HOME
sexbewusst-header-img #SEXBEWUSST Die neue NEON-Serie für junge Frauen und alle, die sich sonst noch dafür interessieren

NEON-Serie #sexbewusst : Gewaltfantasien – stehen Frauen wirklich drauf?

Sind Fantasien, in denen sich Frauen vorstellen, dass sie vergewaltigt werden, wirklich weit verbreitet? Und wenn ja, stellen sich Männer Ähnliches vor? In der neuen #sexbewusst-Folge geht es darum, woher solche Vorstellungen kommen können und was sie bedeuten.

Sex-Fantasien

Eine Frau stellt sich beim Sex einen dunklen Hinterhof vor. 
Und einen Fremden, der sie dort überwältigt. 
Eine andere erregt die Vorstellung, dass eine Frau sie leidenschaftlich küsst und dann zwingt, sie zu befriedigen.

Zwei Frauen, zwei Fantasien aus der bunten und zuweilen auch düsteren Welt der weiblichen Vorstellungswelt, die Autoren wie Daniel Bergner  oder Annabel Penrose in ihren Büchern dokumentieren. 

Die dunkle Grundstimmung darin ist allerdings nicht ungewöhnlich. Die Umfrage einer Universität in Montreal zeigt: 
Fast 65 Prozent der Frauen stellen sich vor, dominiert zu werden. Und jede dritte hat sich beim Sex schon einmal vorgestellt, vergewaltig zu werden.

Woher kommen diese Fantasien?

Weibliche Überwältigungsfantasien sind immer noch ein Tabu: 
Denn für viele scheinen sie nicht zum Bild der emanzipierten Frau zu passen. In der Psychologie ist das Phänomen schon lange bekannt: Diese Sex- Fantasien gehören zu den meist debattierten der Wissenschaft.

Sigmund Freud prägte mit seiner Theorie zu diesen Fantasien lange die Debatte. Leider hatte er dazu wenig Erfreuliches zu sagen.

Für ihn waren sexuell unterwürfige Frauen normal. Denn: 
Frauen würden Sex nicht genießen, und nur über das Leiden einen Weg zur Lust finden können. Bei Männern sei das anders: 
Unterwerfungsfantasien seien bei ihnen abnormal - eine Perversion.

Heute wissen wir: Solche Fantasien haben nichts mit dem Geschlecht zu tun. 
Im Gegenteil: Die Anzahl der Männer, die es anmacht, in ihren Gedanken vergewaltigt zu werden, ist in der kanadischen Umfrage sogar etwas höher als die der Frauen.

Und auch jeder zweite Mann stellt sich beim Sex vor, dominiert zu werden.

Wieso stehen Menschen auf sowas?

Trauma 


Psychologen wie Wendy Maltz in ihrem Buch "Private Thoughts" beschreiben, dass wir durch Fantasien neben anderen Dingen auch Trauma verarbeiten können: Verdrängte Bilder gelangen wieder ins Bewusstsein. 
In einer Fantasie haben wir selbst Kontrolle darüber, was uns wie zustößt. Wir haben Macht in einer Situation, in der wir in der Vergangenheit ausgeliefert waren.

Sind solche Fantasien überfordernd, ist es allerdings ratsam einen Therapeuten aufzusuchen.

Scham 


Ein weitere Theorie: Unterdrückte Scham kann ein Grund für solche Fantasien sein. Das beschreibt Daniel Bergner in "Die versteckte Lust der Frau" als einen möglichen Erklärungansatz. Das funktioniert so: Der Überwältiger ist in der Fantasie zügellos, triebhaft - der Schuldige. Als Überwältigter bleibt man in der Vorstellung frei von Begehren und Lust: Gefühle, für die man sich in der Realität vielleicht schämt.

Neue Rollen 


Dunkle Fantasien bedeutet immer Trauma? Nein. Viele Menschen beschreiben laut Psychologen Brett Kahr solche Fantasien, ohne eine persönliche Vorgeschichte zu haben. 
Deshalb könnten sie auch eine andere Funktion haben: 
Darin können wir neue Erfahrungen von Gefühlen und Rollen machen, ohne sie erleben zu müssen.

Erregungstransfer 


Erregung entsteht in unserem Körper nicht nur in harmonischen Momenten. Angst und Aufregung können sich in Erregung umwandeln. Dieses Konzept nennen Psychologen Erregungstransfer. Ein Beispiel: Menschen finden andere Menschen nach einem Achterbahnritt attraktiver. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam ein Experiment, in dem Menschen eine wackelige Hängebrücke überqueren mussten. 

Fantasie und Wunsch sind verschiedene Dinge

Das heißt: Nicht nur positive Gefühle wie Freude können sexuelle Erregung auslösen. Furcht und sogar Schmerz können erregen - wenn sie im richtigen Kontext stattfinden.

Dass Fantasien, in denen diese Gefühle inszeniert werden so verbreitet sind, ist also gar nicht so unlogisch.

Wichtig dabei: Eine Fantasie ist eine Vorstellung. 
Dahinter verbirgt sich nicht der Wunsch, das tatsächlich zu erleben. Wer diesen Unterschied nicht versteht, hier noch einmal deutlicher: Sexuelle Übergriffe sind strafbar und werden mit einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren geahndet.

Welche Sex-Fantasien gibt es noch? 

Auch wenn Gewaltfantasien viele anmachen, sind andere Szenarien sehr viel populärer. Auf Platz 1 stehen: Fantasien, in denen beide romantische Gefühle füreinander hegen. Dicht gefolgt von  
Sex an ungewöhnlichen Orten und Oralsex.

 Neuer Podcast: Grenzen spüren

Grenzen setzen, das ist eine wichtige Fähigkeit - natürlich nicht nur beim Sex, aber im intimen Kontakt mit Menschen ist sie besonders gefragt. Aber wo sind diese Grenzen überhaupt? Existieren sie nur in unseren Gedanken oder gibt es auch einen körperlichen Ausdruck für sie?

In diesem Podcast hilft euch Sexualtherapeutin Susanna Sitari-Rescio diese Grenzen zu visualisieren. Dadurch erschafft ihr ein inneres Bild davon, wo euer Raum anfängt und ein anderer beginnt. Das kann euch helfen, einen ersten Eindruck davon zu bekommen, wie sie sich im Körper anfühlen und sie auch im Alltag stärker wahrzunehmen.

Alle Podcasts der NEON-Reihe #sexbewusst mit Übungen und Meditationen findet ihr hier.