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Kampf um Anerkennung Irina erfährt erst mit 22 Jahren, dass sie intersexuell ist - doch da haben Ärzte sie schon operiert

Mein Name ist Irina Kuzemko. Ich bin intersexuell und eine Aktivistin. Ich wurde wie jedes normale Mädchen geboren. Niemand dachte, dass ich anders bin. Aber während meiner Teenagerzeit waren alle in der Pubertät, außer mir. Keine Brüste, keine Periode. Ich war mir sicher, wie jedes andere Mädchen zu sein, aber ich entwickelte mich nicht wie eines. Ich habe mich geschämt. Ich fing an mich selbst zu hassen. Ich habe nicht verstanden, wer ich bin. Ich war mir sicher, dass ich die einzige Person war, die das durchmachen musste. Dann reiste ich nach Moskau, um ein paar Ärzte aufzusuchen. Sie haben viele Untersuchungen gemacht, aber mir nie etwas gesagt. Sie ließen mich alleine auf dem Flur sitzen. Die Ärzte rannten vorbei und sahen mich nicht einmal an. Erst mit 22 Jahren sah ich ein Video darüber, wie es ist, intersexuell zu sein. Ich dachte, ich spinne. Die Geschichten in dem Video waren genau wie meine. An diesem Punkt sagte ich mir, ich brauche meine medizinischen Papiere. Ich erfuhr viel Neues über meinen Körper und was mit mir geschehen war. Ich fand heraus, dass ich X- und Y-Chromosomen habe. Das ist typisch für Männer. Ich hatte auch nie Eierstöcke. Und in meinem Bauch hatte ich einen kleinen Hoden. Während der Operation entfernten die Ärzte alles, ohne es mir zu sagen! Die meisten medizinischen Einrichtungen weltweit glauben, dass intersexuelle Menschen behandelt werden müssen. Viele denken, dass Intersexualität wie eine Krankheit ist. Aber in den meisten Fällen stellt es kein Risiko für die Gesundheit dar. Ich habe erkannt, dass ich etwas in dieser Welt verändern kann, wenn ich intersexuelle Menschen zusammenbringe und für unsereRechte kämpfe. Jeder Mensch sollte das Recht haben, die Wahrheit über seinen Körper zu erfahren und seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Das sind Grundrechte, die jeder haben sollte.
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Irina Kuzemko ist intersexuell. Sie hat lange gebraucht, um zu verstehen, warum sie anders ist. Jetzt setzt sie sich für die Rechte intersexueller Menschen ein.

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