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Zuhause: #NEONreise: Abschluss einer Reise

Zwölf Tage lang war das NEONreise-Team in Marokko unterwegs. Jeden Tag haben sich Gundi, Lukas, Tobias, Markus und Nora den Aufgaben der NEON-Leser gestellt. In einem NEON-Wendeheft, das im März erscheint, könnt ihr das ganze Abenteuer als große gedruckte Magazingeschichte nachlesen. Im Blog zieht Tobias ein erstes Fazit dieser Reise.


Marrakesch / Memmingen / München, 5. Februar 2014

Die marokkanische Wüste und die Hightechlandschaft des internationalen Flugverkehrs haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam, aber das täuscht: Sowohl in der Wüste als auch im Flughafen bzw. Flugzeug herrscht gleißendes Licht, und an beiden Orten muss der Mensch mit enormen Temperaturschwankungen zurecht kommen. Weil ich das Wechselspiel zwischen Security-Sauna und Klimaanlageneiszeit in der Kabine gut kenne, habe ich überhaupt kein Problem mit der letzten Mission der #NEONreise: »Fliegt im Berberoutfit von Marrakesch nach München.«

Der Kaftan, weiß ich, wird mir gute Dienste erweisen. Außerdem wollte ich seit meiner Ankunft in Marokko wissen, wie sich das Teil, das aussieht wie die Fusion von Frottee-Pyjama und Mönchskutte plus einem Schuss Klu-Klux-Klan eigentlich so trägt. Das Kleidungsstück scheint mir zu stehen: »You look nice«, sagt die Dame vom Ryan-Air-Bodenpersonal beim Check-In. Es ist das erste Kompliment, das ich seit meiner Ankunft in Marokko bekomme.

Auch Gundi, Nora, Lukas und Markus haben kein Problem mit der Aufgabe: Zum einen haben wir in den vergangenen zwölf Tagen bei Kamel(treiber)rennen, Bazar-Battles, Full-Contact-Wellness und der Suche nach einem tanzwütigen Dorfältesten so einige Kostümteile und Requisiten gesammelt und sind der marokkanischen Kultur und Mode näher gekommen, zum anderen haben wir uns bei den Missionen auch so oft exponiert-blamiert-inspiriert, dass es darauf nun wirklich nicht ankommt.

Tragen wir eben Berbertücher und Kaftan im Flugzeug und bei der Ankunft in Memmingen. Kein Problem. Das Personal von Ryan Air und die Menschen im Allgäu sind auch seltsam angezogen.

Galerie: Die besten Fotos der #NEONreise

Abflug im schönen Memmingen!

Sofort nachdem Markus wie jeden Tag um 9 Uhr morgens die Aufgabe verlesen hat, schalten wir in den Organisationsmodus: Lukas, Markus und ich räumen das Auto und die Hotelzimmer auf, Gundi und Nora gehen in den Souk, um Berberkostüme zu erhandeln. Schon nach einer Stunde sind die Mädchen wieder da, weil sie die Straßen der Altstadt mittlerweile kennen, sich nicht mehr alle fünf Meter aufhalten lassen und die Tricks der Verkäufer kennen. Auch dass Nora so nebenher noch eine braune Ledertasche gekauft und den Preis um 60 Prozent gedrückt hat, deuten wir als Beweis dafür, dass wir Marokko auf der #NEONreise auf eine andere Art und Weise kennen gelernt haben als andere Touristen und das Andere zum Eigenen gemacht haben. Wie naiv wir doch immer noch sind.

Was aber auf jeden Fall stimmt, ist, dass wir in den vergangenen zwölf Tagen ein sehr gutes Team geworden sind. Jedes Gruppenmitglied hat sich einen inoffiziellen Aufgabenbereich erarbeitet, der aus irgendwelchen Gründen auch Ministerium genannt wird: es gibt den Verkehrsminister (Markus), den Beschaffungsminister (Tobias), die Außenministerinnen (Gundi, Nora) und natürlich den Zigarettenminister (Lukas). Je weiter man sich gemeinsam in die Welt wagt, desto mehr wird man zu einer eigenen Welt.

Die #NEONreise-Gruppe fand nicht jede Mission interessant, sinnvoll oder gar politisch aufgeklärt. Das Prinzip des nicht-selbstbestimmten Reisens aber hat uns überzeugt: »Weil der Faktor X größer ist als sonst«, wie Markus meint. Gundi denkt darüber nach, den nächsten Italienurlaub mit einem Reiseführer aus dem Antiquariat durchzuführen und sich so zu desorientieren. Und Lukas plant eine Reise, auf der er sich nur von den Tagebüchern seines Vaters leiten lässt, die dieser in den frühen 1950ern auf Sizilien verfasst hat. Die Zeit der Ungewissheit geht mit dieser Reise nicht zu Ende. Die Welt ist so viel größer als wir und unsere lächerlichen To-Do-Listen.

Als wir am Flughafen Memmingen die Koffer vom Rollband heben, stellen wir fest, dass Noras braune Ledertasche, die sie so stolz und ernst im Souk erhandelt hatte, leider doch aus Kunstleder besteht. Die eigentliche Lektion der #NEONreise lautet eben: Orte wie Marokko durchschaut man nicht. Man muss es aber immer wieder versuchen.

Fragen, die offen bleiben:

– Welche Langzeitfolgen hat das quietschgelbe Corporate Design von Ryan Air für das menschliche Gehirn?
– Wie lautet der faire, marktgerechte Preis für die drei Kilometer lange Taxifahrt vom Marrakesch Airport zur Medina? (Tipp: 250 Dirham sind es nicht)
– Passt Schundlektüre einfach in jede Landschaft?
– Was genau zieht die belgischen und französischen Camper nach Sidi Ouassai?
– Wo sind all die Frauen von Telouèt?
– Warum, liebe NEON-Redaktion, habt ihr uns drei Packungen Sauerkraut mitgegeben?


Über die NEONreise:

Wir haben ein Team aus fünf Freunden (hier stellen sie sich im Video vor) auf ein großes, für sie selbst komplett unberechenbares Abenteuer in Marokko geschickt. Jeden Tag können die NEON-Leser im Blog darüber abstimmen, welche Aufgabe Tobias, Nora, Lukas, Gundi und Markus am nächsten Tag erledigen sollen. Unter dem Hashtag #NEONreise könnt ihr live mitverfolgen, was die Fünf gerade in Marokko erleben. Hier findet ihr alle bisherigen Beiträge der Reise. In einem NEON-Wendeheft, das im März erscheint, könnt ihr das Abenteuer dann als große gedruckte Magazingeschichte nachlesen.

Viel Spaß auf dieser Reise,
Eure NEON-Redaktion