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Psychologie Mit dieser subtilen Methode manipulieren Narzissten beinahe unbemerkt

Narzissten manipulieren ihren Partner, um sie zum Bleiben zu zwingen. Selten spielt Liebe dabei eine Rolle. 
Narzissten manipulieren ihren Partner, um sie zum Bleiben zu zwingen. Selten spielt Liebe dabei eine Rolle. 
© Eric Audras/ / Picture Alliance
Personen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung nutzen Mikromanipulation gezielt, um Kontrolle über ihr Opfer zu erlangen. Diese realisieren es oft nicht. 

Ein Mikromanipulator ist ein Instrument für mechanische Eingriffe an sehr kleinen Objekten, zum Beispiel Zellen oder Bakterien. Narzissten bedienen sich einer ähnlichen Methode, um auf subtile Art und Weise die Kontrolle zu behalten. In der Psychologie spricht man dabei von Mikromanipulation.

Da sie oft leise und zunächst unbemerkt auftritt, dauert es eine Weile, bis die Betroffenen merken: Sie sind Opfer eines Spiels. Während sie zunächst denken, das Verhalten ihres Gegenübers sei ein Ausdruck von Liebe, dient es vor allem der Kontrolle. 

Manipulation geschieht direkt oder indirekt

Manipulation widerfährt uns dabei jeden Tag: Sei es durch einen aufdringlichen Verkäufer oder penetrante Werbung im Internet. Der Rezipient weiß in diesem Fall, dass diese Art der Beweihräucherung darauf abzielt, einen Verkauf zu generieren.

Narzissten hingegen bedienen sich bestimmter Strategien, die bei ihrem Gegenüber Empathie erzeugen sollen. Ein Beispiel hierfür ist die Selbstmorddrohung. Ist der Partner im Begriff, zu gehen, oder entfernt sich emotional, wendet der Narzisst häufig solche Methoden an, um an dessen Helferinstinkt zu appellieren.

Narzissten haben dabei weder die Absicht, Suizid zu begehen, noch planen sie es in der Zukunft. Zumindest, wenn sie nach mehrfacher Drohung professionelle Hilfe verweigern. Ein Setzen von klaren Grenzen kann hier helfen: "Ich verstehe, dass du verärgert bist und ich werde dich dabei unterstützen, Hilfe zu bekommen. Aber du kannst mich nicht direkt bedrohen oder mich zwingen, bei dir zu bleiben, um dich davor zu bewahren, dir selbst Schaden zuzufügen“, wäre ein Satz, den man in einem solchen Fall entgegen könnte, schriebt die Psychologin Kristy Lee Hochenberger in "Psychology Today". 

Mit Liebe kommt auch die Verletzlichkeit 

Dafür ist es wichtig, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung in ihrer Grundform zu verstehen. Für Narzissten ist es schlichtweg nicht denkbar, dass andere Menschen ohne sie leben wollten oder sie gar zurückweisen. Die wichtigsten Merkmale sind schließlich ein übersteigertes Ego und das Denken, jeder Mensch in der unmittelbaren Umgebung sei eifersüchtig. 

Wird Liebe angenommen und erwidert, so fühlen wir uns mit all unseren Selbstzweifeln respektiert und sicher. Aber in den Händen eines manipulativen Individuums wird sie als selbstverständlich hingenommen und endet in Ausbeutung. Nutzt ein Mensch persönliche, private und sensible Informationen, um seinen Partner oder seine Partnerin zu destabilisieren, dann kann man laut der "Psychological Harassment Information Association" von Manipulation sprechen.

Mikromanipulation: Wenn Narzissten die Kontrolle verlieren

Wenn offensichtliche Methoden allerdings keine Wirkungen mehr zeigen würden, bedienten sich Narzissten gerne der Mikromanipulation, so die Psychologin Hochenberger. Sie funktionierten ähnlich wie die indirekten Manipulationsversuche, seien aber stärker auf Sympathie und Einfühlungsvermögen des Partners sowie auf dessen selbst empfundenen Opferrolle ausgerichtet. Mikromanipulation wird gezielt eingesetzt, um die Kontrolle über die Gedanken und Gefühle des anderen wiederzuerlangen, wenn sie drohen, dem Narzissten zu entgleiten.

Dies geschieht etwa durch beiläufige Bemerkungen, beispielsweise über einen wichtigen Arzttermin, der eine schlimme Diagnose bedeuten könnte. Durch den Schock und die daraus resultierende Sympathie gelingt es Narzissten, die Schlinge um ihr Opfer wieder enger zu ziehen. 

So erzählt einer von Hochenbergers Patienten aus New England: "Meine ehemalige Partnerin schickte immer wieder Botschaften, die angeblich nicht für mich bestimmt waren und dann sagte sie: 'Hoppla, tut mir leid, das habe ich an die falsche Person geschickt.' Oder sie schickte eine Nachricht und löschte sie. Alles, was ich sah, war: 'Jane hat eine Nachricht gelöscht.“ Anfangs sei er noch auf diese Spielchen eingegangen, bis ein Freund ihm vor Augen führte, dass er seiner Ex genau das gab, was sie wollte: Aufmerksamkeit. 

Aus gewohnten Mustern ausbrechen

Manche Betroffenen sind so tief mit einem Narzissten verbunden, dass sie die Manipulationen als Tatsache akzeptieren und in der Beziehung bleiben. Andere beginnen, auf ihre innere Stimme zu hören, die diese Geschichten und Drohungen infrage stellt. Am Ende wird Manipulation dazu genutzt, um Ängste, Zweifel und Schuldgefühle zu schüren.

Hat man dieses Muster einmal erkannt, so hilft es, sich als Opfer vor Augen zu führen: Ein Narzisst wünscht sich nie einen Partner für Liebe, Unterstützung und Freundschaft. Der Zweck einer Beziehung dient lediglich der Erfüllung der eigenen Wünsche und Forderungen.

Quellen: "Psychology Today", "Time"


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