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Alarm im Spreewald: Der Titel der Gurkenkönigin wartet, aber niemand will ihn haben

Wir suchen unsere Wurzeln, feiern das Landleben und lieben regionale Eigenheiten. Aber Spreewälder Gurkenkönigin möchte trotzdem niemand werden. Der Spreewaldverein sucht in diesem Jahr verzweifelt nach geeigneten Kandidatinnen.

Eine junge Frau in traditioneller Spreewald-Tracht

Die amtierende Spreewaldgurkenkönigin Angelique Fengler möchte abgelöst werden: Sieht doch ganz fesch aus, so eine Königinnen-Tracht!

Picture Alliance

Früher, da galt so ein Titel noch was. Da startete eine Veronica Ferres ihre internationale Schauspielkarriere als Kartoffelkönigin, und aus einer schnöden Heidekönigin wurde eine waschechte Jenny Elvers. Deutsches Gemüse sorgte für deutsche Karrieren. Und heute? Da wird im Spreewald die Krone der Gurkenkönigin verliehen, ein renommierter Traditionstitel, und statt beißender und kratzender Konkurrenten, die sich um die Position reißen, meldet sich einfach NIEMAND.

Was ist da los?

Die nicht ganz so witzige Wahrheit ist wohl schlicht: Immer weniger junge Menschen leben auf dem Land und arbeiten in der Landwirtschaft, speziell in Gurkenanbaubetrieben im Spreewald. Die meisten snacken zudem lieber Süßkartoffel-Pommes und Chia-Pudding statt knackiger Gürkchen aus der Nachbarschaft. Und Ehrenämter wie das der Gurkenkönigin sind für immer mehr Menschen schwer auszufüllen: Wer studiert, jobbt meist nebenher, wer arbeitet, hat abends kaum genug Kraft, sein Sozialleben einigermaßen am Laufen zu halten. Keine Ahnung, wie unsere Eltern das früher gemacht haben.

Gerade als Gurkenkönigin oder Gurkenkönig muss man regelmäßig reisen, auf Messen die Region vertreten, genug Power und Ausstrahlung haben, um den Menschen Lust auf das grüne Gold aus dem Spreewald zu machen. Man ist das Gesicht für die monatelange harte Arbeit eines ganzen Landstrichs. Das ist nur mäßig spaßig und auch eine verdammt große Verantwortung.

Hilferuf aus dem Spreewald

Zudem wirkt es weit weg von unserer Lebensrealität. Klar, wir besinnen uns gerade wieder auf unsere Wurzeln, feiern das Regionale, aber das eigene Gesicht dann, ganz unironisch, für knackige Gürkchen in die Kameras der versammelten Lokalpresse zu halten – so weit reicht die Landliebe bei uns individualitätsverwöhnten Social-Media-Opfern dann doch nicht. Schade eigentlich.

Sollte sich doch jemand ein Herz fassen und Gurkenkönigin oder Gurkenkönig werden wollen – den dafür zuständigen Spreewaldverein würde es freuen:

"Wer keine Scheu davor hat, als Botschafter die Spreewaldregion auf Messen, Veranstaltungen und Empfängen zu repräsentieren und mit prominenten Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur ins Gespräch zu kommen, sollte sich umgehend beim Spreewaldverein melden. Grundkenntnisse in Gurkenanbau und –verarbeitung sind gefragt, können gegebenenfalls aber auch vermittelt werden. Bewerber sollten in der Spreewaldregion ansässig, mindestens 18 Jahre alt und kontaktfreudig sein sowie über eine sympathische Ausstrahlung verfügen. Bewerbungen bitte formlos an den Spreewaldverein e.V., Am Kleinen Hain 3, 15907 Lübben (Spreewald) per Post oder an info@spreewaldverein.de per E-Mail richten."

Komplizierte Zuordnung : Ist eine Gurke eigentlich Obst oder Gemüse?
wt