HOME

Mobilität auf dem Land: Sind diese Mitfahrbänke das neue Trampen?

In dem kleinen Dörfchen Taisersdorf fährt nur ein Bus pro Tag. Wer kein Auto hat, ist aufgeschmissen. Deshalb wurden in der Ortsmitte jetzt vier bunte Mitfahrbänke aufgestellt.

Bunte Bänken stehen in Taisersdorf

Mitfahrbänke könnten das Mobilitätsproblem auf dem Land verringern

Viele deutsche Kleinstädte und Dörfer sind immer noch von der Außenwelt abgeschnitten. Natürlich nicht komplett – es gibt meistens schon Telefonanbindungen, Internet (sehr langsam) oder ganz altmodisch die Post. Doch die Verkehrsanbindungen lassen häufig sehr zu wünschen übrig. Und das wird sich mit Blick auf die anhaltende Landflucht wohl auch erstmal nicht ändern. Das ist insbesondere für junge Leute und diejenigen, die kein eigenes Auto besitzen, ein großes Problem. Man ist förmlich in seinem Dorf gefangen. Um das zu ändern, hat sich ein kleines Örtchen in Baden-Württemberg deshalb etwas einfallen lassen: die Mitfahrbank.

Mobilitätsproblem: "Es fährt nur ein Bus am Tag"

In dem beschaulichen 300-Seelendorf Taisersdorf stehen jetzt in der Ortsmitte vier knallbunte Metallstühle. Über den bunten Stühlen prangern Namen wie "Owingen / Überlingen" oder "Altheim / Lippertsreute". Wer sich auf so einen Stuhl setzt, hat künftig gute Chancen, von einem vorbeifahrenden Auto mitgenommen zu werden. "Es gibt hier einen Schulbus, der auch von Nicht-Schülern genutzt werden darf. Das Problem: Der fährt in den Ferien gar nicht", sagt der zuständige Bürgermeister Hernik Wengert. Außerdem fahre der Bus auch nur einmal am Tag.

bunte Stühle mit Ortsschildern

Bitte einsteigen! Weil hier nur ein Bus pro Tag fährt, gibt's in Taisersdorf jetzt die Mitfahrbank

Deshalb kam in Taisersdorf die Idee auf, Mitfahrgelegenheiten zu institutionalisieren. Auf den Sitzen, die streng genommen gar keine Bänke sind, können nun Taisersdorfer und Anwohner der umliegenden Dörfer Platz nehmen und sich in sämtliche Himmelsrichtungen mitnehmen lassen. Das ist ein bisschen wie Trampen, nur halt bequemer. Dazu ist es auch noch umweltfreundlich. Der Facebookpost, in dem Bürgermeister Hernik Wengert die neuen Mitfahrbänke präsentiert, wurde bereits über 50 Mal geteilt.

Bürgermeister sieht kein Sicherheitsproblem

Jetzt könnte man ja meinen, dass es nicht ganz ungefährlich ist, sich von einer wildfremden Person mitnehmen zu lassen. In der Region ist es aber gar nicht so leicht "wildfremd" zu sein. "Bei 300 Einwohnern gibt's nur sehr wenig Anonymität. In der Region kennt man sich", erklärt Wengert. Ob und wie die neue Mitfahrbank angenommen wird, wird sich zeigen. Die bunten Sitzgelegenheiten, die insgesamt 3300 Euro gekostet haben, stehen erst seit zehn Tagen. Vielleicht sehen wir die bunten Bänke ja bald schon häufiger in Deutschland.

Neues Zuhause: Mit diesen Tipps gelingt der stressfreie Umzug garantiert
hh