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Liebe: Seid endlich still!

Der Wahrheitshype moderner Beziehungen. Dauernd wird alles besprochen, Bedürfnisse, Ängste, Wünsche ununterbrochen miteinander bequatscht. Weil wir gelernt haben, dass Reden hilft, hören wir gar nicht mehr auf damit.

In der März-Ausgabe von NEON haben wir deshalb die Frage gestellt: Wie viel Lüge braucht die Liebe?

In Zeiten, in denen sich Paare nicht mehr einfach nur als Paare, sondern als Teams begreifen, lautet die Antwort immer häufiger: Gar keine. Der Teamgedanke besagt: Wir sind eine Mannschaft, wir müssen immer wissen, wohin der andere gerade läuft, was er damit bezweckt, wie sich alles am Ende zu einem großen Ganzen fügen soll. Sonst funktionieren wir nicht. Sonst verlieren wir das Spiel – das ja wir sind. Alles, was wir nicht voneinander wissen, jedes Geheimnis, jede Fantasie, jedes Abenteuer, schwächt das Team, ist ein Angriff auf unsere Gemeinschaft.

Ist da was dran? Werden Beziehungen wirklich tiefer, wenn man sich alles erzählt? Die Diplom-Psychologin und Paartherapeutin Lisa Fischbach sagt: »Jein. Vor allem in Alltagsgesprächen sollten Paare manchmal auf die Ehrlichkeitsbremse treten.«

Unsere These: In einer Zeit, in der die private Kommunikation transparenter ist als je zuvor, geht es vielleicht gar nicht so sehr um die Frage: Wahrheit oder Lüge? Sondern um den Wert der bewusst gesetzten Stille. Weil Verschweigen manchmal viel liebevoller sein kann, als jeder gut gemeinte Seelenstriptease.

Was meint ihr? Wie viel Nichtwissen braucht die Liebe? Welche Beichte eures Partners hättet ihr lieber nie gehört? Oder habt ihr selbst schon Dinge ausgeplaudert, die ihr später gern zurückgenommen hättet? Erzählt es uns!

Dieser Text ist in der Ausgabe 03/15 von NEON und als E-Mag erschienen. Hier können Einzelhefte des NEON-Magazins nachbestellt werden. Alle Ausgaben seit September 2013 gibt es auch digital in der NEON-App.