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Von Klangmassage bis Floating: Der Wahnsinn bei Sauna, Massage und Co.: Neun Wahrheiten über Wellness

Augenringe, spröde Haut, eine Gesichtsfarbe wie Nosferatu – wenn es so weit gekommen ist, weiß man: Höchste Zeit, die Körperruine zum Tempel zu machen! In neun Punkten erklären wir, was es mit Wellness wirklich auf sich hat.

Von Linus Volkmann

Frau liegt auf Liege mit Maske im Gesicht

Yoga, Sauna, Massage – wir erklären, was es mit Wellness wirklich auf sich hat (Symbolbild)

1. Versprechen für den Körper

Wellness kennt man vornehmlich als leeres Versprechen dem eigenen Körper gegenüber. Diese arme Sau muss sich so einiges anhören im Arbeitsalltag, nie erfüllte Hoffnungsblasen wie: "Okay, wenn du mich nur noch bis zum Ende dieses Großprojekts trägst, schwöre ich dir, machen wir richtig schön Wellness!" Dass dafür dann doch wieder keine Zeit sein wird, ahnen natürlich beide Seiten. Doch bevor wirklich was passiert (Seitenstechen, Schluckauf, spontane Selbstentzündung), sollte es jetzt geschehen. Denn kann Wellness schaden?

2. Exotische Namen 

Wellness stellt dabei einen ähnlich spezifischen Begriff wie zum Beispiel "Rockmusik" dar. Das heißt, es fällt auf jeden Fall mehr darunter, als man in einem Tag oder auch einem ganzen Jahr bewältigen könnte. Aber wenn das so ist, könnte man dann nicht auch einfach bloß liegen bleiben? Das wäre doch Benzin fürs Wohlbefinden! Nein, keine Chance. Wellness findet nicht zu Hause statt. Und Wellness trägt möglichst exotische Namen.

3. War da nicht noch ein Gutschein?

Bevor man aber echtes Geld ausgibt: Hatte man nicht noch einen Wellness-Gutschein für eine Klangmassage, den Aromatherapie-Schnupperkurs oder Floating? Also eins dieser schnell ausgedruckten Alibi-Geschenke, von denen niemand je erwartet, man würde sie wirklich einlösen? Bestimmt. Bloß hat man damit schon vor langer Zeit den Hamsterkäfig ausgelegt, als das Streu ausgegangen war. Schöner Mist.

4. Roh, Superfood und kein Weizen

Eigentlich fängt wohlfühlen bereits auf dem Teller an. Essen ist der Schlüssel zum Glück. Aber auch da wird’s schnell unübersichtlich, die Optionen scheinen endlos: alles roh, Superfood, kein Weizen, nur Licht essen, auf basische Kost schwören, Fünf-Elemente-Ernährung. Dagegen wirkt selbst Astrologie noch wie eine knallharte Wissenschaft.

5. Yoga, Sauna, Massage

Yoga, Sauna und eine schöne Massage und dabei Enya hören. Diese naheliegende Interpretation des Begriffs klingt für den echten Wellness-Profi, als würde man nach Blutegeln, Aderlass oder Wassertreten verlangen. Besser, man hat sich für Zeitgemäßes eingetragen wie zum Beispiel den nächsten Breath Walk. Eine gerade sehr angesagte Wellness-Aktivität, "die auf wunderbare Weise das Spazierengehen mit Atemübungen, Meditation und Fingermagie verbindet".

6. Heilerde und Gurkenscheiben

Ein bisschen Heimaktivität darf aber doch sein. Heilerde-Peeling, Gurkenscheiben und die Luxusverwöhnmaske des Drogeriemarkts mit Champagner (!) und Gold (!!) sind schnell im Gesicht angelegt. Viel hilft viel. Zumindest hat man danach eine gute Chance auf dieselbe Haut wie ein Teenager. Rot und pickelig.

7. Gedanken während der Massage

Gedanken während einer professionellen Massage: "Soll ich jetzt unterstützend seufzen oder gar schnurren oder denkt dann der Masseur, ich wäre eine Art Perverser, der hier im Stuhl Gefühle bekommt? Aber wenn ich gar kein Geräusch mache, denkt er möglicherweise, ich goutiere seine Arbeit nicht? Außerdem habe ich irgendwie einen Pickel auf dem Rücken, peinlich, wie der da dauernd drankommt, hoffentlich platzt der nicht noch… Herrje, wann ist die Stunde vorbei, damit ich endlich entspannen kann!"

8. Nackte Rentner

Wer will nackte Rentner sehen? Der muss tagsüber in die Sauna gehen! Hier treffen sich Menschen, die das Geschenk der Scham offensichtlich nie ausgepackt haben. Möglicherweise macht sie dies zu entspannteren Zeitgenossen. Dennoch möchte man ihnen zurufen: "Die 60er sind vorbei, ihr verdammten Hippies!" Doch man ist einfach schlecht zu verstehen, wenn man seine Blöße unter mehreren Lagen Handtüchern verborgen und sich zudem in die hinterste Ecke der Sauna verkrochen hat.

9. Aus Ruine wird Tempel

Alles geschafft? Glückwunsch. Nun ist der Körper also keine baufällige Ruine mehr, sondern ein Tempel. Um sich nicht zu fit zu fühlen, müsste man fast zu rauchen anfangen. Und die Motivation! Ab heute immer regelmäßig abends zum Yoga, dazu autogenes Training in der Mittagspause und überhaupt! Und dass das alles nur leere Versprechen sind, macht nichts. Dieser Umstand gehört zum Trend dazu.

Dieser Artikel ist erstmals in der NEON-Ausgabe 12/2017 erschienen.

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