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Erschütternder Tweet: "Ich wurde angespuckt – weil ich die Hand eines Mannes gehalten habe"

In Deutschland glauben wir gern, dass Homosexuelle keine Diskriminierung mehr zu befürchten hätten. Dass das so nicht stimmt, beweist die Schilderung eines Mannes auf Twitter. Sie löst unzählige Reaktionen aus, die bestätigen, dass noch immer viel zu tun ist, bis niemand mehr Beleidigungen ertragen muss.

Ein homosexuelle Paar, Arm in Arm

Sind wir in Deutschland so tolerant, wie wir immer gern glauben?

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Spätestens beim nächsten Christopher-Street-Day wird man es wieder hören: "Warum gehen Homosexuelle denn überhaupt noch auf die Straße? In Deutschland sind wir doch längst so tolerant, dass sie nirgends mehr diskriminiert werden." Dass das leider nicht so ist, sieht man nicht nur daran, dass homosexuelle Paare erst seit 2017 heiraten können, man sieht es auch noch immer im Alltag – wie ein paar bittere Worte des Twitter-Nutzers Mika beweisen. Sein Tweet hatte schon nach kurzer Zeit zahlreiche Reaktionen ausgelöst und sammelte bereits über 1200 Retweets. In mehr als 400 Kommentaren berichten auch andere Menschen von Beleidigungen und Diskriminierung. Ja, im angeblich so toleranten Deutschland.

Offene Liebe stößt noch oft auf Widerstand

"Ich wurde gerade angespuckt, weil ich die Hand eines Mannes gehalten habe", schreibt der Twitter-Nutzer. Ihm schlägt eine Welle der Solidarität entgegen – und leider berichten direkt viele andere Menschen von ähnlichen Erlebnissen. "Ist mir mit meiner Freundin auch schon passiert, leider auch heute noch. Und das ist Köln. Die Stadt, die sich ach so tolerant darstellt", schreibt etwa eine Nutzerin namens Kris. Und Emanuel berichtet: "Mir wurde schon eine Zigarette im Nacken ausgedrückt. Der Spruch mit dem glücklich sein, weil die heutige Zeit tolerant ist, hängt mir zum Hals heraus. Alles, was wir haben, ist oftmals eine gespielte Toleranz. Aber sei trotzdem weiterhin verliebt und zeige es den Menschen."

Auch Twitter-Nutzerin Annette hat so eine Attacke schon einmal erlebt: "Ich wurde auch schon mal angespuckt und bepöbelt, weil mein Date ein Mädchen war. Leider kein Einzelfall, dieser Scheiß." Und Peter glaubt: "Also ich schätze die Quote der Passanten, die zwar nicht spucken, aber so was sagen oder denken wie: 'Bei aller Toleranz, aber Händchenhalten in der Öffentlichkeit, muss das denn sein?' auch im weltoffenen Berlin locker auf 50 Prozent." Ähnlich sieht es auch ChaosRind: "Dieses Land tut nur so. Es ist, als würdest du ne durch und durch schimmelige Wand dick anstreichen, damit man es nicht sieht. Aber da ist es trotzdem."

Wir tun toleranter, als wir sind

Der Tweet eines Nutzers namens Ali Mir Agha fasst es vielleicht gut zusammen: "Ich wünsche dir/euch alle Kraft der Welt. Lasst es nicht zu, dass Intoleranz und Hass die Sichtbarkeit eurer Liebe verdrängen. Es kann keine Gesellschaft sein, in der wir leben wollen."

Deutlich wird aber: Es gibt noch viel zu tun. Die Toleranz in unserer Gesellschaft ist noch lange nicht so ausgeprägt, wie wir es uns wünschen würden.

Als rein männliche Cheerleading-Mannschaft unterstützen die "Fearleaders Vienna" Rollerderby-Teams in Wien.
wt