geld, das er will, und schick ihm regelmäßig Blumen. So jemand ist wirklich wertvoll. Wenn du jedoch entweder arm bist oder einfach kein Vertrauen in deinen Friseur hast: Ja, selbermachen ist möglich. Und nur halb so schrecklich, wie man überall erzählt bekommt. Prinzipiell besteht das Blondieren aus zwei Schritten: Der tatsächlichen Blondierung und der Abmattierung.

Dazu kaufst du dir in der Drogerie eine Blondierung oder einen Aufheller (zwei Begriffe für das selbe Produkt) in der stärksten/hellsten Variante. Da steht dann gern so etwas wie "Ultra", "Extra" oder "Extrem" drauf. Wenn du sehr dunkle oder lange Haare hast, dann nimmst du direkt zwei Packungen. Außerdem liest du dir noch einmal Punkt 2 durch und kaufst eine Packung Intensivcoloration in Champagner oder Silberblond. Zusätzlich deckst du dich direkt mit pflegenden Spülungen und Kuren ein – du wirst sie brauchen.

Schiefgehen kann immer was. Dann experimentieren wir halt ...

Schiefgehen kann immer was. Dann experimentieren wir halt ...

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Dann nutzt du ein freies Wochenende für die Aktion, denn Blondieren frisst Zeit. Wenn du lange Haare hast, bereitest du die Mischungen beider Blondier-Packungen gleichzeitig zu und wendest sie an. Wenn du dunkle Haare hast, wendest du sie hingegen nicht zusammen, sondern nacheinander an. Du solltest die Mischung 45 bis 60 Minuten einwirken lassen, damit möglichst viele Pigmente entfernt werden. Und ja, das Zeug stinkt. Und ja, es kann auch auf der Kopfhaut brennen. Das heißt nicht, dass du allergisch bist, es heißt einfach, dass du hier mit durchaus aggressiver Chemie hantierst (einen Allergietest solltest du auf jeden Fall vorher machen – wie das geht, steht in der Anleitung, die du in der Packung findest!).

Nach der ersten Runde Blondierung sind deine Haare vermutlich orange und fühlen sich ziemlich ausgelaugt an. Du gönnst ihnen eine pflegende Kur und lässt sie lufttrocknen. Sollte deiner Blondierung eine "Anti-Gelbstich-Kur" statt einer Pflegekur beiliegen, leg diese beiseite und nimm lieber erst einmal etwas Pflegendes. Das ist jetzt nötiger.

Falls deine Haare eher dunkelorange aussehen, oder falls du jetzt erkennst, dass du deutlich sichtbare Bereiche nicht erwischt hast, beißt du anschließend in den sauren Apfel und blondierst ein zweites Mal. Jetzt wird es mit Sicherheit auf der Kopfhaut brennen. Vermutlich muss man nicht betonen, dass spätestens diese zweite Blondierung eine echte "Herausforderung" für Haar und Kopfhaut ist – aber wenn sie nötig ist, ist sie nötig. Und das ist ja nichts, das man allzu regelmäßig macht. Nach der Einwirkzeit ausspülen und erneut eine Kur benutzen. Deine Haarpracht ist jetzt vermutlich gelb, bestenfalls hellgelb.

Wenn du an diesem Tag nichts mehr vorhast, also nicht das Haus verlassen musst, lässt du es dann gut sein. Lass die Haare lufttrocken und geh schlafen. Am nächsten Tag geht es dann daran, dem Gelb den Garaus zu machen. Dazu wendest du nach Packungsanleitung die Intensivcoloration an. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, sie immer rund 60 Minuten einwirken zu lassen, aber das ist natürlich nicht allgemeingültig. Danach wie gehabt: auswaschen, Kur anwenden, an der Luft trocknen. Und dann kommt der heikle Moment – bist du zufrieden mit der Farbe? Feintuning ist mit Silbershampoo oder einer weiteren Tönung möglich, aber damit solltest du jetzt erst mal ein paar Tage warten.

4. Du musst pflegen. Und pflegen. Und pflegen.

Mein Rat wäre: Besorg dir ein mildes, pflegendes Shampoo – aber entgegen all deiner Instinkte keines, dass mit besonders viel Öl wirbt. Hauptsache, es irritiert deinen Kopf nicht. Das Öl möchtest du nämlich lieber in deiner Pflege. Nach jeder Haarwäsche ist eine Spülung ab jetzt Pflicht, möglichst regelmäßig auch eine Kur. Eine tolle Sache sind zudem Overnight-Packungen mit Kokosöl: Das feste Öl in den Haaren verteilen, alles in Klarsichtfolie wickeln, ein Handtuch drum oder eine (waschbare) Mütze drüber – und ab ins Bett. Morgens dann mit Shampoo auswaschen.

Ein kleiner Geheimtipp ist Keratinspray wie das "Extreme Cat Treatment" von Redken. Du sprühst es dir direkt nach dem Waschen ins feuchte, ausgewrungene Haar und lässt es ein paar Minuten einwirken. Dann spülst du es aus und benutzt anschließend wie gewohnt deine Spülung. Auch ein Lebensretter: Intensive Leave-In-Pflege wie das "Dualsenses Rich Repair 6 Effects Serum" von Goldwell. Einfach im handtuchtrockenen Haar verteilen, nachdem du aus der Dusche kommst.

Mit der richtigen Haarfarbe fühlen wir uns, als ob wir die Welt erobern könnten.

Mit der richtigen Haarfarbe fühlen wir uns, als ob wir die Welt erobern könnten.

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5. Du musst Experte werden.

Dir dürfte bewusst sein, dass Blondieren kein Spaziergang für deinen Schopf ist. Deine Haare brauchen dich jetzt – du musst herausfinden, wie du sie von nun an bei Laune halten kannst. Brauchen sie Feuchtigkeit, Öl oder Eiweiß? (Spoiler: vermutlich alle drei.) Du wirst dich durch Trilliarden von Produkten oder hausgemachten Wundermitteln probieren, du wirst scheitern und auf heilige Gräle treffen. Du wirst andere Blondinen heimlich beiseite nehmen und sie verzweifelt nach ihren Tricks fragen. Du wirst Youtube-Tutorials verschlingen und zum Experten für Silbershampoos, -tönungen und -spülungen werden. Blondinen sind Nerds. Willkommen im Club.

Und warum das Ganze?

Wenn Blond deine Farbe ist, dann nimmst du den ganzen Quatsch eben auf dich. Wenn nicht, dann kannst du dir das natürlich schenken – deine Haare wird's freuen. Aber dass ein schönes, helles Blond (leider) ziemlich cool aussieht, wissen wir ja seit Debbie Harry, Lady Gaga, Gwen Stefani oder Anna Frost. Und wer schön sein will, muss eben manchmal doch ein bisschen leiden.

Model Lil Miquela
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