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Harry Potter: Auf Plastikrohren reiten und einen Tennisball jagen – so spielt man Quidditch für Muggel

In Karlsruhe treten an diesem Wochenende die besten Quidditch-Teams aus Deutschland gegeneinander an. Das Besenrugby ist aber nicht nur etwas für Zauberfans.

Das Karlsruher Quidditch-Team "Flying Foxes" organisiert das deutsche Ligafinal im Quidditch.

Beim Quidditch für Nicht-Zauberer mag es zwar keine Besen geben, aber dafür kämpfen die Spieler auf Plastikstangen mit vollem Körpereinsatz.

Nimbus 2000 oder doch Feuerblitz? Dieses Problem stellt sich den Teilnehmern des deutschen Ligafinales im Quidditch wohl nicht. Wenn einen die Schwerkraft auf dem Boden hält und man keinen vermeintlichen Schwerverbrecher zum Patenonkel hat, der das Equipment bezahlt, muss eine andere Lösung her: Nicht-Zauberer nehmen einfach Plastikrohre als Besen und laufen, statt zu fliegen. Zwei Tage lang können sich Fans und Sportbegeisterte dieses Spektakel in Karlsruhe anschauen. Dort treten am Wochenende die besten Quiddich-Teams aus Deutschland gegeneinander an.

Nicht nur für Potter-Fans

Aber machen das nicht nur echte Fans und Nerds? "Definitv nicht“, sagt Lilly. Das Team der 20-Jährigen, die "Flying Fox PS Karlsruhe“, organisiert das Turnierwochenende zusammen mit dem Deutschen Quidditch Bund (DQB). "Bei uns gibt es auch Leute, die weder die Bücher gelesen noch die Filme gesehen haben“, erzählt die Studentin NEON am Telefon. Die meisten fänden einfach die sportliche Herausforderung und die taktischen Möglichkeiten des Spiels cool.

Lilly macht die Pressearbeit für ihr Team und sitzt auch im Organisationskomitee für das Ligafinale, das zum ersten Mal in stattfindet. Die 20 besten deutschen Mannschaften treten hier in den kommenden Tagen gegeneinander an. Darunter finden sich für Potter-Fans wohlklingende Namen wie die "Bielefelder Basilisken“, die "Heidelberger HellHounds“ oder die "Augsburg Owls". Titelverteidiger sind die "Rheinos" aus Bonn. Die besten acht Mannschaften gewinnen einen Platz für den European Quidditch Cup, quasi die Euro-League des Sports.

34 Quidditch-Teams in Deutschland

Erfunden haben das Muggel-Quidditch vor zehn Jahren Studenten des Middlebury Colleges in Vermont, USA. Schnell wurde der für Nicht-Zauberer in Nordamerika zum Trend, 2007 gab es bereits den ersten Weltcup. Bis vor wenigen Jahren war Großbritannien in Europa noch der absolute Vorreiter. 2014 gründete sich dann die deutsche Quidditchszene. Vor drei Jahren zählte der DQB gerade einmal vier offizielle Teams – mittlerweile sind es 34, das deutsche Nationalteam erreichte bei der Europameisterschaft im letzten Jahr Platz fünf. Quidditch gilt als die am schnellsten wachsende Sportart weltweit. "Die meisten Leute gucken am Anfang schon etwas komisch, wenn man erzählt, dass man Quidditch spielt“, sagt Lilly. Aber wer erst einmal beim Training war, sei meist ziemlich begeistert.

Quidditch ist eine Kontaktsportart, die sich am besten als ein Mischung aus Rugby und Handball beschreiben lässt. Es wird in gemischten Teams von sieben Spielerinnen und Spielern gespielt – maximal vier dürfen dasselbe Geschlecht haben. Auf dem Spielfeld finden sich alle Elemente aus der Zauberwelt, die der Erdanziehung standhalten: Jedes Team hat drei große Metallringe, durch die ein Ball geworfen werden kann, um Tore zu erzielen. Jeder Spieler hat außerdem einen Besen, den er die gesamte Zeit zwischen den Beinen halten muss. Wer jedoch Omas alten Reisigfeger erwartet, wird enttäuscht: Aufgrund des Körperkontaktes und der möglichen Zusammenstöße, ist der "Besen“ eine Plastikstange.

Jäger, Hüter, Treiber, Sucher

Der Spielablauf ähnelt einer Mischung aus Völkerball und Rugby: Drei "Jäger" versuchen, einen Volleyball durch die Torringe zu werfen, um Punkte zu erzielen. Die Ringe werden von einem "Hüter" verteidigt. Zwei "Treiber" werfen gegnerischer Spieler mit Softbällen ab – wer getroffen wird, "fällt“ vom Besen und darf erst wieder ins Spiel zurück, wenn er die Ringe des eigenen Teams berührt hat. Jedes Team hat außerdem einen "Sucher". Diese beiden versuchen den "Schnatz" zu fangen, der auch Nicht-Fans sicher ein Begriff ist. In der Muggel-Version ist er jedoch kein kleiner goldener Ball mit Flügeln, sondern ein unparteiischer Mitspieler, manchmal im gelben Dress, der am Hosenbund einen in einer Socke befestigt hat. Wer den Schnatz beziehungsweise den Ball fängt, bekommt 30 Punkte für sein Team und beendet das Spiel.

Jeder kann mitmachen

"Es ist gar nicht so einfach, den Schnatz zu fangen“, sagt Lilly. „Schließlich haben alle einen Besen zwischen den Beinen, der das Laufen deutlich schwieriger macht.“ Beim Kontaktsport kommt es dabei auch gern mal zu Zusammenstößen, wenn man versucht, den Gegner aufzuhalten. Doch auch wenn es keine Krankenstation von Madame Pomfrey gibt, muss man kein Leistungssportler sein, um beim Quidditch mitzumachen. "Jeder kann auf seinem Niveau spielen“, sagt Lilly. Wer regelmäßig zum Training kommt, werde automatisch fitter. Bei den Flying Foxes finden sich Berufstätige, Schüler und Studenten unter den Besenreitern – trainiert wird zwei- bis dreimal die Woche.

Das Turnier beginnt am Samstag und Sonntag um 9 Uhr und dauert bis circa 18 Uhr. Zuerst findet eine Gruppenphase statt, deren Gewinner dann in der KO-Runde gegeneinander antreten. Der Eintritt ist frei. Wer die Spiele lieber vom Sofa aus verfolgen möchte, kann dies im Livestram "RuhrPhoenixTV“ tun.

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lau